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Haltung und Mast

Agrarpolitiker und Tierärzte bedauern Umstellung auf freiwillige Basis

von , am
26.01.2010

Berlin - Die Entscheidung des Bundesrates zur Abschaffung der Impfpflicht gegen die Blauzungenkrankheit stößt bei Tierärzten und Agrarpolitikern weiterhin auf Kritik.

Blauzungenkrankheit © lgl bayern

Wie der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Thomas Mettenleiter, vergangene Woche bei einer Podiumsdiskussion des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt) auf der Grünen Woche erklärte, gab es 2009 während der Zeit der Pflichtimpfung nur noch sieben Neuinfektionen mit der Krankheit, nach mehr als 23.000 Fällen im Jahr 2007.

Die Diskussion über die Sicherheit des Impfstoffes sei unnötig, denn dieser sei international als sicher und wirksam eingestuft worden. Dass aufgrund der wenigen Neuinfektionen die Blauzungenkrankheit überwunden sei, glaubt Mettenleiter nicht.

Sorge: Krankheitsgeschehen könnte sich 2012 wiederholen

Ohne eine Durchimpfung könne sich das Krankheitsgeschehen bereits 2012 wiederholen. Bei einer Remontierungsrate von rund 30 Prozent sei absehbar, so Mettenleitner, dass in wenigen Jahren die Tierbestände wieder ohne jeglichen Schutz dem Virus ausgeliefert seien.

Für den agrarpolitischen Sprecher der SPD im Bundestag, Wilhelm Priesmeier, ist es nicht nachvollziehbar, dass im Bundesrat eine Mehrheit gegen die Impfpflicht votierte, obwohl die wissenschaftliche Risikobewertung eindeutig sei. Der Präsident des bpt, Dr. Hans-Joachim Götz, forderte, nicht auf das Instrument der Pflichtimpfung zu verzichten.

Freiwillige Immunisierung: Finanzierung offen

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Dr. Helmut Born, verwies auf den Einsatz mehrerer Bundesländer, darunter Rheinland-Pfalz, die sich an den Impfkosten auch nach der Umstellung auf die freiwillige Immunisierung beteiligen. Born hofft, dass trotz der Umstellung auf die freiwillige Impfung eine gewisse Durchdringung der Tierbestände mit dem Vakzin erreichbar ist. Er forderte die übrigen Bundesländer auf, dem Beispiel von Rheinland-Pfalz zu folgen und sich freiwillig an den Kosten zu beteiligen. Auf dieser Grundlage sei auch eine Kofinanzierung der EU-Kommission möglich. Wie Dr. Hans-Joachim Bätza aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium in der bpt-Runde erklärte, will sich das Agrarressort bei der EU-Kommission in Brüssel für eine Kofinanzierung auch bei freiwilliger Impfung einsetzen. Bätza zeigte sich auf der Grünen Woche zuversichtlich, dass dies gelingt. (AgE)

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