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Amos Venema: "Haben wir den Ukraine-Krieg als normal akzeptiert?“

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine dauert schon lange an
am Sonntag, 23.10.2022 - 05:55 (2 Kommentare)

Landwirt Amos Venema berichtet alle zwei Monate über seine Sicht der Dinge. Dieses Mal geht es um den Krieg in der Ukraine.

Amos Venema

Moin liebe Kolleginnen und Kollegen, haben wir den Krieg in der Ukraine schon vergessen? Wenn ich die Schlagzeilen und die öffentliche Diskussion betrachte, denke ich, dass wir den Krieg schon als etwas ganz „Normales“ akzeptieren. Mitte des Jahres konnten die Politiker/innen gar nicht schnell genug ins Kriegsgebiet reisen, um ihre persönliche Betroffenheit in zerbombten Kulissen medienwirksam in Szene zu setzen. Der missglückte Versuch von Bundeskanzler Olaf Scholz, sich in die Reihe der Gönner einzureihen, war für die Medien der perfekte Nährboden für eine hochstilisierte Staatskrise.

Was ist von all der Empathie und Betroffenheit geblieben? Nicht viel! Wochenlang dauerten die zum Teil peinlichen Diskussionen über das Aussetzen der 4-Prozent-Regel und die damit offensichtlich fehlende Anpassungsfähigkeit der Agrarpolitik in Krisenzeiten. „Der Zug - der Zug - der Zug hat keine Bremse“, diese Zeilen aus dem Ballermannhit beschreibt die derzeitige Situation auf der „Insel“ Europa sehr gut.

In Deutschland werden 5 Mio. Euro für die Flüchtlinge jetzt genutzt, um die Mehrbelastungen in den Tierheimen zu mildern. Was ist das für eine Botschaft an die Menschen in der Ukraine, die für die Freiheit Europas kämpfen? Sind die Tiere im Heim wichtiger als das Leid der traumatisierten Flüchtlinge aus der Ukraine?

Auch Cem Özdemir sollte wissen, dass das einen sehr faden Beigeschmack hat. Bei 34 Mio. Heimtieren macht das 15 Cent pro Tier. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die großen Tierschutzorganisationen bei ihrem hohen Spendenaufkommen in die Pflicht zu nehmen? Wir Landwirte spüren die Folgen des Kriegs und der Pandemie immer noch deutlich. Ich hoffe sehr, dass spätestens nächstes Jahr dieser schreckliche Einschnitt Geschichte ist und wieder Normalität einkehrt.

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