Login
Haltung und Mast

Automatisch melken: So sollte die 'Roboter-Kuh' gebaut sein

von , am
09.10.2015

Wenn mit automatischen Melksystemen gemolken wird, ändern sich auch die körperlichen Anforderungen an die Kuh gegenüber Melkstand oder -karussel. Das betrifft Euter, Klauen und Tierverhalten.

Nicht alle Milchkühe sind für AMS geeignet. © Mühlhausen/landpixel
Die KTBL geht in ihrer Schrift "Automatische Melksysteme" auch auf die Wechselwirkung Tier-Technik ein. Trotz enormer Entwicklungsfortschritte hinsichtlich Mechanik und Sensorik können Roboter nicht so flexibel arbeiten wie Melker. Bei der Umstellung von konventionellen auf automatisches Melken muss deshalb immer ein Teil der Tiere den Betrieb verlassen. Einer der Gründe liegt in der Form der Euter und Zitzen:
 
  • Stufeneuter, bei denen der Abstand zwischen Vordervierteln und Standfläche größer ist als zwischen Hintervierteln und Standfläche, erschweren das Erkennen der einzelnen Zitzen und führen zu verlängerten Ansetzzeiten.
  • Zu enge Strichabstände, insbesondere der hinteren Zitzen können zu keiner eindeutigen Unterscheidung für die Erkennungssoftware führen und damit das Ansetzen verlängern.
  • Zu tief hängende Euter können insbesondere mit zunehmendem Alter zum Problem werden. Die Euterabsenkung ist umso geringer je stärker die Euteraufhängung ausgeprägt ist.
Um unnötigen Problemen während des Ansetzvorgangs aus dem Weg zu gehen, sollte zudem darauf geachtet werden, dass das Euter nicht übermäßig verschmutzt, behaart oder mit Einstreumaterialien verunreinigt ist.

Mobilität der Tiere

Bei automatischen Melksystemen suchen die Tiere die Melkbox selbstständig auf. Das Zutreiben zum Melkbereich wie beim konventionellen Melken entfällt. Gesunde Klauen und Gliedmaßen sind Grundvoraussetzung für mobile Tiere und damit ein funktionierendes automatisches Melksystem, wie die KTBL schreibt.
 
Unabhängig vom Melkverfahren sollten Milchkühe ein möglichst stabiles Fundament und gesunde Klauen aufweisen. Eine gute Klaue ist trocken, sauber und fest, das Horn ist elastisch.
 
Die Laufgänge sollten gut entmistet und die Liegeboxen regelmäßig gereinigt werden. Durch höhere Liegezeiten werden die Klauen entlastet und können abtrocknen; auch die Gelenke werden geschont.
 
Es empfiehlt sich, eine Klauenpflege mehrmals im Jahr durchführen zu lassen. So kann die ganze Herde bezüglich Klauenkrankheiten überprüft und behandelt werden.

Tierverhalten und Rangordnung

Insbesondere bei Überbelegung kann es im Wartebereich zu Rangauseinandersetzungen zwischen Tieren kommen. Die Folge ist, dass vermehrt rangniedere Tiere den Melkroboter seltener aufsuchen und manuell nachgetrieben werden müssen. Wenn der Ausgangsbereich nicht ausreichend bemessen ist, direkt am Futtertisch oder unmittelbar vor einer Tränke liegt, kann es hier zu einem Rückstau vor dem Ausgang des Roboters kommen und Auseinandersetzungen zwischen den Tieren geben.
 
Untersuchungen ergaben, dass ranghohe Tiere häufiger tagsüber den Roboter aufsuchen, während rangniedere eher in der zweiten Nachthälfte zum Melken gehen. Rangniedere Tiere suchen zudem den Wartebereich öfter auf als ranghöhere, aber verlassen diesen wesentlich häufiger, ohne das Melksystem aufzusuchen (Ketelaar de Lauwere et al. 1996). Empfehlenswert ist es daher, eine Melkbox nicht zu überlasten und damit jedem Tier genügend Zeit einzuräumen, den Melkroboter selbstständig aufzusuchen.
 
Auch interessant