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Zoonosen

Q-Fieber: Was muss ich als Landwirt wissen?

Kuh und Kalb im Abkalbestall
am Freitag, 13.11.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Was ist das Q-Fieber und wie reagiere ich als Landwirt, wenn mein Betrieb betroffen ist? Hier finden Sie sechs wichtige Fakten zum Q-Fieber.

1. Was ist überhaupt Q-Fieber?

Das Q-Fieber ist eine meldepflichtige Zoonose, die sowohl beim Tier als auch beim Mensch auftreten kann. Sie wird durch den bakteriellen Erreger Coxiella bunetii ausgelöst, der sich hauptsächlich über Geburtsmaterial wie Nachgeburten oder Fruchtwasser verbreitet und über Aerosole in die Lunge aufgenommen und übertragen wird.

Infizierte Tiere scheiden den Erreger neben den Geburtsmaterialien auch über Urin, Kot und Milch aus. Da der Erreger bis zu zwei Jahre infektiös in der Umwelt verbleiben kann, ist eine sorgfältige Hygiene beim Geburtsvorgang sehr wichtig.

2. Wie erkenne ich als Landwirt Q-Fieber im Bestand?

Q-Fieber tritt häufig symptomlos auf. Für Landwirte ist es daher oft schwierig, den Erreger im Bestand früh zu erkennen. Beim asymptomatischen Verlauf sind die Tiere bereits infiziert und scheiden den Erreger chronisch aus. Die wirtschaftlichen Schäden können dadurch enorm werden. Diese Symptome können ein Hinweis auf Coxiella bunetii im Bestand sein:

  • Nachgeburtsverhaltungen
  • Aborte (vor allem Spätaborte)
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Geburt lebensschwacher Kälber
  • Euterentzündungen
  • Gebärmutterentzündungen

3. Welche Folgen hat eine Infektion der Herde für den Landwirt?

Durch den asymptomatischen Verlauf bleibt das Q-Fieber häufig unbemerkt im Bestand. Der wirtschaftliche Schaden durch Folgeerkrankungen ist häufig sehr hoch. Neben den Leistungseinbußen gibt es viele weitere Faktoren, die die Ökonomie des Betriebes verschlechtern:

  • Die Milchleistung sinkt um zwei bis drei Liter
  • Die Zwischenkalbezeit steigt an
  • Schwierigkeiten die Tiere tragend zu bekommen
  • Erhöhter Antibiotikaeinsatz durch Euter- und Gebärmutterentzündungen
  • Verlust der Sperrmilch
  • Milchmangel durch Spätaborte (Merzen in dem Fall häufig sinnvoller)

4. Was tun bei Q-Fieber im Bestand?

tankprobe-milch

Bei Verdacht auf Coxiellen im Bestand ist die Rücksprache mit dem Bestandstierarzt der erste wichtige Schritt. Um eine Infektion nachzuweisen, kann zuerst einmal eine Tankmilchprobe auf Antikörper getestet werden. Sollte sich der Verdacht auf Q-Fieber hierdurch erhärten, ist es sinnvoll Geburtsmaterial oder Aborte auf den Erreger testen zu lassen. Gibt es auch hier ein positives Ergebnis, sollte schnellstmöglich über eine Impfung des Bestandes nachgedacht werden. Außerdem sind weitere Punkte wichtig, um die Gefahr eine Übertragung oder Ansteckung mit Q-Fieber zu verringern:

  • Hohe Hygienestandards, vor allem im Abkalbebereich (Handschuhe tragen, Desinfizieren der Geburtsketten)
  • Kalb sofort von der Mutter trennen
  • Nachgeburten ordnungsgemäß entsorgen
  • Färsen und Kühe möglichst getrennt voneinander Abkalben lassen
  • Häufiges Reinigen und Desinfizieren des Abkalbebereichs

5. Was muss ich als Landwirt über die Impfung wissen?

Grundsätzlich sind für Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Rinder Impfstoffe vorhanden. Allerdings muss man bedenken, dass die Impfung den Coxiella-Erregerdruck zwar senkt, dieser jedoch nicht vollständig verschwindet. Dies ist vor allem in der kritischen Phase vor dem Abkalben wichtig.

Der Impfstoff kostet pro Dosis 8 Euro und wird bei einem positiven Erregernachweis zum größten Teil von der Tierseuchenkasse übernommen. Ein Antikörpernachweis reicht allerdings nicht aus. Drei Wochen nach der ersten Impfung wird die zweite durchgeführt und danach alle neun Monate wiederholt.

6. Wie wirkt Q-Fieber beim Menschen?

Milch wird aus einer Kanne in einen Behälter gegossen

Zwar wurden im Jahr 2019 nur 150 Fälle von Q-Fieber beim Menschen registriert, dennoch ist der richtige Umgang mit diesem Erreger auch für betroffene Landwirte sehr wichtig. Menschen nehmen die Coxiellen, genau wie Tiere, über die Inhalation der erregerhaltigen Aerosole auf. Die Symptome äußern sich bei der milden Form mit grippeähnlichen Symptomen. Bei der klinischen Form tritt hingegen neben Kopf- und Gliederschmerzen auch Fieber und Schüttelfrost auf.

Wird Q-Fieber nicht umgehend erkannt und antibiotisch behandelt, kann es zu Spätfolgen wie atypischer Lungenentzündung oder bei vorerkrankten Menschen zu Herzinnenhautentzündungen kommen. Die Aufklärung durch den Tierarzt ist daher für Betriebsleiter und Mitarbeiter bei dieser zoonotischen Erkrankung besonders wichtig.

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