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Haltung und Mast

BHV1 wieder ausgebrochen

von , am
19.04.2012

Donau-Ries - Im Landkreis Donau-Ries ist in zwei Betrieben die Rinderseuche BHV1 ausgebrochen. Der Ausbruch hat für die betroffenen Betriebe gravierende Folgen: Alle Rinder müssen ausgemerzt werden.

Im Schnitt hielten die deutschen Milchviehbetriebe in diesem Prüfjahr 72,4 Kühe. © agrar-press
Die Tierseuche ist in einem Mastbestand in Alerheim und einem Milchviehbestand in Balgheim ausgebrochen. Ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Ausbrüchen gibt, ist bis jetzt unklar. Auch der Einschleppungsweg der Seuche konnte bis jetzt nicht aufgeklärt werden.
 
Für die beiden Bestände hat der BHV1-Ausbruch schwerwiegende Folgen, denn die Rinder beider Bestände müssen ausgemerzt werden. Allerdings werden die betreffenden Landwirte von der Bayerischen Tierseuchenkasse für ihre finanziellen Verluste entschädigt.

Wie muss ich reagieren?

Mittlerweile wurden nach Informationen des Landkreises in den betroffenen Ortschaften Umgebungsuntersuchungen eingeleitet, deren Ergebnisse jedoch noch nicht vorliegen. Allen Landwirten im Ries wird dringend geraten, derzeit bei Zukäufen äußerste Vorsicht walten zu lassen oder derzeit ganz darauf zu verzichten.
 
Betriebsfremden Personen (Tierärzte, Besamungstechniker, Viehhändler) sollten vor dem Betreten des Stalles unbedingt saubere Stiefel und saubere Schutzkleidung zur Verfügung gestellt werden.

Um eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern, wird für die Ortschaften Balgheim und Alerheim ein Sperrbezirk eingerichtet. Für die beiden Ortschaften gilt ab sofort , dass Rinder nur mit Genehmigung aus dem Sperrbezirk verbracht werden dürfen. Anträge auf Genehmigung sind beim Veterinäramt (Dr. Sälzle, Dr. Kellner, Dr. Glas) zu stellen (Telefon 0906-74-421 oder 0906-74-422).
 
Bei der BHV1-Infektion der Rinder handelt es sich um eine anzeigepflichtige Seuche. Der Verdacht auf Ausbruch der Seuche ist daher unverzüglich dem Veterinäramt zu melden (Telefon 0906-74-422).

Wie erkenne ich die Erkrankung?

Verdacht auf eine Infektion mit BHV1-Viren besteht insbesondere bei Erkrankungen der oberen Atemwege (in der Nase und der Luftröhre) in Verbindung mit hohem Fieber (40 bis 42 Grad Celsius) und mit Blut vermischtem serösem Nasenausfluss. Häufig kommt es zu einer Hyperämie der Flotzmaul- und Nasenschleimhäute, die zu dunkelroten Verfärbungen führen.
 
Laktierende Tiere zeigen zu Beginn der Krankheitserscheinungen ein Absinken der Milchleistung. Später treten oft Husten und Augenausfluss hinzu. Manchmal sind auf der Nasenschleimhaut auch stecknadelkopfgroße, pustelartige Erhebungen erkennbar. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis sechs Tage, die Krankheitsdauer durchschnittlich zehn bis 14 Tage.

Was ist BHV1?

Der Erreger der Rinderseuche ist das Bovine Herpes-Virus 1, das bei Rindern zu schweren Atemwegserkrankungen, teilweise mit Todesfolge, und Fruchtbarkeitsstörungen führen kann. Auch Schafe und Ziegen sowie Wildwiederkäuer können sich infizieren. Ein mit diesen Viren infiziertes Rind bleibt lebenslang Träger des Virus.
 
Nach Durchlaufen der Infektion ziehen sich die BHV1-Viren in die Ganglienzellen des zentralen Nervensystems zurück. In dieser Phase werden keine Viren ausgeschieden, sodass auch keine anderen Tiere infiziert werden können. Bei jeder Schwächung des Immunsystems (beispielsweise durch Transport, Stallwechsel, Erkrankung, Geburt, schlechte Haltungsbedingungen) kann es jedoch zu einem erneuten Ausbruch der Erkrankung und zur Ausscheidung der Viren kommen. Diese Eigenschaft der Herpes-Viren kennen alle Menschen, die mit Herpes-Simplex-Viren (Lippenherpes) infiziert sind. Das Bovine Herpes-Virus 1 ist jedoch für Menschen völlig ungefährlich.
 
Der Landkreis Donau-Ries gilt seit Juni 2010 als BHV1-frei. Seit 18. Oktober 2011 ist der gesamte Freistaat Bayern von der EU-Kommission als BHV1-freie Region anerkannt.  
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