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Geflügel

Rabobank: Geflügelbranche steht vor schwerem Halbjahr

von , am
28.11.2012

Utrecht - In den meisten Teilen der Welt wird die internationale Geflügelwirtschaft zum Jahresbeginn 2013 wegen der hohen Futterkosten mit roten Zahlen zu rechnen haben.

Künftig müssen Landwirte im Rahmen der Herkunftskennzeichnung Angaben über die Herkunft und Aufzucht der Tiere machen. © Elenathewise/fotolia.de
Davon geht zumindest die Rabobank in einer aktuellen Studie aus. Vor allem in Industrieländern sei es schwierig, steigende Futterkosten über die Produktpreise an die Endverbraucher weiterzureichen. Deshalb dürfte das Augenmerk der Branche in den kommenden Monaten auf der anstehenden Sojabohnenernte Südamerikas liegen, von der man je nach Umfang eine mehr oder weniger hohe Kostenentlastung beim Futtermitteleinkauf erhoffe. Zunächst jedoch werde die weitere Gewinnentwicklung der Anbieter von ihrer Fähigkeit abhängen, ihre Produktion zur Erzielung höherer Preise diszipliniert zurückzufahren, meinen die Utrechter Analysten.

Verbaucher kauft im Moment lieber günstiger

Am meisten zu kämpfen hätten die Geflügelfleischanbieter in der Europäischen Union, in den USA und Thailand. Zuletzt hätten die Marktakteure in der EU und in den Vereinigten Staaten begonnen, ihre Erzeugung zu drosseln. Allerdings sei das Angebot von Weißfleisch und vor allem von Brustfilets in der Union immer noch relativ hoch. Derweil entscheiden sich die Verbraucher an der Kühltheke in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation laut Rabobank lieber für günstigere Produkte wie Hähnchenschenkel. Deren Preise hätten sich aber wegen der zunehmenden Nachfrage aus Südafrika im Rahmen eines kürzlich abgeschlossenen Handelsabkommens recht fest entwickelt. Obwohl sich die Preise für Geflügelfleisch normalerweise vor allem aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ergäben, könnten auch die verringerte Rindfleischproduktion in den USA und die rückläufige Schweinefleischerzeugung in der Gemeinschaft über Substitutionseffekte die internationalen Geflügelfleischmärkte stützen.

Umfangreiche EU-Exporte nach Südafrika

Wie die Rabobank-Experten weiter ausführten, schrumpfte der internationale Handel mit dem Weißfleisch im dritten Quartal 2012 wegen der verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mengenmäßig um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr, nachdem zuvor seit dem Jahr 2008 ausschließlich Zuwächse registriert worden seien. Ursache für diese zuletzt negative Tendenz sei vor allem die nachlassende Nachfrage der Hauptimporteure Hongkong, Saudi-Arabien und Japan gewesen. Die führenden Exporteure Brasilien, USA und EU dürften ein Minus von drei bis fünf Prozent bei ihren Ausfuhren verzeichnet haben.
 
Während die EU-Exporte im Zeitraum Januar bis Ende Oktober 2012 die entsprechende Vorjahresmenge insgesamt noch um drei Prozent übertroffen hätten, seien die Vergleichswerte für das zweite und dritte Quartal als Folge einer relativ schwachen Nachfrage aus dem Nahen Osten und Hongkong negativ ausgefallen. Das kräftige Wachstum der EU-Exporte nach Südafrika habe diese Einbußen nicht überkompensieren können.

Besserung zur Mitte des Jahres

Zwar verzeichnen viele der international führenden Geflügelfleischanbieter der Rabobank-Studie zufolge zurzeit noch Gewinne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Diese Margen machten aber nur noch höchstens vier bis fünf Prozent des Umsatzes aus, was im Vergleich zu den langfristigen durchschnittlichen Margen ein Minus von zwei Prozentpunkten am oberen und unteren Ende bedeute, so die Utrechter Experten. Angesichts einer wirtschaftsschwächebedingt nachlassenden Nachfrage und wegen hoher Futtermittelpreise sei abzusehen, dass viele Marktakteure im ersten Quartal 2013 rote Zahlen schreiben dürften. Profitable Geschäfte seien erst wieder zur Jahresmitte hin wahrscheinlich, weil dann mit einer umfangreicheren Futtermittelversorgung und einer saisonal anziehenden Nachfrage nach Geflügelfleisch zu rechnen sei.
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