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Milchproduktion

Allgäuland: Über ein Drittel haben gekündigt

von , am
19.03.2010

Wangen - Die Allgäuland GmbH bestätigt, dass derzeit 37 Prozent der Lieferanten im gekündigten Zustand sind. Abwerbe-Versuche und die Verunsicherung der Landwirte durch Medienberichte hätten für eine Reihe von Kündigungen gesorgt.

Die Lieferfähigkeit sei dennoch gewährleistet, da die Lieferanten laut Satzung der Liefergenossenschaften eine zweijährige Kündigungsfrist einhalten müssten, betont Allgäuland.

Die Mehrheit der Erzeuger stünden weiterhin hinter Allgäuland. Allerdings hat man die MEG Reutlingen (ca. 30 Millionen Kilo) schon früher als vertraglich gebunden ziehen lassen. Zudem haben die Mitglieder des Butterwerkes Langenau (23 Millionen Kilo) beschlossen, die Kündigungsfrist auf drei Monate zu verkürzen. Auch die Bergbauern-Milch eG (100 Millionen Kilo) will die Kündigungsfristen in der beantragten außerordentlichen Generalversammlung auf drei Monate verkürzen.

Zott sei nicht ehrlich

Die Geschäftsführung weiß diese Solidarität zu schätzen und ist davon überzeugt, dass viele Kündigungen zurückgenommen werden, sobald die Milchpreislücke zu den Wettbewerbern geschlossen ist. Dies soll Mitte des Jahres erfolgen. Die Wettbewerber von Allgäuland behaupten stets, allein die Rettung der Bauern und ihres Milchpreises liege ihnen bei den aktuellen Abwerbeversuchen am Herzen. Die Vorgehensweise macht nach Ansicht von Allgäuland jedoch deutlich, was die rettenden Hände wirklich wollen: Das Versprechen fabelhafter, nicht zu garantierender Milchpreise sei nur ein Lockmittel, meint Allgäulan-Chef Mohsmann.

Während eine Genossenschaft dazu verpflichtet ist, höhere Endpreise an die Erzeuger weiterzugeben, gilt das nicht für ein Privatunternehmen. Zott sei in erste Linie interessiert an der Marke "Bergbauern" interessiert. Dass die Firma Zott ausgerechnet die Bergbauerngenossenschaft ins Visier genommen hat, zeige, auf was für einem Schatz Allgäuland sitze: Nicht nur der Rohstoff aus dem Allgäu ist ausgezeichnet, auch die Marke "Bergbauern" - von Allgäuland über viele Jahre hinweg aufgebaut - sei ein Vermögen wert.

Allgäuland-Sanierung auf Kurs

Allgäuland habe die Probleme erkannt. Die Produktion werde optimiert, das Sortiment drastisch gestrafft, die Distribution verbessert, neue Produkte entwickelt. Die Ertragskraft steige, die Milchpreislücke könne Schritt für Schritt - spätestens zur Mitte des Jahres - geschlossen werden. Die Schließung der Werke in Augsburg, Dettingen und Tübingen koste jedoch noch immer viel Geld. Allein in Augsburg verliere Allgäuland bis zum endgültigen Produktionsstopp am 31. März bis zu 400.000 Euro pro Monat.

Kooperationen nicht ausgeschlossen

Allgäuland setzt trotz der vielen erfolgreichen Maßnahmen nicht ausschließlich auf die eigene Kraft, sondern auch auf eventuelle Kooperationen und strategische Allianzen mit anderen Molkereien. Deshalb werden Gespräche in viele Richtungen geführt. Allerdings finden diese nur unter der Bedingung statt, dass die genossenschaftlichen Strukturen erhalten bleiben und damit die direkte Beteiligung der Erzeuger am Unternehmensgewinn gewährleistet ist. Nach Informationen des dlz agrarmagazins sei auch Bayernland als Investor im Gespräch. Doch Insider glauben nicht, dass Bayernland einsteigen werde. Branchenkenner schätzen den Investitionsbedarf auf mindestens 20 bis 30 Millionen Euro. Das sei auch für Bayernland wohl zuviel. Eine offizielle Entscheidung der Bayernland-Gremien werde in den nächsten Tagen erwartet. (jo/dlz agrarmagazin)

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