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Milchproduktion

31 Jahre Milchquote: Im Westen viel Neues

© Ramona Heim/Fotolia
von , am
22.04.2015

31 Jahre lang wirtschafteten die deutschen Milchbauern unter der Quote. Seit drei Wochen ist sie Geschichte. Wie wirkte sich die Milchquote auf die landwirtschaftliche Struktur im Westen der Republik aus?

Weniger Kühe, weniger Kälber. Vor allem in Rheinland-Pfalz nahm die Zahl der gehaltenen Milchkühe in den 31 Jahren der Milchquote stark ab. © Ramona Heim/Fotolia
Die Milchquote ist seit nun drei Wochen Geschichte. Die deutsche Landwirtschaft wird sie aber auf Jahre hin noch prägen. In den letzten Jahrzehnten hat sie Investitionsentscheidungen beeinflusst und die Agrarstruktur im Milchsektor geprägt. Manche wollten ausbauen, hatten aber nicht das nötige Kleingeld für die Quote, anderen fehlte die Fläche. Ziel war es, Butterberge und Milchseen abzubauen, das wurde erreicht. Den Bauern hat sie aber gleichzeitig die ein oder andere schlaflose Nacht gebracht.
 
In unserer Reihe zum Ende der Milchquote haben wir bereits einen Blick auf die großen Milcherzeugerländer geworfen:

Rheinland-Pfalz: Milchkuhbestand halbiert

© LWK RLP, LfL; Grafik: Ko
227.428 Milchkühe standen 1984, im ersten Jahr der Milchquote, in den rheinland-pfälzischen Ställen. 117.200 Milchkühe waren es laut "Band 402 - Die Landwirtschaft 2013" des Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz knapp 30 Jahre später. Damit hat sich die Zahl der in Rheinland-Pfalz gehaltenen Milchkühe in dem Zeitraum nahezu halbiert.
 
An der letzten Übertragungsrunde der Milchquotenbörse, dem 1. November 2014, nahmen noch 165 Anbieter und 168 Nachfrager aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland teil. Davon waren alle 165 Anbieter, jedoch lediglich 115 Nachfrager erfolgreich.
    "Unsere Milchbauern brauchen faire und stabile Rahmenbedingungen. Dazu gehören verlässliche Einkommensperspektiven und vor allem kostendeckende Preise. Die sind aber nur dann erreichbar, wenn es dauerhaft gelingt, eine zu große Milchmenge am Markt zu verhindern", betonte die amtierende Agrarministerin Ulrike Höfken von den Grünen zum Ende der Quote. Es gelte, Instrumente gegen Krisen auf dem Milchmarkt zu verbessern. Unter anderem solle die EU-Marktbeobachtungsstelle zu einem wirksamen Frühwarnsystem ausgebaut werden.

    Saarland: Konstant bei knapp unter 15.000 Milchkühen

    Im kleinsten deutschen Flächenland, dem Saarland, wurden in 2013 laut Statistischem Amt Saarland 14.675 Milchkühe gehalten. Die Zahl hält sich seit drei Jahren mehr oder weniger konstant. Insgesamt wurden in dem Jahr 94.657 t Milch produziert, mit einer durchschnittllichen Jahresleistung von 6.340 kg Milch je Kuh. Von den 624 Futterbaubetrieben waren in 2013 175 auf Milcherzeugung spezialisert.

    Hessen: Mittelgroße Betriebe zum Wachsen verdammt

    In Hessen machten in den Jahren 2010 bis 2013 jährlich 200 landwirtschaftliche Betriebe die Hoftore dicht. Der Strukturwandel verlangsamte sich gegenüber dem Zeitraum 1999-2007 etwas. Laut Statistischem Landesamt Hessen gaben in dieser Zeit durchschnittlich 550 Betriebe pro Jahr die Bewirtschaftung auf.
     
    Die 3.450 hessischen Betriebe, die 2013 insgesamt 147.600 Milchkühe hielten, ergeben einen durchschnittlichen Bestand von knapp 43 Milchkühen je Betrieb:
    • 5 bis unter 10 ha: 100 Betriebe mit insgesamt 500 Kühen
    • 10 bis unter 20 ha: 300 Betriebe mit insgesamt 2.600 Kühen
    • 20 bis unter 50 ha: 1.000 Betriebe mit insgesamt 18.300 Kühen
    • 50 bis unter 100 ha: 1.100 Betriebe mit insgesamt 50.900 Kühen
    • 100 bis unter 200 ha: 700 Betriebe mit insgesamt 57.200 Kühen
    • 200 ha oder mehr: 200 Betriebe mit insgesamt 18.100 Kühen
    Der Viehbestand erhöhte sich in Hessen zum Ende der Milchquote noch einmal auf gezählte 148.300 Milchkühe.
     
    In einem Vortrag vor dem BDM Hessen aus dem letzten Jahr rechnete Dr. Karin Jürgens vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaftskultur (BAL) zum Thema Eigenkapitalsituation vor, wie angespannt die finanzielle Situation der hessischen Betriebe inzwischen ist. Mittelgroße Betriebe seien demnach nicht mehr in der Lage, das landwirtschaftliche Vergleichseinkommen zu erlösen. Bei größeren Betrieben sei eine deutliche Abhängigkeit von Fremdkapital zu verzeichnen, während die Erlöse aus dem Milchgeld bei kleineren Betrieben nicht mehr zur Deckung der Lebenshaltungskosten ausreichen und diese Betriebe somit zwingend auf außerlandwirtschaftliches Einkommen angewiesen seien.

    Dörr GbR aus Hessen: Ein Betrieb der Schule macht

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