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Stalltechnik

Automatische Fütterungsanlage: So hoch sind die Investitionskosten

Automatische Fütterung Stiermast
© agrarfoto
von , am
30.05.2017

Automatische Fütterungsanlagen sind mittlerweile in der Praxis angekommen. Erfahrungen zeigen wie sich der Einsatz auf Tierverhalten, Arbeitswirtschaft und Kosten auswirkt.

In den vergangenen Jahren haben Automatische Fütterungsanlagen (AFS) deutlich zugenommen. Verschiedene Mechanisierungsstufen und eine große Vielfalt bei den Techniken sind für die einzelnen Verfahrensschritte am Markt erhältlich. Bei der Technik wurden Verbesserungen der Grundfutterzwischenlagerung sowie bei den Misch- und Verteileinrichtungen vorgenommen, stellen die Tierhaltungsexperten Dr. Bernhard Haidn und Claudia Leicher vom bayerischen Institut für Landtechnik und Tierhaltung (LfL) in einem Situationsbericht fest.

Kinderkrankheiten werden beseitigt

Die Hersteller haben in den vergangenen Jahren versucht, Schwachstellen in den Anlagen zu beseitigen. Insbesondere bei den verwendeten Materialien gab es Änderungen, da die aggressive Säure der Silagen schon nach wenigen Jahren zu erhöhtem Verschleiß führte. Jedoch ist auch zukünftig eine neutrale Überprüfung in bestimmten Bereichen erforderlich.

Wie wirkt sich AFS auf das Tierverhalten aus?

Automatische Fütterungssysteme führen dazu, dass sich die Kühe länger am Fressplatz aufhalten und sich die Anwesenheit gleichmäßiger über den Tag verteilt. Am Liegeverhalten ändert sich nur die Frequenz der Liegephasen, wenn die Zahl der Fütterungen bedeutend zunimmt, da die Tiere häufiger zwischen Liege- und Fressplatz wechseln. Die Gesamtliegezeit bleibt dabei aber gleich. Über die optimale Häufigkeit der Futtervorlage- und Nachschiebevorgänge findet derzeit noch eine rege Diskussion statt.

Wie wirkt sich AFS auf die Arbeitswirtschaft aus?

  • Der Arbeitszeitaufwand für die gesamte Prozesskette der Futtervorlage schwankte in früheren Untersuchungen bei herkömmlicher Fütterungsmechanisierung je nach Rahmenbedingungen in Praxisbetrieben zwischen 4 und 10 Arbeitskraftstunden (AKh) je Kuh und Jahr.
  • Modellkalkulationen für Arbeiten zum Befüllen von Vorratsbehältern (Automatisierungsstufe II) sowie der vollautomatischen Futtervorlage (Stufe III) ergaben, dass letztere mit 0,5 bis 0,8 AKh je Kuh und Jahr gegenüber den Varianten mit Vorratsbehältern erwartungsgemäß am günstigsten abschneidet.
  • Bei Mechanisierungstechnik der Stufe II ist mit einem Arbeitszeitbedarf je nach Kuhzahl, Mechanisierung und Häufigkeit des Befüllens der Vorratsbehälter von 2 bis 7 AKh/Kuh und Jahr zu rechnen.

Damit ergeben sich gegenüber einer Mechanisierung mit einem Futtermischwagen Einspareffekte von 2 bis 4 AKh/Kuh und Jahr. Wird der Kuhbestand von 50 auf 200 Tiere vergrößert, halbiert sich der Arbeitszeitbedarf je Kuh und Jahr. Werden die Vorratsbehälter nur jeden zweiten Tag befüllt, sinkt der Arbeitszeitbedarf etwa um das 1,5-fache.

Wie hoch sind die Investitionskosten für ein AFS?

Für eine Kalkulation der Investitionskosten haben die Experten der LfL für drei Stallmodelle (80, 160, 240 Kühe) Kostenangebote von verschiedenen Firmen eingeholt. Die größten Kostenblöcke entfallen mit knapp der Hälfte auf die Vorratsbehälter. Auf Misch- und/oder Verteileinrichtungen entfällt etwa ein Drittel des Investitionsbedarfs.

  • Die Kalkulationsergebnisse weisen für 80 Kühe einen durchschnittlichen Investitionsbedarf von etwa 172.000 Euro auf.
  • Bei doppelter Kuhzahl steigt er um knapp 50.000 Euro an.
  • Bei 240 Kühen beträgt er nahezu 250.000 Euro.

In den genannten Berechnungen sind die Kosten für die Futterzentrale sowie die erforderlichen Elektroanschlüsse nicht enthalten.

Was kostet eine Futterhalle mit Futtertisch?

Zur Ermittlung des Investitionsbedarfs für eine Futterhalle wurde zunächst von den Herstellern die erforderliche Fläche für ihre Anlage eingeholt. Die daraus abgeleiteten Baukosten liegen je nach Bestandsgröße bei etwa 30.000 bis 50.000 Euro. Dagegen können bei Neubau eines Stalles durch einen schmäleren Futtertisch Kosten in Höhe von 40.000 bis 80.000 Euro eingespart werden, so dass sich unterm Strich sogar ein Plus gegenüber der Variante ohne AFS und mit breitem Futtertisch ergibt.

Wie hoch sind die Kosten eines AFS je Kuh?

Werden alle Kosten für Arbeit, Energie, Wartung und Reparaturen, Zinsansatz für Technik sowie die Abschreibung zusammengezählt, ergibt sich eine jährliche Kostenbelastung je Kuh von 263 bis 144 Euro bei 80 bis 240 Kühen. Dies entspricht bei einer jährlichen Milchleistung von 8.000 kg/Kuh 3,3 bis 1,8 ct/kg Milch. In dieser Größenordnung liegt auch eine Mechanisierung mit einem Selbstfahrerfuttermischwagen.

Zu berücksichtigen sei jedoch, so das Fazit, dass viele Aspekte nicht so einfach monetär zu bewerten sind, wie etwa die Auswirkungen auf das Tierverhalten, ein besserer Tierumtrieb oder die höhere Flexibilität in der Arbeitsorganisation.

Mit Material von Dr. Bernhard Haidn/Claudia Leicher/LfL

Automatische Fütterung: Der Triomatic T40 von Trioliet

Triomatic T40
Trioliet stellt sein neues automatisches Fütterungssystem Triomatic T40 New Edition vor. Bei der Entnahme von Silage arbeitet das System mit Kreisschneidmessern, anstatt das Futter zu fräsen oder greifen. © Trioliet B.V.
Triomatic T40 in Halle
Durch die schonendere Entnahme bleibe die Anschnittfläche der Siloblöcke fest, verspricht das Unternehmen. Nacherwärmung und Qualitätsverluste sollen so reduziert werden. © Trioliet T40
Kreisschneidmesser Triomatic T40
Als weiteren Vorteil des Schneidsystems gibt Trioliet die weitgehende Strukturerhaltung des entnommenen Futters durch die Kreisschneidmesser an. Auch eine Entnahmegenauigkeit von +/- 2 Kilogramm soll laut Hersteller so erreicht werden. © Trioliet B.V.
Triomatic T40
Energie- und Wartungskosten sind Trioliet zufolge gering. Pro Ladung verbrauche der Triomatic 0,5 bis 1 kWh, auch die Messer ließen sich durch Lösen von vier Schrauben einfach wechseln, so das niederländische Unternehmen © Trioliet B.V.
Innovation Award
Für das neue Schneidsystem im Triomatic T40 wurde Trioliet mit dem Innovation Award 2016 ausgezeichnet. © EuroTier
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