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Milchviehfütterung

Azidose bei Kühen vorbeugen

Kühe am Trog
am Freitag, 06.12.2019 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Kaum sonst wo in der Rinderfütterung wird so viel empfohlen, wie bei der Pansenazidose. Dennoch ist sie weit verbreitet.

Bei pH-Werten unter 5,5 entstehen verschiedene Formen der Pansenazidose. Steigen die Werte über 7,0, treten verschiedene Formen der Alkalose auf. Einschließlich der Folgeschäden kann eine Azidose rund 1 bis 3 Euro je 100 kg Milch kosten. Darin sind Tierverluste noch nicht eingerechnet. Zur Vorbeuge ist es wichtig, nicht erst zu reagieren, wenn eine akute Azidose oder Alkalose vorliegt. Um Vorstadien zu erkennen, spricht man von Pansenfermentationsstörungen. Welche Ursachen hat eine Fermentationsstörung? Der auslösende Faktor ist immer eine ungenügende Strukturwirksamkeit der Ration. Damit der Pansen optimal funktioniert, müssen drei wichtige Funktionen erfüllt sein:

  • eine ausreichende Wiederkauaktivität (Wiederkaudauer je Tag 6,5 - 8 h, Kauschläge gesamt 55.000, davon beim Fressen 22.000, beim Wiederkauen maximal 25.000 in 24 Stunden),
  • verbunden mit der Bildung von Speichel mit Natriumhydrogenkarbonat, welcher als Pansenpuffer fungiert,
  • das Ausbilden einer Schwimmdecke im Pansen,
  • eine ausreichende Pansenmotilität  (Pansenkontraktionen: 16 - 24/10 min).

Werden zu wenig strukturwirksame Substanzen gefüttert, weichen Fermentation und Regulierungsfähigkeit des Pansens von der Norm ab. Werden unter diesen Bedingungen in großer Menge Futtermittel zugefüttert, die im Pansen große Mengen Säure erzeugen, kommt es zur azidotischen Auslenkung. Kommen stattdessen viele alkalisch wirkende Elemente in den Pansen, tritt eine alkalotische Belastung auf. Es sei festgestellt, dass eine Pansenfermentationsstörung nicht zwangsläufig zu einer Azidose führen muss.

Ausreichend strukturwirksame Rohfaser

Ja nach Leistungsniveau der Herde, spielen energiereiche Futtermittel eine große Rolle bei der Entstehung von Azidosen. Hier stehen vor allem die Getreidearten als Konzentrate und verschiedene Maisprodukte, sowohl Maiskörner als auch Maissilagen im Vordergrund. Eine ungenügende Strukturwirksamkeit ist meist mit einem zu hohen Anteil an leicht fermentierbaren Kohlenhydraten verbunden.

Um das zu vermeiden sind folgende Bedingungen zu erfüllen: Eine Kuh mit 650 kg Körpermasse benötigt 2.600 g strukturwirksame Rohfaser beziehungsweise 2.800 g strukturwirksame Saure Detergentienfaser (ADF) oder 6.500–7.500 g Neutrale Detergenzienfaser (NDF) pro Tag. Das gilt unabhängig von ihrer Leistung und ihrem Reproduktionsstadium. Von dieser Menge sollen 10 – 15 Prozent länger als 19 mm und weniger als 10 Prozent kürzer als 1,2 mm sein. Jede Rationsberechnung beginnt mit dem Einsatz der verfügbaren Grobfutter (Grünfutter, Silagen, Stroh). Bei der anschließenden Kalkulation der Konzentrate, ist bei separatem Verabreichen oder bei Teilmischrationen (z.B. in Melkroboterbetrieben) der Verdrängungswert zu berücksichtigen. Er gibt an, wie viel Grobfuttertrockensubstanz durch das Konzentrat aus der Ration verdrängt wird.

Durchflussstärke ist entscheidend

Der überwiegende Teil der Kohlenhydrate wird im Pansen in flüchtige Fettsäuren (Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure) umgewandelt, die durch die Pansenwand resorbiert werden.

Ein Teil der Stärke wird jedoch erst im Dünndarm abgebaut. Diese beständige Stärke (Durchflussstärke) liefert im Dünndarm direkt Glukose zur Resorption. Die Stärke aus den Getreidearten hat einen Anteil von 10 – 15 Prozent beständige Stärke. Bei den Maisprodukten bestehen große Unterschiede in der Beständigkeit. So zeichnet sich der getrocknete Körnermais durch einen hohen Anteil beständiger Stärke aus. Ähnlich hohe Werte zeigen nur noch Kartoffeln und einige Kolbenhirsearten. Der Einsatz von Futtermitteln mit einem hohen Anteil an beständiger Stärke bringt mehrere Vorteile in der Ration:

  • Es wird weniger Säure im Pansen gebildet und dadurch sinkt der pH-Wert weniger stark ab.
  • Die futtermittelspezifische Restriktion für Getreide wird dadurch erweitert. Für Getreide (ohne Mais) liegt sie bei 4 kg/Tier und Tag. Bei Einsatz von Körnermais kann man die Menge bedenkenlos um 2 - 3 kg erhöhen.
  • Die aus der Durchflussstärke im Dünndarm resorbierte Glukose bringt 30 – 40 Prozent mehr Energie als die über die Fermentation im Pansen (Bei der Fermentation im Pansen liefert 1 kg Stärke etwa 150 g Propionsäure, im Dünndarm werden daraus 400 g Glukose gebildet).

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