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Kommentar

Amos Venema: Der Milchpreis - so seh ick dat!

Amos Venema, Milchviehhalter und Agrarblogger
Amos Venema
am
26.01.2018

Landwirt Amos Venema berichtet monatlich über seine Sicht der Dinge. Dieses Mal: Die Diskussion um den Milchpreis!

Moin liebe Kolleginnen und Kollegen,

es wird langsam wieder etwas heller und wir bereiten uns auf das Frühjahr vor. Das letzte halbe Jahr war angenehm und wir konnten Löcher in der Finanzdecke stopfen. Dies war und ist auch bitter nötig! Wie jedes Jahr um diese Zeit wird wieder der Blick in die Glaskugel gewagt und alle Verbände prognostizieren den Milchpreis für das Jahr 2018! Alle sind sich ziemlich sicher, dass die Hochphase überschritten ist und wir uns wieder auf eventuelle Liquiditätsengpässe einstellen müssen! Schon werden wieder sämtliche Modelle der Mengensteuerung und Preisabsicherungen diskutiert.

Steigende Produktionskosten

Bei dieser intensiven Milchpreisdiskussion, die von der Politik sehr beflügelt wird, wird die Kostenseite vollkommen vernachlässigt. Die ganzen neuen Verordnungen und Gesetze, wie die Düngeverordnung oder die Anlagenverordnung, und der Verlust des Haushaltsanteils Großbritanniens an der EU durch den Brexit und den damit verbundenen Kürzungen des Agrarhaushalts, können unsere Produktionskosten schnell um 7 bis 10 Cent steigern. Diese Steigerung wirkt sich nachhaltig und unabhängig vom Milchpreis auf unser Einkommen aus.

Im Gegensatz zum Milchpreis, der massiv vom Weltmarkt bestimmt wird, haben wir auf die nationale und europäische Politik direkte Einflussmöglichkeiten. Die Politik beziehungsweise die Gesellschaft darf nicht immer nur fordern, sondern sie muss auch entsprechend ihrer Ansprüche fördern. Denn was nützt mir die beste Dämmung meines Wohnhauses, wenn ich gleichzeitig die Fenster permanent öffne und die kalte Luft reinlasse!

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