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Geflügel

Putenmastskandal: Landratsamt im Kreuzfeuer

© agrar-press
von , am
21.05.2014

Bachhagel - Runde zwei im Putenmastskandal: Sonntag zeigte Spiegel-TV Bilder eines zweiten Betriebs im Landkreis Dillingen. Wieder ging es um illegale Tötung. Eine Mitarbeiterin des Landratsamtes ist im Fokus.

Der Sperrbezirk rund um den von der Geflügelpest H5N8 betroffenen Betrieb wurde zum 1. Dezember aufgehoben. © Uschi Dreiucker/pixelio
Wieder steht ein Vertragsmäster des österreichischen Unternehmens Hubers Landhendl unter Verdacht, gegen das Tierschutzrecht zu verstoßen und Tiere illegal zu töten. Das wollen auch diesmal Aufnahmen, die die Ermittler der SOKO-Tierschutz mit versteckter Kamera gemacht haben, belegen. Spiegel-TV hat letzten Sonntag Aufnahmen aus dem Betrieb in Bachhagel im bayerischen Landkreis Dillingen gezeigt.
 
Daraufhin hat das zuständige Landratsamt Dillingen am Dienstag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Augsburg gestellt. Jetzt gerät das Landratsamt selbst unter Druck. Eine Sachbearbeiterin der Veterinärverwaltung soll laut Behörde die Ehefrau des Putenmästers aus Bachhagel sein. Wie SOKO ermittelt haben will, soll sie auf dem Video zu sehen sein, wie sie auf dem eigenen Betrieb beim illegalen Töten der Puten zusieht. Inzwischen hat das Landratsamt die Mitarbeiterin beurlaubt.

'Undercover-Ermittler' eingeschleust - illegales Töten gefilmt

Die SOKO Tierschutz habe nach eigenen Angaben vor wenigen Wochen einen "undercover Ermittler" in dem Betrieb eingesetzt. Die Tür zur Mastanlage hat offensichtlich ein Inserat geöffnet, über das der Betrieb Arbeiter zum "Tiere sortieren, merzen (Nottötungen), schlachten" gesucht habe.
 
Die eingeschleuste Mitarbeiterin zeichnete mit versteckter Kamera auf, wie die Ehefrau des Putenmästers dabei zusieht, als Tiere mit einem Schlag auf den Kopf und Genickbruch mittels einer Zange zum Kastrieren von Bullen und Hengsten getötet werden.
 
Das ist verboten, berichtet Spiegel-TV. Die Tierschutzschlachtverordnung schreibe vor, dass Nottötungen bei Puten über fünf Kilogramm mit einem Bolzenschussgerät und Kehlschnitt durchgeführt werden müssen. Das scheint auch der Mästerin bekannt zu sein. Der Sprecher der SOKO Tierschutz, Friedrich Mülln, erklärt im Spiegel-TV-Bericht, dass "unserer Ermittlerin gesagt wurde, 'das muss man eigentlich mit Bolzenschussgerät machen, diese Betäubung'. Und dann geht die durch den Stall und sieht, wie Arbeiter das völlig illegal machen. " Das zeige, "die Mäster wüssten, was los ist, und versuchen es zu vertuschen".

Landratsamt: 'Der eigene Betrieb war ausgenommen'

Wie das Dillinger Landratsamt erklärt, war die Mitarbeiterin seit ihrer Schulausbildung beim Amt beschäftigt. Zuletzt war sie halbtags im Fachbereich Veterinärwesen.
 
Um Interessenskonflikte auszuschließen, war die Mitarbeiterin dort seit Juli 2013 primär mit Aufgaben betraut, die keinen unmittelbaren Bezug zum Putenmastbetrieb ihres Mannes hatten. Lediglich im Vertretungsfall soll sie beispielsweise für den rechtlichen Vollzug des Arzneimittelgesetzes, des Lebensmittelrechts, bei der Tierseuchenbekämpfung, für Tierschauen und Tierschutzangelegenheiten zuständig gewesen sein.
 
Der Mitteilung zu Folge war es ihre Aufgabe, die Probennahmen durch amtliche Tierärzte oder Mitarbeiter der Lebensmittelkontrolle des Nationalen Rückstandskontrollplanes für sämtliche Tierbestände zu organisieren - mit Ausnahme der Putenmastbetriebe.
 
Die Mitarbeiterin werde nach Rückkehr in den Dienst eine andere Tätigkeit erhalten, teilt die Behörde mit.
 
Die SOKO Tierschutz selbst spricht auf ihrer Homepage von einem "Insiderskandal". Damit ist klar, dass "angesichts solcher Insiderpositionen selbst unangemeldete Kontrollen bei den Mastbetrieben sinnlos wären".

Der Fall in Dattenhausen

Nach der ersten Veröffentlichung eines SOKO-Videos am vorletzen Sonntag bei Spiegel-TV war ein Putenmäster aus Dattenhausen, Landkreis Dillingen, ins Visier geraten. Die Verträge zwischen diesem Landwirt und dem Unternehmen Hubers Landhendl ruhen, berichtet das Unternehmen.
 
Das Landratsamt Dillingen stellte Strafanzeige, da Verstöße gegen den Tierschutz nicht ausgeschlossen werden können, erklärte ein Sprecher gegenüber agrarheute.com. Der Landwirt selbst habe Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch durch die SOKO Tierschutz gestellt. Eine weitere Aufgabe der Staatsanwaltschaft sei es, die Echtheit der Aufnahmen zu prüfen. Das Ermittlungsverfahren läuft.
  
Wie das Landratsamt letzte Woche mitteilte, hat es nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine unangemeldeten Kontrolle auf dem Betrieb in Dattenhausen durchgeführt. Die Stallungen und Betriebsräume sollen zum Zeitpunkt der Kontrolle in einem baulich einwandfreien Zustand gewesen sein. Auch hätten die Kontrolleure Gerätschaften für das ordnungsgemäße Töten von Puten vorgefunden. Vereinzelt wurden in den Ställen verendete Tiere vorgefunden, deren Entfernung umgehend veranlasst wurde, informiert die Behörde. Ein abschließendes Gutachten werde nach Auswertung aller erhobenen Daten erstellt.

Mit Abwärme den Stall kühlen

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