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Milchproduktion

Australien: Langfristige Milchlieferverträge vereinbart

von , am
11.04.2013

Melbourne - In Australien haben die Einzelhandelskette Coles und die größte Molkereigenossenschaft Murray Goulburn einen Zehnjahresvertrag für Trinkmilch vereinbart.

International ist viel Milch am Markt. Auf dem Foto zu sehen: Milchkühe in Australien. © Norbert Lehmann
Murray Goulburn wird Coles, eines der beiden führenden Einzelhandelsunternehmen in Australien, ab Juli 2014 mit frischer Trinkmilch beliefern. Das Abkommen umfasst sowohl Handels- als auch Herstellermarken. Coles verpflichtet sich, eine Prämie in nicht genannter Höhe auf den Einstandspreis aufzuschlagen.
 
Die Prämie soll unabhängig von Preisschwankungen am internationalen Milchmarkt gezahlt werden. Murray Goulburn will alle zusätzlichen Einnahmen aus dem Vertrag zu 100 Prozent an seine genossenschaftlichen Lieferanten weitergeben.

Preise korrelieren

Die Vereinbarung enthält eine Klausel, wonach sich der Einstandspreis mit der Höhe des Milchauszahlungspreises der Molkerei verändert. Murray Goulburn verarbeitet mit rund drei Milliarden Kilogramm Milch fast ein Drittel der australischen Milcherzeugung.
 
Geschäftsführer Gary Helou sprach von einem bahnbrechenden Kontrakt für die australische Milchwirtschaft. Dank der langfristigen Absatzperspektive kündigte die Genossenschaft Investitionen von umgerechnet 97 Millionen Euro in zwei neue Werke in Melbourne und Sydney an. Für die Rohstoffversorgung sollen neue Mitglieder aufgenommen werden.

Regional begrenzt

Coles verpflichtete sich auch, bereits ab Juni wieder Käse von Murray Goulburn zu listen. Mit der kleineren Molkerei Norco schloss Coles ein ähnliches Abkommen mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Von beiden Abmachungen werden allerdings nur Milcherzeuger entlang der Ost- und Südostküste des Kontinents profitieren, wo die große Mehrheit der australischen Verbraucher lebt. In den übrigen Landesteilen ändert die Einzelhandelskette ihre Einkaufspolitik nicht.

"Gute Nachricht"

Der australische Bauernverband NFF begrüßte das Abkommen. NFF-Präsident Duncan Fraser sprach von "guten Nachrichten für die Milchviehhalter". Die Vereinbarung bedeute höhere Milchpreise für mehr als 2.400 Landwirte, die in der Genossenschaft zusammengeschlossen seien. Der Bauernverband hatte erst im März einen verpflichtenden Verhaltenskodex für den Umgang des Lebensmitteleinzelhandels mit seinen Lieferanten gefordert, um das Problem der untragbaren Milcherzeugerpreise anzugehen.

Konkurrent Woolworths ebenfalls aktiv

Norbert Lehmann, Redaktion agrarmanager
Norbert Lehmann, Redaktion agrarmanager
Während Coles mit seinem Abkommen Nägel mit Köpfen gemacht hat, wartet Konkurrent Woolworths noch auf eine Ausnahmegenehmigung der australischen Wettbewerbsbehörde ACCC. Woolworths will eine Freistellung vom Verbot der Preisabsprache, um mit einer Gruppe von Milcherzeugern aus dem Manning Valley im Bundessstaat New South Wales kollektiv einen Preis festzulegen für die direkte Belieferung von Woolworths mit frischer Trinkmilch.
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