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Milchproduktion

Anhaltend feste Tendenz auf dem Milchmarkt erwartet

von , am
16.03.2011

Kiel - Kieler Agrarökonom Thiele nennt Gründe für saisonale Schwankungen und das Hinterherhinken der Milchauszahlungspreise.

Bei der jüngsten Handelsrunde am 20. Dezember gingen die Milchpreise um 1,6 Prozent zurück. © Mühlhausen/landpixel
Nach Einschätzung des Kieler Agrarökonomen Prof. Holger D. Thiele spricht vieles dafür, dass im weiteren Jahresverlauf die sehr feste Lage auf dem deutschen Milchmarkt anhalten und die erhöhten Preisnotierungen für Butter, Milchpulver und Spotmarktmilch im ganzen Sortiment ankommenwerden.
 
Neue Kontrakte, ob sie Konsummilch, Käse oder die Industrieerzeugnisse beträfen, würden sich dieser Entwicklung anpassen müssen. Dann würden auch die Auszahlungspreise den Verlauf der Rohstoffwerte nachvollziehen, erklärte Thiele in der aktuellen Ausgabe der Nordmilch- Mitgliederzeitschrift "Meine Milchwelt". 

Wie gehts weiter mit dem Milchpreis

Die Milcherzeugerpreise hätten das auch in der Vergangenheit getan, allerdings mit geringeren Ausschlägen nach oben und unten. Zeitweilig, vor allem im Sommer und Herbst, seien in den vergangenen Jahren auch deutlich über den Rohstoffwerten liegende Preise gezahltworden, stellte der Kieler Agrarökonom fest. Wenn der Zyklus sich wende, würden das Spotmarktmilch, Milchpulver und Butter als erste anzeigen, ohne dass die Milchauszahlungspreise sofort nachgeben würden. Die Nordmilch hatte im Januar ihren Auszahlungspreis gegen den EU Trend gesenkt.

Jüngsten Preisanstieg nicht vorhergesehen

Zur aktuellen Lage stellte der Kieler Agrarökonom fest, dass sich lediglich die Erlöse aus dem Verkauf von Butter und Milchpulver gegenüber den Jahren 2009 und 2010 deutlich verbessert hätten. Auch dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass große Mengen dieser Erzeugnisse im Voraus noch zu niedrigeren als den jetzt am Markt notierten Preisen verkauft worden seien. Der seit Mitte Dezember eingetretene kräftige Anstieg der Butter- und Milchpulverpreise sei für alle am internationalen Markt orientierten Prognoseinstrumente nicht vorhersehbar gewesen, so Thiele. Noch bis November hätten die vom Weltmarkt vorliegenden Informationen eine verhaltene bis rückläuge Tendenz der Preise erwarten lassen.

Spotmarkt reagiert am schnellsten

Thiele wies darauf hin, dass alle Teilbereiche des Milchmarktes mittel- und langfristige Schwankungen mitmachten, wenn auch oftmals zeitversetzt, aber mit gleicher Häugkeit. Der Spotmarkt, an dem Milch, Rahm oder Konzentrate als üssige Rohstoffe gehandelt würden, reagiere am schnellsten und am heftigsten auf Angebots- und Nachfrageschwankungen. Der Agrarökonom erinnerte daran, dass der Absturz am Spotmilchmarkt schon im dritten Quartal 2007 erfolgt sei, als in anderen Bereichen die sich aus derMarktlage ergebenden hohen Verwertungen gerade erst realisiert worden seien. Bei Butter und Magermilchpulver sowie der daraus resultierenden Verwertung habe die Wende von der Hausse zur Baisse etwas später eingesetzt, aber ebenfalls im Herbst 2007.

Ein Ende nicht abzusehen

Dagegen hätten aus dem Absatz über Konsummilch und aus der Käseherstellung noch nach längerer Zeit deutlich bessere Erlöse erzielt werden können. Das historisch niedrigste Niveau sei dann in allen Segmenten des Milchmarktes 2009 erreicht worden. Dabei habe sich die Wende zuerst am Spotmarkt und dann bei Milchpulver und Butter eingestellt. Der dann einsetzende Preisauftrieb halte mittlerweile, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, anderthalb Jahre an.Wie alle zyklischen Bewegungen werde sich dieser Preisauftrieb nicht unbegrenzt fortsetzen, so Thiele. Zurzeit sei aber ein Ende nicht abzusehen.

"Aus dem Rahmen gefallen"

Wie der KielerAgrarökonom klarmacht, gehören zu den langfristigen Trends immer wieder kurzfristige Schwankungen. Das habe mit dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage innerhalb eines Jahres zu tun sowie mit den saisonalenMilchanlieferungen beziehungsweise den saisonalen Nachfrageverschiebungen. Die Milcherzeugung habe ihre saisonale Spitze im Frühjahr und den Tiefpunkt im Herbst. Molkereien seien daran interessiert, aus Kostengründen ihre Kapazitäten gleichmäßig auszulasten; und siemüssten mit oft typischen kurzfristigenNachfrageschwankungen zurechtkommen. Zur normalen Saisonalität gehörten niedrigere Preise für Butter und Milchpulver in der Zeit von Januar bis Mai und höhere für den Rest des Jahres. In dieser Hinsicht sei der Beginn des Jahres 2011 allerdings "aus dem Rahmen gefallen", erklärte Thiele.

Saisonale Schwankungen im Fokus

Ebenso gehöre zur normalen Saisonalität, dass die meisten Molkereien ein neues Kalenderjahr mit niedrigeren Auszahlungspreisen begönnen und höhere Preise im weiteren Verlauf zahlten. Dafür gebe es dreierlei Ursachen. Zum einen hänge es mit niedrigeren Erlösen zusammen, wenn zu Jahresbeginn die Nachfrage schwach ausgeprägt sei und die Molkereien vermehrt Milch zu Butter und Magermilchpulver verarbeiten oder am Spotmarkt absetzen müssten. Zum Zweiten sei damit eine Steuerung des Milchangebots mit dem Ziel einer gleichmäßigeren Auslastung der Verarbeitungskapazitäten beabsichtigt. Zum Dritten beginne mit dem Kalenderjahr für die deutschen Molkereien ein neues Geschäftsjahr, und dabei gelte immer kaufmännische Vorsicht bei allen Kostenpositionen. (AgE)
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