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Biosicherheit Milchviehbetrieb: Darum ist es so wichtig

gummistiefel auf dem feld
am Montag, 02.09.2019 - 13:52 (Jetzt kommentieren)

Mit dreckigen Gummistiefeln beim Nachbarn ins Wohnzimmer? – Eher nicht! Warum dann in seinen Stall? Warum mehr auf Biosicherheit in Rinderbetrieben geachtet werden muss, erklärt Dr. Mark Holsteg.

In jüngster Vergangenheit wurden immer wieder Tierseuchen auf Rinderbetrieben gemeldet. Die entstandenen wirtschaftlichen Schäden haben einige Existenzen gefährdet. Sind die Betriebe nicht konsequent genug oder worin liegt das Problem?
Die Rinderhaltung hat in diesem Bereich noch Nachholbedarf. Im Gegensatz zu anderen nutztierhaltenden Betrieben wie der Schweine- oder der Geflügelhaltung gibt es keine gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich der Biosicherheit. Die freiwilligen Maßnahmen reichen einfach nicht aus, um einen ausreichenden Seuchenschutz zu gewährleisten. Die jüngsten BHV1-Fälle haben uns zwar das Thema Bio- sicherheit wieder mehr ins Bewusstsein geführt, aber die Umsetzung ist einfach nicht konsequent genug.
Wo genau liegt das Problem in der Umsetzung? Welche Biosicherheitsmaßnahmen müssen dringend eingehalten werden?
Der Fokus muss auf dem Personenverkehr liegen, der in Kontakt mit dem Betrieb steht. Dies betrifft hauptsächlich Menschen, die im Rinderbereich arbeiten wie Tierärzte, Techniker, Berufskollegen oder auch Viehhändler. Betriebsfremde Personen dürfen nicht einfach über den Hof oder in den Stall laufen. Sie benötigen Einwegkleidung, wie Stiefelüberzieher oder Overalls.
Personen, die regelmäßig in den Stall müssen, wie der Tierarzt, können die Tiere mit Einweg- überziehern nicht vernünftig behandeln. Im Idealfall bekommen sie betriebseigene Kleidung gestellt und müssen ähnlich wie im Schweinebereich durch eine Hygieneschleuse in den Stall gehen. Für eine Investition von etwa 500 Euro bekommt der Landwirt Schutzkleidung in guter Qualität und in verschiedenen Größen. Die größte Herausforderung liegt weiterhin in der Umsetzung.
Worauf sollte bei Tiertransporten geachtet werden, wenn beispielsweise der Viehhändler Kälber abholt oder ein totes Tier vom Hof abgeholt werden muss?
Diese Personen dürfen ebenfalls nicht einfach über den Hof laufen oder sich alleine und ohne Schutzkleidung im Stall aufhalten. Im Idealfall besteht die Möglichkeit, die Tiere an einer extra dafür vorgesehenen Stelle abzuholen, ohne dabei den Hof mit dem Fahrzeug direkt zu überqueren. Schließlich sind diese Menschen immer in Kontakt mit rinderhaltenden Betrieben.
Ist es von der betrieblichen Gegebenheit her nicht möglich die Tiere separat abzuholen, muss der Zuständigkeitbereich klar definiert werden. Betriebseigene Mitarbeiter sind für den Transport bis zum Anhänger zuständig, ab dem Anhänger der Viehhändler.
Aber es lassen sich zusätzliche Schutzmaßnahmen bei Hofveranstaltungen durchführen. Hinweisschilder sollten darauf aufmerksam machen, nicht unbefugt den Stall zu betreten. Betriebsführungen durch den Stall dürfen nur in Begleitung des Betriebspersonals erfolgen. Eine weitere Maßnahme wäre, den Futtertisch abzusperren und die Besucher über die Risiken einer Tierseuchenverschleppung zu informieren.
Welche Erreger werden am häufigsten innerhalb eines Betriebs verschleppt?
Am häufigsten sind es Durchfallerreger, die sich über den Kot in den Profilen der Gummi- stiefel festsetzen und so intern oder in einen anderen Betrieb verschleppt werden. Besonders anfällig dafür sind die Jüngsten der Herde: die Kälber. Sie verfügen noch nicht über ein ausgebildetes und starkes Immunsystem. Darum sollte in der Jungtieraufzucht nicht kontinuierlich, sondern nach dem Rein-Raus-Verfahren eingestallt werden. Einzelboxen oder -iglus lassen sich dann noch am selben Tag reinigen und desinfizieren. Zudem sollte jedes Kalb beim Tränken seinen eigenen Nuckel besitzen. Werden diese Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigt, lässt sich die Gefahr einer Erregerverschleppung minimieren.
Worauf sollte im Umgang mit den Tieren noch geachtet werden?
Die tägliche Versorgung der Tiere muss immer nach einem bestimmten Ablaufplan erfolgen. Angefangen wird bei den Kälbern. Hier gilt die Regel: Zuerst sind die Jüngsten dran, dann geht es weiter zu den ältesten Kälbern und zum Schluss sind die kranken Tiere an der Reihe. Danach geht es zu den Frischabkalbern, den Kühen und zum Schluss zum Krankenabteil beziehungsweise zum Quarantänestall.Wird der Ablaufplan eingehalten und bei notwendigen Personen die Schutzkleidung ausgeteilt, lässt sich mit relativ wenig Aufwand die innerbetriebliche Biosicherheit auf dem Milchviehhof sicherstellen.

Mehr zum Thema Biosicherheit finden Sie im aktuellen agrarheute Magazin 09/18.

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