Login
Wissen

5 Fakten zur A2-Milch

Milch-Glas-Kanne-Grün
Thumbnail
Jana Semenow, agrarheute
am
02.04.2018

Milch führt bei Menschen mit Laktoseintoleranz zu unangenehmen Beschwerden. A2-Milch soll aufgrund bestimmter Eiweiße leichter bekömmlich sein. Doch stimmt das wirklich? Hier kommt der Faktencheck.

1. Was ist A2-Milch

Die Bezeichnung A2 beziehungsweise A1 bezieht sich auf die jeweiligen Kaseine im Eiweißanteil der Milch. Der Unterschied zwischen beiden Varianten liegt in einer Abweichung des Beta-Kaseins. Bei der A2-Milch soll es sich um eine unveränderte Variante der natürlichen Vollmilch handeln. Im Laufe der Evolution ist bei Rindern eine Punktmutation aufgetreten, die sogenannte A1 Variante.

2. Was ist das besondere an A2-Milch?

Die sogenannte A2-Milch soll für Menschen mit Laktoseintoleranz verträglicher sein. Das soll daran liegen, dass bei der Verdauung von A1-Kasein möglicherweise mehr BCM-7 (Beta-Casomorphin-7,) freigesetzt wird als bei der A2-Variante. Jedoch haben Auswertungen beispielsweise das Max-Rubner-Institut keine bessere Verträglichkeit von A2-Milch feststellen können. Auch der Laktosegehalt soll sich nicht von A1-Milch unterscheiden.

3. Welche Kuh gibt A2-Milch?

Die Zusammensetzung der Milch ist unter anderem von der Rinderrasse abhängig. Rassen wie Jersey, Brown Swiss und Guernsey produzieren überwiegend Milch mit der Variante A2. Auch in der Fleckviehzucht liegt die Frequenz des A2-Allels bei 60 bis 65 Prozent. Bei Holsteinkühen sind nur etwa 36 Prozent der Tiere reinerbige A2-Träger.

4. Ist A2-Milch das neue Zuchtziel?

In Neuseeland soll bereits acht Prozent reine A2-Milch auf dem Markt verkauft werden. Damit sei der Marktanteil schon größer als für Biomilch. Auch verschiedene Zuchtverbände haben auf die gesteigerte Nachfrage nach A2-Vererbern reagiert.

Jedoch hätte eine radikale Selektion auf die A2-Variante auch Folgen beispielsweise für die Fleckviehzucht. Rund zwei Drittel der Selektionskandidaten kämen nicht mehr in Frage. Sortiert man in der Zuchtwertdatenbank die nachkommengeprüften Stiere nach A2A2, blieben etwa 70 Vererber übrig. Im Bereich der genomischen Jungvererber befinden sich knapp 300 in der Datenbank. Die Folge wäre ein verlangsamter Zuchtfortschritt. Aus diesen Gründen rät das länderübergreifende Zuchtwertschätzteam (D/AT/CZ) abzuwarten bis wissenschaftlich belegte Fakten zur A1/A2-Thematik vorliegen.

Mehr dazu:

https://www.lfl.bayern.de/itz/rind/172423/index.php

5. Wie reagiert der Markt?

In Australien, Neuseeland, Großbritannien und in den USA wird A2-Milch bereits über spezielle Vermarktungswege angeboten. Auch in Deutschland haben sich bereits einige Landwirte auf die Produktion von A2-Milch spezialisiert. Wie sich der Markt aber diesbezüglich weiter entwickeln wird, ist noch nicht abzusehen.

Mit Material von Rinderzucht Fleckvieh, Wir sind Tierarzt, DLG

CeresAward: Michael Kneißl ist Milchviehhalter des Jahres 2017

Auch interessant