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Hemmstofftest

Ab Juli schärferer Hemmstofftest

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am Dienstag, 21.04.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Ab 1. Juli 2020 wird in Bayern für Hemmstoffnachweise in der Anlieferungsmilch der schärfere BRT hi-sense-Test verwendet. Was sind die Gründe für die Einführung?

Die Land- und damit auch die Milchwirtschaft steht immer mehr im Fokus des öffentlichen Interesses. Das Einhalten von Recht und Gesetz, ob im Tierschutz oder bei der Lebensmittelsicherheit ist unabdingbar. Nur so lässt sich mit der Milch auch in Zukunft am Markt bestehen und das Vertrauen der Verbraucher erhalten. Jeder Lebensmittelunternehmer ist seit 2006 aufgrund des EU-Lebensmittel- hygienerechts verpflichtet, die festgelegten Rückstandshöchstmengen (Maximum Residue Limits – MRLs) einzuhalten.

In Deutschland ist seit 2008 die Milchgüteverordnung (MilchGüV) nationales Kontrollregime, um diese Pflicht umzusetzen. Mit der anstehenden, sich aber immer wieder verzögernden Novellierung der MilchGüV (letzte Novellierung 2010) wird der neue Test BRT hi-sense bundesweit verpflichtend eingeführt werden.

Aktuelle Tests erfassen nicht alle Wirkstoffe

Der derzeit eingesetzte Hemmstoffnachweis hat in Bezug auf die festgelegten Rückstandshöchstmengen Schwächen bei der Nachweisempfindlichkeit verschiedener Substanzgruppen. Im Vergleich zum aktuellen Test erfasst der BRT hi-sense bestimmte Hemmstoffgruppen wie Sulfonamide, Makrolide, Aminoglycoside oder Tetracycline sensitiver. Er erfüllt somit gleichzeitig die Anforderungen der gültigen MilchGüV und des EU-Rechts. Da bestimmte Hemmstoffe besser erfasst werden, kann es beim BRT-hi-sense-Test aber zu einer höheren Anzahl von Befunden kommen.

Einführung mit Testphase

Der neue Test wird in Bayern ab dem 1. Juli 2020 zum Nachweis von Hemmstoffen und Tierarzneimittel-Rückständen in der Milch eingesetzt. Zuvor wird es eine Einführungsphase von drei Monaten geben (seit dem 1. April 2020), in der die Rohmilch parallel zum aktuellen Test auch mit dem neuen Testverfahren untersucht wird.

Die Einführungsphase dient einem möglichst reibungslosen Wechsel der Nachweismethoden im Labor des Milchprüfrings. Zudem wird jeder betroffene Erzeuger durch Rückmeldung zu seinen Befunden informiert. Überdies wird das Vorkommen der verschiedenen Substanzgruppen in den Milchproben durch den Milchprüfring ausgewertet.

Kommt es während der Einführungsphase auf einem Betrieb zu einem positiven Hemmstoffnachweis durch das neue Testverfahren, führt dies nicht zum Milchgeldabzug. Die Molkerei erhält während der Einführungsphase keine Informationen über positive Ergebnisse mit dem neuen Test.

Wir müssen mehr tun

Nach vielen Jahren des Hinhaltens und nochmaligen Verschiebens gibt es aktuell nach wie vor keinen Termin, wann die neue Milchgüteverordnung verabschiedet werden wird. Es könnte sogar noch bis 2022 dauern. Deswegen wurde jetzt diese Entscheidung getroffen, denn um das überragende Niveau der Milchqualität in Bayern zu erhalten, muss man mit einem Anteil von fast der Hälfte der gesamten Milcherzeuger in Deutschland mehr tun als anderswo. Man darf nicht vergessen, dass Bayern ein Exportland ist.

Aufmerksam bleiben

Es ist auch kein Argument, dass es derzeit erfreulicherweise kaum positive Proben gibt, denn die rückläufige Entwicklung bei den positiven Hemmstofftests ist zwar positiv und ein großes Kompliment für die Milcherzeuger. Es zeigt sich aber, dass es sich angesichts der zunehmenden Diskussionen um den Einsatz von Antibiotika auszahlt, im Hinblick auf Hemmstoffe aufmerksam zu bleiben. Mit der Einführung des BRT hi-sense in Verbindung mit Informationen an die Landwirte soll die positive Entwicklung fortgesetzt werden.

Einführung nicht nur in Bayern

Auch Molkereien außerhalb Bayerns haben den Test bereits eingeführt. Zum Teil laufen noch Gespräche. In Niedersachsen wird nach derzeitigem Stand ebenfalls nicht gewartet, bis die neue Milchgüteverordnung in Kraft gesetzt wird und von der euro- päischen Genossenschaftsmolkerei Arla mit Standorten in Deutschland wissen wir, dass sie den Test ebenfalls schon seit längerem nutzt.

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