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Milchproduktion

55 Cent für die Milch: So setzt sich der Preis zusammen

© Mühlhausen/landpixel
von , am
29.09.2015

Das ife Insitut hat ermittelt, wer bei einem Supermarktpreis von 55 Cent je Liter wieviel bekommt. Klar wird auch, warum dieser Preis für Landwirte nicht kostendeckend sein kann.

Das ife Institut geht davon aus, dass der Milchpreis aktuell weder für Milchbauern, noch für Molkereien kostendeckend ist. © Mühlhausen/landpixel

55 Cent zahlen Verbraucher bei Aldi, Lidl & Co. derzeit im Preiseinstiegsbereich für Vollmilch mit 3,5 Prozent (%) Fett. Für Landwirte bleiben davon nur 23,1 Cent je Liter übrig. Das hat das ife Institut für Ernährungswirtschaft jetzt ermittelt.

 

Hintergrund ist, dass Ausgaben wie unter anderem die Mehrwertsteuer von sieben Prozent zu entrichten ist.

Milchpreis: So viel bleibt beim Handel hängen

Die Handelsspanne des Lebensmitteleinzelhandels liegt mit 6,3 Cent je Liter auf "einem niedrigen Niveau", so das ife Institut. Der Handel muss davon unter anderem

  • Lager-,
  • Logistik-,
  • Handlingskosten,
  • Kühlung und eine
  • Gewinnmarge decken.

Die DSD-Entsorgungsgebühren für den Grünen Punkt schlagen mit 1,6 Cent je Liter zu Buche.

Milchpreis: So viel bleibt bei der Molkerei

In modernen Molkereien liegen die Produktionskosten für die Verarbeitung von Rohmilch im Schnitt bei 8 Cent je Liter. Folgende Kosten sind darin enthalten:

  • Energie
  • Wasser
  • Reinigungsmittel
  • Personal
  • Produktion
  • Abfüllanlagen

Die Verpackungskosten berechnet das ife Institut mit 8,5 Cent je Liter - der größte Kostenposten. Enthalten ist hier die Kartonverpackung einschließlich Schraubdeckel und die Umverpackung für größere Gebinde.

 

Die Kosten für Lagerhaltung und Logistik von der Molkerei hin zum Lager des Einzelhandels liegen im Minimum bei 2 Cent je Liter Milch. Wird die Milch über weite Strecken transportiert steigen die Kosten auf 3 Cent und mehr.

 

Sogenannte Overheadkosten (Verwaltung, Marge) veranschlagt das ife Institut mit 0,5 Cent je Liter.

Milchpreis: Das bleibt beim Landwirt

Berücksichtigt man die durchschnittlichen Transportkosten der Rohmilch vom Hof zur Molkerei (1,4 Cent) bleibt für den Milchbauern jetzt ein Betrag von 23,1 Cent je Liter Milch mit 3,5 % Fett übrig.

 

Das ife Institut verrechnet im Anschluss, dass die Milch mit einem höheren Fettgehalt (z.B. 4 %) an die Molkerei geliefert wird und kommt damit zu einem Milchpreis von 24,4 Cent je Liter (für 4,0 % Fettgehalt).  

So viel bekamen Landwirte im Juni in den einzelnen Bundesländern für die Milch

Nach Angaben der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) und der Bundesanstalt für Ernährung haben Landwirte im Juni (4 % Fett, 3,4 % Eiweiß, ab Hof, ohne Mehrwertsteuer) im Schnitt 28,8 Cent je Kilo Milch erhalten.

 

Innerhalb der Bundesländer gab es natürlich Unterschiede:

  • Bayern: 30,1 Cent
  • Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland: 29,4 Cent
  • Thüringen: 29,1 Cent
  • Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg: 28,2 und 28,3 Cent
  • Sachsen, Sachsen-Anhalt: 28,4 Cent
  • Schleswig-Holstein: 27,3 Cent
  • Niedersachsen: 28,0 Cent
  • Nordrhein-Westfalen: 28,8 Cent

Juli/August: ife Institut rechnet mit weiteren 2 Cent weniger

Für Juli und August liegen noch keine offiziellen Milchpreise vor. Das ife Institut rechnet vorab mit weiteren Milchpreissenkungen um etwa 2 Cent je Kilo Milch.

 

Dass die gezahlten Milchpreise im Juni mit 27,3 bis 30,1 Cent je Kilo um 4 bis 7 Cent über der vom ife Institut errechneten Milchverwertung aus einem Liter Trinkmilch liegt, führt das Institut auf folgende Gründe zurück:

  • höherer Fettgehalt der Anlieferungsmilch im Vergleich zur Verkaufsmilch
  • ältere Verträge auf höherer Preisbasis
  • Verarbeitung der Trinkmilch zu anderen Produkten
  • Molkereien brauchen Eigenkapital auf und stellen Investitionen zurück

Das Fazit des ife Instituts: Bei diesen Milchpreisen dürften weder Milcherzeuger noch Molkereien ihre Gesamtkosten decken können. Auch auf dem Weltmarkt könne man derzeit keine höhere Verwertung erzielen - obwohl es erste Anzeichen leichter Preiserhöhungen gibt. Es müssten also entweder die hiesigen Verbraucher bereit sein, mehr für die Milch zu zahlen oder man sein auf die Entwicklung des Weltmarkte angewiesen. 

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