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Interview

Vom Anbindestall in den Laufstall: Neu- oder Umbau?

Jochen Simon von der LfL
am Freitag, 15.11.2019 - 05:00 (1 Kommentar)

Neu- oder Umbau? Die Entscheidung, wie es mit dem Anbindestall weitergeht, ist keine leichte. Architekt Jochen Simon von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gibt Tipps, was man beachten sollte.

Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Anbindeställen? Und was bedeutet das für einen Umbau?

Gemeinsam haben viele Ställe das Aufmaß. Bei Bestandsgebäuden, insbesondere aus den 50er- und 60er-Jahren, finden sich typische Abmessungen. Wir haben es in der Regel mit einer Futterachse und zwei Liegeachsen in einer Breite von jeweils rund 4,50 m zu tun. Die Stallbreiten kommen ungefähr auf 15 m. Der wichtigste Unterschied ist die Futterachse. Liegt sie quer zum Bestandsgebäude, ist sie häufig durchfahrbar. Längs angeordnet, handelt es sich meist um Stichfuttertische. Letztere machen den Umbau komplizierter, aber nicht unmöglich.

Worin liegen die größten Herausforderungen beim Umbau eines Anbindestalls?

Man darf sich durch den Umbau keine Arbeitsfallen einbauen. Manche Kompromisse bezahlt man mit täglicher Mehrarbeit, zum Beispiel beim Entmisten oder beim Füttern. Außerdem muss man darauf achten, dass man sich keine Erweiterungsmöglichkeiten verbaut. Die Herausforderung ist es, Liegeplätze und Laufgänge in heute gängiger Breite unterzubringen. Eine wandständige Liegebox benötigt 2,70 m und bei einer Mindestbreite des Fressgangs von 3 m haben wir das alte Maß von 4,50 m überschritten. Daher muss man andere Lösungen suchen.

Wie können solche Lösungen aussehen?

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen ist da der Umbau des Anbindestalls in einen Laufstall, indem man entweder versucht, die Futterachse zu verlegen, zum Beispiel als Außenfuttertisch, oder indem man mit Fressliegeboxen den bestehenden Raum nutzt. Wo dies nicht möglich ist, muss man versuchen, mithilfe von An- und Neubauten den Raum zu erweitern und einzelne Stallfunktionen im Altgebäude unterzubringen.

Wie sieht das konkret aus?

Das hängt wieder von den baulichen Voraussetzungen ab. Wie viel Platz ist um das Altgebäude? Befindet sich der Betrieb in Ortslage oder habe ich durch eine Außenlage mehr Platz? Grundsätzlich lassen sich drei unterschiedliche Stallfunktionen unterscheiden, die in der Praxis im Altgebäude untergebracht werden. So kann der ehemalige Anbindestall als Liege- oder Fresshalle genutzt werden, oder als Melkhaus, in welchem weitere Bereiche wie Kälberaufzucht oder Trockensteher untergebracht sind.

Was spricht für die Weiternutzung der Altgebäude?

Die Gebäude sind vorhanden und in der Regel auch abgeschrieben. Mithilfe der Bausubstanz lassen sich kostengünstige Lösungen realisieren. Das wird aber nur gelingen, wenn an der Grundstruktur nicht allzu viel geändert werden muss.

Wann ist es sinnvoller, neu zu bauen?

Wenn die Struktur des Altgebäudes beim Umbau so stark verändert werden muss, dass erhebliche Kosten entstehen, muss man vergleichen, bei welcher Option man besser wegkommt. Auch wenn zu viele Kompromisse bei der Arbeitsorganisation gemacht werden müssen, sollte man gut überlegen, ob ein Umbau Sinn macht. Denn dann hat man vielleicht niedrigere Baukosten, bezahlt diese aber über viele Jahre mit Mehrarbeit.
 

Interview: Markus Pahlke

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