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Haltung und Mast

Aufregung um Ende der BSE-Testpflicht

© Katharina Krenn/agrarheute
von , am
10.01.2013

Brüssel/Berlin - Was schon seit Dezember bekannt ist, sorgt jetzt für Aufregung: Am März soll die BSE-Testpflicht bei gesunden Rindern entfallen. Das finden nicht alle gut.

In Deutschland wurden 2009 die letzten beiden BSE-Fälle festgestellt, in einigen Nachbarländern gabe es sich noch 2012. © Dr. Art Davis/Wikipedia
Gesunde Rinder sollen ab März nach der Schlachtung nicht mehr auf die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE) getestet werden müssen. Dafür haben die EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit (SCoFCAH) grünes Licht gegeben. Verhaltensauffällige oder gefallene Tiere sind von der Regelung ausgeschlossen. Risikomaterial (Gewebe, in dem die BSE-Erreger bei betroffenen Tieren vorkommen) muss weiterhin entsorgt werden.
 
Bereits seit Dezember ist dieser Plan der Europäischen Union bekannt, jetzt jedoch mehren sich Stimmen - sowohl dafür, als auch dagegen.

FDP: Richtige und verantwortbare Entscheidung

"Der Vorschlag des ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit in Brüssel ist völlig richtig und fachlich verantwortbar", sagt Hans-Michael Goldmann, Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses. Goldmann fordert Aigner auf, sich dem Vorschlag des Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit in Brüssel anzuschließen und die Testverfahren für gesunde Tiere in Deutschland zu lockern.
 
"Ebenso gibt es keinen Grund, auf die Nutzung wertvoller Ressourcen wie tierischer Fette, Proteine und Phosphate für die Mast zu verzichten", sagt Christel Happach-Kasan, agrarpolitische Sprecherin der FDP Bundestagsfraktion. Die in Deutschland geltende Sonderregelung stelle eine zusätzliche Belastung deutscher Landwirte im EU-Vergleich dar. Es sei im Sinne des Verbrauchers, Schlachtfette von Tieren, die als lebensmitteltauglich eingestuft werden, auch für Futtermittel einzusetzen. Gerade bei Schweinen und Geflügel, die von Natur aus Allesfresser sind, ist das absolut sinnvoll. "Bei Wiederkäuern muss die Verfütterung von tierischen Proteinen verboten bleiben, denn diese sind reine Pflanzenfresser", so Happach-Kasan.

BUND: Gefahr für Verbraucher

Reinhild Benning, Agrarexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), widerspricht Goldmann. Dass seit 2010 in Deutschland kein BSE mehr aufgetreten sei, sei "kein Anlass, die Tests komplett einzustellen." Denn Gefahr bestehe für Verbraucher in Deutschland dennoch: Hintergrund ist, dass in Deutschland auch Importrinder verarbeitet werden. Vergangenes Jahr waren in Frankreich und Polen Tiere erkrankt. Fälle die, befürchtet Benning, ohne die Tests unentdeckt geblieben werden.

Aigner: Halten vorerst an strengen Testvorschriften fest

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat angekündigt, "vorerst an den geltenden strengen Testvorschriften festzuhalten". Eine Aussage, die Benning in Zweifel zieht. Denn vorerst - bis März - gelten die flächendeckenden Tests in der EU weiter. Fraglich sei, so Benning, was Deutschland ab März macht.

Hintergrund

Die Zahl der bestätigten Fälle von boviner spongiformer Enzephalopathie (BSE) bei Rindern ist seit einigen Jahren rückläufig, informiert des Friedrich-Loeffler Institut. Die meisten Fälle gab es in England in den Jahren 1993/94, während in den anderen EU-Mitgliedsstaaten die meisten Fälle 2001/02 beobachtet wurden.
 
In Deutschland gab es 2001 mit 125 erkrankten Tiere die meisten Fälle. 2008 und 2009 wurden jeweils nur noch zwei Fälle von BSE bei Rindern diagnostiziert.
 
Das Friedrich-Loeffler Institut geht anhand der Zahlen davon aus, dass die 2011 ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung von BSE wirksam sind. Ergriffen wurden folgende Maßnahmen:
  • Verbot der Verfütterung tierischen Eiweißes an Säugetiere,
  • Definition und Entfernung spezifizierter Risikomaterialien,
  • großflächige BSE-Schnelltestuntersuchungen
Seit 2009 können die 15 alten EU-Mitgliedsstaaten auf Antrag das Testalter für Schlachtrinder und Risikotiere auf 48 Monate anheben. Dadurch ist die Zahl der in 2009 durchgeführten Schnelltests bei Rindern von etwa vier auf weniger als zwei Millionen gefallen.
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