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Milchproduktion

Die aktuellen Milchpreise sind existenzbedrohend

von , am
31.07.2015

Die Situation der deutschen Milchbauern ist derzeit prekär. 24 bis 28 Cent pro Liter sind nicht kostendeckend. Agrarminister Schmidt bedauert die schlechten Vertragsabschlüsse. Bauer Willi vergleicht Preise.

Die Milch-Auszahlungspreise liegen derzeit etwa 10 Cent unter Vorjahresniveau. © Mühlhausen/landpixel
Der derzeitige Milchauszahlungspreis von 24 bis 28 Cent ist für die meisten Milchbauern nicht kostendeckend. Der Milchbauer und Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Heinz Korte beklagt die derzeitig Situation am deutschen Milchmarkt: "Frust und Wut wegen des massiven Preisdrucks des Lebensmitteleinzelhandels und wegen der Flut von kostenaufwändigen Auflagen durch die Politik von Bund und Ländern nehmen zu."
 
Korte erhalte derzeit mit 27 Cent je Liter Milch zehn Cent weniger als vor einem Jahr. Dies mache für seinen Betrieb mit 200 Kühen und 1,9 Millionen Kilogramm Milch einen Einnahmeverlust aus, der sechsstellig sei.

Schmidt: "Schlechte Verträge"

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk räumt der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt ein, dass die Preissituation derzeit schwierig ist. Laut Minister seien die Abschlüsse bei vergangenen Verhandlungen mit dem deutschen Handel nicht zufriedenstellend. Als Lösung schlägt er vor: "Wir müssen erreichen, dass der Produzent, der Milchbauer, dass der sich wettbewerbsrechtlich zusammenschließt in Verhandlungen gegenüber denen, die den Preis mit ihm vereinbaren. Da ist noch Luft nach oben."

Bauer Willi: "Preisabsprachen?"

Für viel Aufmerksamkeit sorgte diese Woche der Preisvergleich von Bauer Willi. Am 28. Juli verglich Bauer Willi die Milchpreise aller Lebensmittelketten im Umkreis seines Heimatorts und veröffentlichte darauf eine Übersicht. Sowohl bei Aldi also auch bei Lidl, Netto und Rewe lag der Preis für Vollmilch bei 55 Cent je Liter. Seine Schlussfolgerung: "Eigentlich brauchen wir in Deutschland nur noch einen Lebensmittelversorger. Könnte man ja "Volks-Konsum" nennen oder so ähnlich."

DBV: "Superabgabe für Einkommenshilfen"

Zur Unterstützung der Milchbauern schlug der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbands, Udo Folgart, vor, die Strafzahlungen des letzten Milchquotenjahres (Superabgabe) für Exportmarketing sowie für direkte Einkommenshilfen zu verwenden. "Die Exportoffensive muss die Erschließung neuer Märkte durch eine Ausweitung der europäischen Absatzförderung und den Abbau veterinärer Handelshemmnisse umfassen."
 
Liquiditäts- und Bürgschaftsprogramme müssten zusätzlich den Betrieben kurzfristig Luft verschaffen. Die Landwirtschaftliche Rentenbank habe hierzu schon ein erstes Angebot entwickelt. Auch die beantragten EU-Direktzahlungen müssten von den deutschen Behörden unbedingt noch vor dem Jahresende an die Landwirte ausgezahlt werden, fordert der DBV.
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