Login
Haltung und Mast

Mit angepasster Fütterung Kälberverluste reduzieren

© landpixel
von , am
13.08.2014

Die Kälbersterblichkeit bei der Geburt kann teilweise vom Tierhalter beeinflusst werden. Forscher der tierärztlichen Hochschule in Hannover haben die Einfluss-Faktoren unter die Lupe genommen.

Eine genetische Ursache für erhöhte Kälberverluste, genannt Cholesterin Defizit, wurde bei der Rinderrasse Holstein aufgedeckt. © Mühlhausen/landpixel
Die Ursachen für Kälberverluste können von den Tierhaltern zumindest teilweise beeinflusst werden, so das Fazit der Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Im Rahmen einer Untersuchung wurden in einem großen Milchviehbetrieb mit Holstein Frisian-Kühen insgesamt 463 Kalbungen über einen Zeitraum von 3,5 Monaten kontinuierlich beobachtet und zusätzlich verschiedene Daten zu den Muttertieren erfasst.
 
Einen gesicherten Einfluss auf die Totgeburtenrate bei Kühen hatte erwartungsgemäß das Geschlecht der Kälber. Während bei den Bullenkälbern 12,2 Prozent Verluste zu verzeichnen waren, lagen diese bei den Kuhkälbern lediglich bei 7,1 Prozent.

Verfettung erhöht Sterblichkeitsrisiko

Als weiterer Einflussfaktor auf die Totgeburtenrate wurde die Körperkondition der Tiere zur Kalbung ermittelt, wobei insbesondere bei einem BCS-Wert (Body Condition Score) über 3,75 signifikant mehr Kälber tot geboren wurden. Die stärkere Verfettung der inneren Geburtswege führte zu verzögerten Geburten (verlängerte Aufweitungsphase), was das Verlustrisiko deutlich erhöhte. Einmal mehr bestätigte sich damit, dass verfettet abkalbende Tiere deutlich mehr Kalbeprobleme haben. Die BCS-Bewertung sollte zur Kalbung den Bereich von 3,25 bis 3,50 möglichst nicht überschreiten.

Ketose zum Laktationsbeginn mindern

Eine optimale Körperkondition zur Kalbung soll laut Forscher nicht nur die Verluste bei der Geburt, sondern auch das Risiko von Stoffwechselproblemen (Ketose) zum Laktationsbeginn mindern. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte der Tierhalter bereits im letzten Laktaktionsdrittel gezielt die Körperkonditionsentwicklung der Kühe beobachten.
 
Lässt sich bei den spätlaktierenden Tieren ein zunehmendes "Anfleischen" feststellen, ist davon auszugehen, dass sie energetisch überversorgt werden. Ein deutliches Zeichen hierfür ist in dieser Laktationsphase auch ein auffallend hoher Milcheiweißgehalt.
 
Um dem entgegenzuwirken, sollte die Kraftfuttermenge in Betrieben mit einer Transponderfütterung bei betroffenen Kühen langsam um 1 bis 1,5 kg reduziert werden. Problematisch sind hier natürlich Betriebe mit Teilmischrationen, die von Energiegehalt deutlich über dem Leistungsniveau spätlaktierender Tiere liegen. Gerade bei Tieren, die erst nach mehreren Versuchen wieder tragend geworden sind und deshalb auch später wieder kalben, kann es sinnvoll sein, sie vorzeitig trocken zu stellen und von der Fütterung her dann energetisch eher knapp zu versorgen (z. B. energiearme Grassilagen oder Weide, Heu).

Fütterung in der Trockenstehzeit

Zu Beginn der Trockenstehzeit sollten sich die Tiere in der gewünschten Körperkondition befinden. Bis etwa zwei bis drei Wochen vor der Kalbung sollte die Energiedichte der Ration dann auf maximal 5,6 MJ NEL je kg Trockenmasse (TM) begrenzt werden, da ansonsten mit einer zunehmenden Einlagerung unerwünschter Körperfettreserven zu rechnen ist. Die Grundration sollte mit Stroh energetisch verdünnt werden oder es müssen energieärmere Futterkomponenten (spätere Silageschnitte, Heu) zum Einsatz kommen.
 
In der Transitphase zwei bis drei Wochen vor dem Kalben erfolgt die Anpassung der Fütterung an die spätere Laktationsration. Hierbei wird die Energiedichte auf 6,4 bis 6,6 MJ NEL je kg TM erhöht, um bei der vor dem Kalben deutlich zurückgehenden Futter- aufnahme eine ausreichende Energieversorgung sicher zu stellen. Die Ration der hochtragenden Rinder sollte bis etwa 2 bis 3 Wochen vor dem errechneten Kalbetermin auf ein mittleres Energieniveau von etwa 5,8 MJ NEL je kg TM eingestellt werden.

Neigung des Beckens

Einen gesicherten Einfluss auf den Geburtsverlauf hatte in der Untersuchung auch die Neigung des Beckens bei den Muttertieren. Während bei geneigter Lage des Beckens 7,1 Prozent der Kälber innerhalb von 24 Stunden nach der Kalbung verendeten, waren es bei waagerechter oder sogar ansteigender Beckenlage mit 15,7 Prozent mehr als doppelt soviel tote Tiere. Dies verdeutlicht sehr anschaulich, dass es auch ökonomisch gesehen für Milchviehhalter sehr sinnvoll ist, bei der Auswahl von Anpaarungsbullen für ihre Kühe gezielt auf die Vererbung der Beckenneigung zu achten.

Ruhe bewahren

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Tierhalter selbst die Ruhe bewahren und erst dann eine dosierte Zughilfe leisten, wenn nach längerer Presswehentätigkeit kein Fortschritt in der Geburt zu erkennen ist. Wird bereits kurz nach dem Blasensprung (wenn die Klauen sichtbar werden) mit einer meist unnötigen Zughilfe in die Geburt eingegriffen, ist dies mit einem deutlich höheren Risiko für Muttertier und Kalb verbunden. Die meisten Kühe kalben ohne Hilfe, eine gute Beobachtung des Geburtsverlaufs reicht daher in der Regel völlig aus. Erst bei wirklichen Kalbeproblemen sollte mit einer dosierten Geburtshilfe unterstützend eingegriffen werden.

Tipps rund um die Kalbung

  • Kühe und Färsen sollten in optimaler Körperkondition zur Kalbung kommen (Zielwert BSC: 3,5)
  • Eine ausreichend große, saubere Abkalbebucht schafft die Voraussetzung für eine reibungslose Geburt.
  • Stress und Unruhe in der Zeit um die Geburt müssen vermieden werden.
  • Eine gute Geburtshygiene bei Muttertier, Geburtshelfer und den verwendeten Hilfsmitteln muss selbstverständlich sein.
  • Bei einer normalen Lage des Kalbes keinesfalls voreilig in die Geburt eingreifen. Erst wenn kein Fortschritt bei der Geburt zu erkennen ist, sollte mit dosierter Zughilfe unterstützt werden. Ein unnötig hoher Kraftaufwand (mechanische Geburtshelfer) ist in jedem Fall zu vermeiden.
  • Geburtshilfe möglichst nur am liegenden Tiere durchführen. Zug und Zugpausen müssen synchron zur Wehentätigkeit laufen.
  • Die Zughilfe muss geradeaus nach hinten erfolgen. Nach Auszug des Brustkorbes muss die Zugrichtung nach unten, das heißt beim liegenden Tier in Richtung des Euters geändert werden.
  • Zeichnet sich ein schwerer Geburtsverlauf ab, muss ein Tierarzt hinzugezogen werden.

ZWS Holstein: O-Man’s Töchter liefern guten Nachwuchs

4. Pinolo (*2009) / V: Planet / MV: O-Man / RZG: 138 / RZM: 138 / RZE: 110 / RZS: 108 / RZN: 114 / RZR: 99 / Rinderallianz, Woldegk © KeLeKi
1. Magorian (*2007) / V: Mascol ET / MV: O-Man / RZG: 149 / RZM: 145 / RZE: 96 / RZS: 106 / RZN: 122 / RZR: 104 / Masterrind, Verden © Wolfhard Schulze
2. Guarini (*2006) / V: Goldwin / MV: O-Man / RZG: 143 / RZM: 127 / RZE: 121 / RZS: 126 / RZN: 124 / RZR: 118 / Rinderproduktion Berlin-Brandenburg, Groß Kreutz © Wolfhard Schulze
3. Bakombre (*2008) / V: Baxter 2 / MV: Goldwin / RZG: 140 / RZM: 130 / RZE: 122 / RZS: 103 / RZN: 118 / RZR: 114 / Masterrind, Verden © Wolfhard Schulze
5. Billard (*2008) / V: Billion 3 / MV: O-Man / RZG: 138 / RZM: 133 / RZE: 115 / RZS: 112 / RZN: 120 / RZR: 100 / Rinderunion West, Münster © KeLeKi
6. Goldday (*2006) / V: Goldwin / MV: O-Man / RZG: 138 / RZM: 117 / RZE: 137 / RZS: 108 / RZN: 122 / RZR: 124 / Zucht- und Besamungsunion Hessen, Alsfeld © Alex Arkink
8. Pazzini (*2009) / V: Planet / MV: Goldwin / RZG: 137 / RZM: 125 / RZE: 108 / RZS: 114 / RZN 124 / RZR: 116 / Rinderallianz © KeLeKi
9. Mavid (*2006) / V: Mascol ET / MV: Eminenz / RZG: 137 / RZM: 133 / RZE: 105 / RZS: 115 / RZN: 105 / RZR: 111 / Weser-Ems-Union, Bad Zwischenahn © Alex Arkink
10. Elburn (*2008) / V: Mr.Burns / MV: O-Man / RZG: 137 / RZM: 133 / RZE: 119 / RZS: 101 / RZN: 114 / RZR: 101 / Zucht- und Besamungsunion Hessen, Alsfeld © KeLeKi
Auch interessant