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Haltung und Mast

Bullen müssen Fitness beweisen

von , am
27.11.2009

Hannover - Schon die bisherige Prüfliste für den Zuchtwert von Bullen in der deutschen Rinderzucht war sehr umfangreich, jetzt wurde sie nach Angaben des Landvolks Niedersachsen um einen weiteren Aspekt verlängert.

© mbfotos/Fotolia

Neben den wichtigen Kriterien Milchleistung und Exterieur wird künftig auch ein Zuchtwert für die Fitnessmerkmale Fruchtbarkeit, Kalbeverlauf und Langlebigkeit ermittelt. Mit der gesonderten Ausweisung dieses RZFit (Relativzuchtwert für Fitness) erhalten die Züchter die Möglichkeit, gezielt auch in diesen Merkmalen geeignete Anpaarungspartner für ihre Milchkühe zu finden.

Weiterhin stehen natürlich Milchmenge und Milchinhaltsstoffe an erster Stelle bei der Zuchtauswahl, daneben liegt auch großes Gewicht beispielsweise auf Euterform und gesunden Beinen. Zwischen hoher Milchleistung und Fitness besteht jedoch eine negative genetische Beziehung, so dass der gleichzeitigen Verbesserung auch von Fruchtbarkeit und Langlebigkeit enge Grenzen gesetzt sind. Zudem haben diese Merkmale nur eine geringe Erblichkeit und sind deshalb züchterisch schwerer zu verbessern als die Milchleistung. Gerade bei den Holstein-Rindern als führender Rasse bei der Milchleistungsveranlagung werden diese Defizite deutlich. Manche Züchter versuchen deshalb, durch Einkreuzung anderer Rassen das Problem zu lösen, allerdings können die Kreuzungsnachkommen nicht mehr als Zuchttiere im Herdbuch eingetragen werden.

1.000 Holstein-Bullen unter der Lupe

Aber auch in der zahlenmäßig ohnehin mit Abstand führenden Holstein-Rasse gibt es Bullen, die neben einer guten Leistungsvererbung auch sehr gute Fitness-Eigenschaften an ihre Nachkommen weiter geben. Um diese herauszufinden, durchlaufen die Bullen einen Testeinsatz in der Besamung. Anschließend kommen sie auf "Warteposition", bis genügend Töchter selbst als Kühe auf ihre Leistungseigenschaften geprüft worden sind und sich daraus ein statistisch abgesicherter Zuchtwert ermitteln lässt. Danach entscheidet sich das weitere Schicksal des Bullen: Langjähriger Einsatz als Topp-Besamungsbulle oder Schlachthaus bei ungenügendem Zuchtwert. Jedes Jahr werden in Deutschland ungefähr 1.000 Holstein-Bullen auf diese Weise getestet. (pd)

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