Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Interview

Wie Sie Atemwegserkrankungen bei Kälbern vorbeugen

Krankes Kalb
am Mittwoch, 05.02.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die nasskalte Jahreszeit stellt uns immer wieder vor tiergesundheitliche Herausforderungen. Wie Sie Problemen rund um Atemwegserkrankungen vorbeugen, erfahren Sie von Tierarzt Dr. Hans Peter Klindworth.

Welche Bedeutung haben Atemwegserkrankungen in der Rinderhaltung?
Atemwegserkrankungen nehmen einen hohen Stellenwert ein. Bei Kälbern bis zu einem Alter von sechs Monaten sind sie flächendeckend anzutreffen. Es wird daher auch von einer „enzootischen Bronchopneumonie“ der Kälber gesprochen (enzootisch = ständig und häufig wiederholtes Auftreten; Bronchopneumonie = Lungenentzündung). Ihre wirtschaftliche Bedeutung ist sehr hoch, da neben den Totalverlusten durch die dauerhafte Schädigung der Lunge andauernde und enorme Leistungseinbußen auftreten.

 

Haben die Atemwegserkrankungen in den letzten Jahren eher zu oderabgenommen?
Da die Zahlen für Aufzuchtverluste in den letzten Jahren annähernd gleichgeblieben sind, ist davon auszugehen, dass eine wesentliche Veränderung nicht stattgefunden hat, wobei jedoch in einzelnen Betrieben die Kälbergesundheit deutlich besser geworden ist. In einigen sind Atemwegserkrankungen sogar gar kein Thema mehr.

 

Was sind die Auslöser und die Hauptursachen?
Obwohl die Lunge bei Säugetieren durch ein ausgeklügeltes Immun- und Abwehrsystem sehr gut gegen eindringende Krankheitserreger geschützt wird, sind Pneumonien (Lungenentzündungen) bei jungen Rindern häufig und von großer Bedeutung. Risikofaktoren für das Auftreten einer Bronchopneumonie sind virale Erkrankungen (BVD, BRSV, BHV-1, BPIV-3, BCV), Stressfaktoren wie Transport oder Mischen von Kälbergruppen und ungünstige Klimabedingungen wie ein plötzlicher Temperaturwechsel durch Wetterumschwung oder schlechte Luftqualität. Kurz gesagt: Stress in
jeder Form beeinträchtigt das Immunsystem der Lunge und ermöglicht so selbst banalen Umweltkeimen das Eindringen in das Lungengewebe und die Auslösung einer Entzündung.

 

Wie kann ich meine Herde am besten schützen?
Der Schlüssel liegt darin, die Stressfaktoren zu minimieren. Schadgasen wie Ammoniak kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Sie schädigen die Oberflächen von Atemwegen und Lunge und erleichtern den Krankheitserregern das Eindringen. Wesentliches Element ist daher die Verbesserung der Luftqualität zum Beispiel über einen Offenfrontstall oder eine FolienschlauchLüftung. Die Crux dabei ist, die Kälber vor Zugluft zu schützen, denn Kälte schwächt das Immunsystem. Zudem ist die Haltung in Kleingruppen mit maximal fünf Kälbern sehr vorteilhaft, da ­weniger Gruppenstress auftritt und die Infektionskette unterbrochen wird.

 

Welche Rolle können hier Impfungen spielen und wann sollte geimpft werden?
Da Atemwegserkrankungen häufig sehr früh in der zweiten bis dritten Lebenswoche auftreten, ist eine Muttertierimpfung mit anschließendem gutem Kolostrum-Management ein sehr guter Weg. Die jungen Tiere werden so mit Antikörpern versorgt. Bei der direkten Impfung der Kälber ist, gemeinsam mit dem Haustierarzt, ein auf die bestandsspezifischen Erreger abgestimmtes Impfprogramm durchzuführen. Auch hier gilt: Leiden die Tiere unter Stress, mindert oder verhindert das den Impferfolg. Daher sollte ein Impfprogramm immer mit Verbesserungen von ­Haltung und Fütterung kombiniert werden.

 

Was kann ich tun, wenn Tiere im Stall husten?
Bei Ausbruch von Atemwegserkrankungen muss schnell reagiert werden, um chronische Schäden zu verhindern. Die Behandlung mit Entzündungshemmern in Kombination mit
einem geeigneten Antibiotikum in Absprache mit dem Tierarzt ist zunächst Mittel der Wahl. Eventuell kann eine Notimpfung sinnvoll sein.

 

Kälbergesundheitsstall: Besseres Klima für die Jungtieraufzucht

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...