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Haltung und Mast

Argentinien: Rekordhohe Rinderpreise drosseln Export

von , am
17.09.2012

Argentinien ist zweitwichtigster Lieferant von Rindfleisch für die EU. Der Rinderbestand im Land hat kräftig zugenommen, dennoch ist der Export aufgrund hoher Inlandspreise zurück gegangen.

Rinder in Argentinien. © Jakob Radlgruber/Fotolia.com
Für die Europäer ist Argentinien der zweitwichtigste ausländische Lieferant von Rindfleisch. Im vorigen Jahr kamen knapp 20 Prozent aller EU-Importe aus Argentinien. Im ersten Halbjahr 2012 gingen die Einfuhren jedoch um knapp zehn Prozent zurück. Trotz der zuletzt deutlich gewachsenen argentinischen Rindfleisch-Produktion drosseln die sehr hohen Inlandspreise sowie restriktive Ausfuhrbedingungen und nicht zuletzt ein überbewerteter argentinischer Peso den Export.

Zahl der Rinder wächst kräftig

Argentiniens Rinderbestand hat in den letzten beiden Jahren wieder kräftig zugenommen. Ursache waren die sehr hohen Preise am argentinischen Binnenmarkt, aber auch die anziehende Exportnachfrage. Vorausgegangen war dem jüngsten Produktionswachstum allerdings ein Bestandsabbau infolge trockenheitsbedingter Futterknappheit, starker staatlicher Regulierungen und sehr hoher Preise für Soja und Mais. Dies hat unter anderem die anhaltende Umwandlung von Weideland in Ackerland noch beschleunigt.

Höchste Preise in ganz Südamerika

Mittlerweile drosseln die stark gestiegen Preise für Mais und Soja auch das dynamische Produktionswachstum in der Rinderproduktion. Noch bieten die sich auf historischem Höchststand befindlichen Rinderpreise jedoch ausreichend Anreiz zur Ausweitung der Produktion. Wie die Analysten des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) in einem aktuellen Report berichten, sind die Rinderpreise derzeit in Argentinien rund 40 Prozent höher als in Brasilien und etwa 20 Prozent höher als in Uruguay.

Immer mehr Rinder in Intensivmast

Wegen der anhaltenden Ausweitung des Ackerbaus und der Umwandlung von Ackerland gewinnt die intensive Rindermast (Feedlots) in Argentinien ebenso an Bedeutung wie die züchterische Weiterentwicklung des Rinderbstandes. Nach Schätzungen des USDA werden derzeit etwa fünf Millionen Rinder in Feedlots (Intensivmast) gehalten und gemästet. Dies sind etwa zehn Prozent des Gesamtbestandes. Beim Export ist der Anteil dieser Haltungsform allerdings deutlich höher.

Steigende Kosten bremsen Wachstum

Insgesamt dürfte die Zahl der Rinder in Argentinien von 2010 bis Ende 2012 um fast zwei Millionen Tiere auf gut 51 Millionen Rinder zunehmen. Auch 2013 könnte sich dieser Trend noch fortsetzten, jedoch bremsen die steigenden Kosten für Futter, Kälberzukauf und auch die wachsende Konkurrenz des billigen Geflügelfleisches sowie die sehr hohe Inflation (20 Prozent) das Wachstum ab. Die argentinische Regierung kauft deshalb acht Millionen Tonnen Mais zu deutlich niedrigen Binnenmarktpreisen (20 Prozent Exportsteuer) und bildet davon eine staatlichen Reserve.

Export deutlich unter den Erwartungen

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Im Im laufenden Jahr wird Argentinien nach der Prognose des USDA rund 170.000 Tonnen Rindfleisch exportieren. Dies sind rund 100.000 Tonnen beziehungsweise 40 Prozent weniger als zum Anfang des Jahres erwartet wurden. Ursache sind neben den hohen Binnenmarktpreisen, auch die Exportsteuern von 15 Prozent soweit die überbewertete argentinische Währung und zahlreiche andere staatliche Eingriffe in den Export.

EU ist wichtigster Abnehmer

Wichtigster Abnehmer von argentinischem Rindfleisch ist die EU und hier insbesondere Deutschland. Knapp ein Drittel aller argentinischen Exporte gehen nach Europa. Jeweils ein Fünftel der Ausfuhrmenge wird nach Chile und nach Israel exportiert. Der Absatz nach Russland und Venezuela hat wegen der dortigen niedrigeren Importpreis deutlich an Bedeutung verloren. Dagegen sind die in der EU erzielten Preise für die Argentinier offenbar relativ attraktiv - insbesondre der Import des im Rahmen der Hilton-Quote eingeführten Qualitätsrindfleisches. Insgesamt hat Argentinien von Januar bis Juni rund 29.000 Tonnen Rindfleisch in die EU geliefert. Das waren neun Prozent weniger als vor einem Jahr.

Klimakiller und Kostenfresser

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