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Kommentar

Amos Venema: BHV1 - so seh ick dat!

Amos Venema
Amos Venema
am
06.06.2018

Landwirt Amos Venema berichtet monatlich über seine Sicht der Dinge. Dieses Mal: BHV1!

Moin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

solange ich Landwirt bin, beschäftigen wir uns mit BHV1. Doch was aktuell passiert, ist weder moralisch vertretbar, noch für uns Tierhalter zumutbar. Deutschland ist frei von BHV1 - Hurra! Das ist aber nur die goldene Seite der Medaille – die andere Seite ist geprägt von Verzweiflung, wenn der Virus nachgewiesen wird!

Bei uns in der Nachbarschaft ist dies zweimal geschehen. Schnell war allen Beteiligten klar, dass die gesamte Herde den Hof verlassen muss. Alle hochtragenden Kühe und Rinder (etwa 30 Prozent der Herde) durften aufgrund von neuen Verordnungen nicht mehr transportiert werden. Sie mussten direkt auf dem Hof getötet werden.

Identitäten gehen verloren

Die Landwirte und ihre Familien haben unter dem Verlust der Tiere schwer gelitten. Durch die Tötung der Rinder gehen ganze Identitäten verloren. Über Generationen gezüchtete Kuhfamilien werden von einem auf den anderen Tag ausgelöscht. Die Charakterköpfe der Herde sind mit uns durch dick und dünn gegangen und sollen in solchen Fällen von jetzt auf gleich verschwinden.

Ich wüsste nicht, was ich in einem solchen Fall machen würde. Ich bin mir nur sicher, dass, wenn die Tiere vom Hof gehen müssten, ich vorher den Hof verlassen müsste, da ich mir das nicht ansehen könnte. Ob Ihr es glaubt oder nicht, als unsere älteste Kuh letztes Jahr nach über 15 Jahren starb, habe ich schlecht geschlafen und mich an die vielen Momente mit ihr erinnert.

Wir Landwirte leben für, von und mit unseren Tieren. Wir hängen nicht nur finanziell, sondern auch emotional an unseren Herden. Also brauchen wir einen neuen Weg, zum Beispiel eine Notimpfung, denn das Töten der Tiere muss die letzte Option bleiben!

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