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Klauengesundheit

Biotin beim Rind: Nicht nur für die Klauen gut

Klauenpflege: Eine gute Biotinversorgung wirkt sich auch positiv auf die Klauengesundheit aus.
am Dienstag, 27.12.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Biotin, oder auch Vitamin B7 oder Vitamin H genannt, hat vielfältige Wirkungen im Rinderorganismus. Daher ist eine ausreichende Versorgung entscheidend.

Wiederkäuer sind in der Lage, Biotin selbst zu synthetisieren und ihren Bedarf damit zu decken, doch es kann auch nötig sein, Biotin zuzufüttern.

Biotin gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen. Es wird als Vitamin B7 bezeichnet beziehungsweise aufgrund seiner besonderen Wirkungen auch als Vitamin H wie Hautvitamin. Es kommt in freier Form vor, kann aber auch an ein Protein gebunden sein. Bei der Biotin-Protein-Verbindung muss das Biotin durch das Enzym Biotinidase freigesetzt werden, damit es verfügbar wird und vom Tier absorbiert werden kann. Die Bioverfügbarkeit von Biotin beträgt im Mittel verschiedener Angaben rund 45 Prozent.

Eigenes Biotin reicht nicht

Im Gegensatz zu Geflügel oder Schweinen findet beim Wiederkäuer eine bakterielle Biotinsynthese in den Vormägen statt, die bei optimal funktionierendem Pansen ausreicht, um die Grundfunktionen des Tiers zu gewährleisten. Da Ergänzungen in der Ration mit Biotin zweckmäßig und nötig sein können, gibt es Richtwerte zur Biotinversorgung von Wiederkäuern. Biotinreiche Futtermittel sind Hefen und Ölsaaten, während in Getreide und Leguminosen nur geringe Mengen zu finden sind. Insgesamt gibt es nur sehr wenig und häufig lückenhafte Angaben zum Biotingehalt in Futtermitteln.

Wirkungen im Stoffwechsel

Biotin spielt im Stoffwechsel eine vielfältige und bedeutende Rolle. Die wichtigste Wirkung beruht auf seiner Funktion als Coenzym. Ein Coenzym ist Bestandteil eines Enzymes, das die Reaktionen des Enzyms beschleunigt, funktionelle Gruppen, Elektronen oder Energie aufnimmt beziehungsweise abgibt und zeitweise an das proteinhaltige Enzym gebunden ist.
Als Coenzym von Carboxilasen ist Biotin an der Übertragung von CO2-Gruppen (Carboxylierung) beteiligt. Weiter spielt es bei der Bildung von Glukose im Intermediärstoffwechsel (Gluconeogenese), beim Umsetzen von Propionsäure, Acetyl-Coenzym A und Malonyl-Coenzym A im Zusammenhang mit dem Citratyklus im Energiestoffwechsel bedeutende Rollen.

Pansenbakterien brauchen Biotin

Für die Funktion der Pansenbakterien, Zellulose zu verdauen (zellolytische Wirkung), ist ebenfalls Biotin erforderlich. Im Fettstoffwechsel ist es an der Fettsäuresynthese beteiligt und bildet den „Interzellularkitt“ in Klauen. Biotin hat außerdem einen wesentlichen Einfluss an der Bildung von Keratinproteinen. Es nimmt Einfluss auf den Cholesterin- und Nucleinsäurestoffwechsel, ermöglicht die chemische Abspaltung von Aminogruppen (Desaminierung) bei der Aminosäure Leucin und bei der Bildung des Lysozym-Aktivators (Infektionsimmunität). Schließlich beeinflusst Biotin die Kalkdrüsen der Haut.

Was bei Mangel passiert

Biotinmangel zeigt sich bei allen Tierarten durch vermindertes Wachstum. Darüberhinaus kommen spezielle Mangelsymptome hinzu. Beim Rind sind dies:

  • geschädigtes Klauenhorn,
  • gestörte Fruchtbarkeit,
  • Glukosemangel,
  • verfärbte Haare,
  • veränderte obere Hautschichten,
  • zunehmende Euterentzündungen (Anstieg der somatischen Zellzahl).

Milchkühe zusätzlich versorgen?

Bei Milchkühen wird davon ausgegangen, dass die Grundversorgung mit Biotin auch bei hohen Leistungen aus der mikrobiellen Synthese gedeckt wird. Allerdings ist bei ungenügender Strukturwirksamkeit der Ration (Teilchengröße oder ungenügende Fasermenge) und den daraus folgenden Pansenfermentationsstörungen mit einer eingeschränkten Biotinsynthese zu rechnen. Zu beachten ist, dass bei abfallendem pH-Wert im Pansen weniger Biotin gebildet wird. Dadurch kann es bei hohem Konzentratanteil zu Biotinmangel kommen.

Hierbei sind vor allem Herden gefährdet, in denen die Futteraufnahme insgesamt und besonders die Aufnahme an Grobfutter nicht den leistungsabhängigen Anforderungen entspricht. Hier kann es sinnvoll sein, die Ration mit Biotin zu ergänzen. Außerdem wird berichtet, dass sich Biotin in Kombinationspräparaten zur Ketosevorbeuge bewährt hat.

Biotin bei loser Wand zufüttern

Der zusätzliche Einsatz von 15 bis 20 mg Biotin je Tier und Tag für mindestens sechs Monate bei allen Tieren der Herde (einschließlich der trockenstehenden Kühe) kann das Klauenhorn bei weichem Ballen- und Sohlenhorn und bei „loser Wand“ verbessern.

Mit hohen zusätzlichen Gaben von 20 mg Biotin je Tier und Tag war es möglich, die Milchleistung zu erhöhen, während der Milchfett- und -eiweißgehalt gleichblieb. Das heißt, dass die Fett- und Eiweißmengen insgesamt anstiegen.

Als Referenzwerte des Versorgungsgrads mit Biotin sind folgende Zahlen angegeben:

  • mehr als 125 µg je kg Milch,
  • mehr als 1,5 µg je l Blutplasma.
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