Login
Haltung und Mast

Bullenmast in großen Gruppen - so funktioniert's

von , am
21.10.2014

Bullenmast wird in Norddeutschland anders betrieben als in Süddeutschland. Wie das Management großer Gruppen in Bayern funktioniert, lesen Sie hier.

© LWK Niedersachsen
Bullenmast wird in Norddeutschland anders betrieben als in Süddeutschland.
 
In Bayern werden andere Rinderrassen zur Mast in großen Gruppen eingesetzt als im hohen Norden, die Futterzusammensetzung unterscheidet sich, die Ställe sind anders ausgestaltet und auch bei der Vermarktung gibt es Besonderheiten. Außerdem legen die bayerischen Mäster auf eine Sache ganz besonderen Wert. Auf welche, das lesen Sie hier.

Bullenmast in Bayern: Von der Betriebsgröße bis zur Vermarktung

  • Betriebsgröße: Im mittelfränkischen Würzburg weisen die Betriebe im Schnitt durchschnittlich 130 Bullen auf.
  • Rinderrassen: Gemästet werden vor allem Fleckviehtiere und Kreuzungen, teilweise auch mit Blau-Weißen Belgiern.  
  • Kälberqualität: Die bayerischen Mäster legen großen Wert auf eine hervorragende Qualität bei den Kälbern, was sich dann in einer hohen Leistung widerspiegelt. Tägliche Zunahmen von über 1.400 g bis 1.600 g sind üblich. Entsprechend bemuskelt sehen die Bullen aus.
  • Klassifizierung: Es werden überwiegend U-Bullen gemästet, vielfach auch Bullen in der Handelsklasse E; R3 kommt seltener vor.
  • Endgewichte: Die Betriebe versuchen auf hohe Endgewichte zu mästen. Die Praxis, Bullen über 18 Monate und mehr als 420 kg Schlachtgewicht mit Abzügen zu belegen, setzt hier Grenzen (oder aber für Bullen unter 18 Monaten einen Zuschlag zu zahlen).
  • Vermarktung: In Süddeutschland wird ein Teil der Tiere immer noch über Metzger vermarktet, so dass es nicht nur eine Vermarktungsschiene gibt.

Fütterung in der süddeutschen Bullenmast

  • Die hohen Zunahmen in bayerischen Betrieben sind auch bedingt durch die andere Philosophie im Bereich Silomais. Die Mast-Betriebe ernten Hochschnittmais, der TS-Gehalte von 38 bis 45 Prozent (%) aufweist. Die Energiedichte beträgt häufig 11,3 MJ ME/kg TS. 
  • In der Region besteht die Fruchtfolge zumeist aus zwei Drittel Getreide sowie einem Drittel Mais oder auch Zuckerrüben. Aus letzteren resultiert auch der Einsatz von 15 bis 20 % Pressschnitzeln in der Ration, denen allgemein ein positiver Effekt auf die Futteraufnahme zugerechnet wird.
  • Beim Einsatz des eigenen Getreides als Kraftfutter, in Kombination mit Raps und Soja, bleibt die Mischung in der Regel konstant und es gibt kaum Mastfutter mit möglicherweise günstigen Komponenten. In Bayern wird aus Tradition zumeist vier Prozent kohlensaurer Kalk und Viehsalz in die Ration gemischt.

Haltungsformen und Haltungskosten pro Tier

Auch die Entmistung unter Trog funktioniert auf den bayerischen Betrieben. © LWK Niedersachsen
Gehalten werden die Mastbullen in den bayerischen Ställen auf:
  • normalen Spaltenböden
  • Spaltenboden mit Gummiauflage
  • Tretmistställe: Da bei getreidereicher Fruchtfolge viel Stroh anfällt, wurden in den vergangenen Jahren eine Reihe von Tretmistställen gebaut, die mit bis zu 35 Prozent (%) nach Anlage 1 des AFP, das heißt für besonders artgerechte Haltung, gefördert wurden. Dies beinhaltet auch die höheren Platzvorgaben, die über den Zuschuss gefördert werden. Bei Baukosten zwischen 2.000 und 3.000 Euro erhofft man sich, die Kosten über verbesserte hohe Leistungen tragen zu können. Wobei die Baukostenaussagen vorsichtig zu bewerten sind, da die Kosten des Spaltenbodenstalles mit Güllelagerung kaum mit dem reinen Tretmiststall vergleichbar sind, da hier noch Strohlager, Einstreutechnik, evtl. Mistplatte anfallen sowie ein erhöhter Arbeitsaufwand für Einstreuen und regelmäßiges Entmisten.

Unterschiedliche Varianten bei Tretmistställen:

    • Zum einen gibt es die tiefe Ausführung mit 6 x 10 Meter (m) großen Buchten, einem Tier-/Fressplatzverhältnis von 1,5 zu 1, täglicher Einstreu und Entmisten mittels Schlepper vorn im Fressbereich, mit einer notwendigen Umgitterung der Tiere.
    • Zum anderen gibt es Pultdachställe mit angrenzender Strohhalle. Bei den 7 m tiefen Buchten tritt sich der Mist unter dem Futtertrog durch. Die tägliche Einstreu erfolgt mittels umgebautem Miststreuer und Rübenförderband. Hier wird drei Mal täglich in den hochgelegten Trog gefüttert, um die Futteraufnahme zu erhöhen.
    • Eine weitere Variante: Das Stroh der Quaderballen wird automatisch mittels einer "Strohkatze" verteilt, die über eine umlaufende Schiene in zwei Gebäuden eingesetzt wird. Es gibt Großbuchten mit 10 x 8,50 m, bei denen die 5 m tiefe Liegefläche gegen den 3,50 m tiefen Laufbereich mittig durch ein rund 2 m breites Blindgitter getrennt ist, an dem die Gitter zum Abtrennen der Bullen zum Entmisten angeschlagen werden.
    Alle Tretmistställe werden insbesondere in der Endmast mit 1,5 bis 2 kg Stroh/Tier/Tag eher sparsam eingestreut. Teilweise wird der Mist an benachbarte Biogasanlagen geliefert.

    Großzügiges Platzangebot im Spaltenbodenstall

    Spaltenbödenställe für Großgruppen von bis zu 25 Tieren mit den Maßen 8,75 x 10 m haben ebenfalls ihre Vorteile:
    • Das Platzangebot von 3,5 Quadratmeter (m²) pro Tier ist großzügig und
    • die Tiere bleiben sehr sauber.









    Auch interessant