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Haltung und Mast

BVD Typ 2c: Infektion eingedämmt, Gefahr bleibt

von , am
05.08.2013

Über 1.500 Rinder in NRW, Niedersachsen und den Niederlanden sind in den letzten Monaten der Bovinen Virus Diarrhoe (BVD) vom Typ 2c zum Opfer gefallen. Wie ist der aktuelle Stand?

Schleimhauterrosionen nach Infektion mit BVD 2c. © Dr. Anna Holsteg
BVD-Typ 1 ist in den Betrieben bereits bekannt. Die Bekämpfung der Krankheit ist durch eine seit dem 01. Januar 2011 gültige Bundesverordnung geregelt. Hauptziele sind einerseits, die kursierende Virusmenge in den Beständen zu reduzieren und andererseits die Infektionsgefahr drastisch zu senken. Durch Impfung und entfernen von PI-Tieren (persistent infiziert) konnte das Virus seit dem Start des Programms auch stetig zurückgedrängt werden.
 
Zu Beginn des Jahres trat nun in Nordrhein-Westfalen in Beständen in den Kreisen Viersen, Borken, Steinfurt und Kleve der BVD-Typ 2c auf. Die Infektion mit diesem Erreger führt zu massiven klinischen Erscheinungen (Grippeartige Symptome, Durchfall) und ist mit einer erheblichen Verlustrate verbunden (Kälber: 30-40%; Kühe: 10-15%). Es erkrankten zunächst Kälber, später auch Jungrinder und Milchkühe. Seitdem sind über 1.500 Tiere den Folgen des Virus zum Opfer gefallen, das sich über Tröpfchen- und Schmierinfektion weiter verbreitet. Bereits geringe Mengen Kot oder Nasenschleim enthalten Erreger für 200.000 Neuansteckungen. Die in den betroffenen Beständen mit Unterstützung des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) durchgeführten epidemiologischen Ermittlungen deuten laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW darauf hin, dass der Erreger vornehmlich über Personenkontakte sowie das Verbringen von Tieren übertragen wurde.

Typ 2c schon länger bekannt

Laut Dr. Horst Schirrmeier vom Friedrich-Loeffler-Insitut gehören annährend fünf Prozent der am Nationalen Referenzlabor (NRL) für BVDV charakterisierten Virusstämme dem Genotyp 2 an, zu etwa in gleichen Teilen verteilt auf die Subtypen 2a und 2c. BVD Typ 2c wurde demnach in Deutschland bereits mehrfach festgestellt, die ältesten Nachweise sind aus dem Jahr 1995, dabei waren aber keinen schweren klinischen Bestandsgeschehen bekannt geworden. Den im Frühjahr auftretenden Fällen war gemein, dass die erkrankten Tiere einen unverdächtigen BVD-Status hatten, das heißt die Ohrstanzuntersuchung hatte ein negatives Ergebnis ergeben.
 
BVD-Typ 2c Impfstoffe sind derzeit nicht marktverfügbar. Laut FLI ist der Kreuzschutz durch BVD-Typ 1 enthaltende Impfstoffe unzureichend, um eine Infektion zu verhindern. Allerdings deuteten praktische Erfahrungen mit BVD-Typ 1 Lebendimpfstoffen darauf hin, dass Erkrankungsspitzen abgebaut werden. "Inwieweit Virämie und Virusausscheidung unter praktischen Bedingungen beeinflusst werden, ist ebenso unbekannt wie eine mögliche Interaktion Impfvirus-Feldvirusim Hinblick auf die Induzierung von chronischen Dauerausscheidern bei Impfung in der Inkubationszeit", heißt es aber in einem tierärztlichen Fachbeitrag von Dr. Horst Schirrmeier zu dem Thema. Dennoch seien gegenwärtig Impfmaßnahmen in betroffenen und gefährdeten Betrieben auf der Basis einer Risikoabwägung - Schaden durch Infektion versus Impfrisiko - "unverzichtbar". Als ein Grund für die enormen Verlustraten führt Schirrmeier die voll empfänglichen Population an, auf die der Virus treffe.

Hygienemanagement ernst nehmen

Der Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rät allen Rinderhaltern, die zurzeit noch nicht gegen BVD impfen, Kontakt mit dem Hoftierarzt aufzunehmen, um den Gefährdungsgrad des Betriebes zu klären und neben der Impfung auch geeignete Hygienemaßnahmen zu besprechen. Zwar könne mit Impfstoffen gegen den BVD Typ 1 das Auftreten des BVD Typs 2 nicht ausgeschlossen werden. Die Auswirkungen können jedoch deutlich abgemildert werden.
 
Im Rahmen der Sitzung des DLG-Ausschusses für Milchproduktion und Rinderhaltung gab Dr. Mark Holsteg vom Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen Mitte Juli Einblick zum aktuellen Kenntnisstand des Infektionsgeschehens. Demzufolge ist das Virus mit dem Erreger der Schweinepest verwandt und breitet sich ähnlich schnell und verheerend aus. Insbesondere bei kalter und feuchter Witterung ist das Virus lange überlebensfähig. Die Symptome eines erkrankten Tieres sind zu Beginn unspezifisch: hohes Fieber, Lungenerkrankungen, blutiger Durchfall und/oder Schleimhauterosionen. Etwa 30 bis 50 Prozent der Tiere gehen an den Folgen der Krankheit ein. In einzelnen Mastbetrieben starben bis zu 80 Prozent aller Tiere. Überlebende Tiere bleiben in ihrer Entwicklung zurück und erholen sich in der Regel nicht vollständig.

Maßnahmen zur Eindämmung

Um einer Ausbreitung dieses aggressiven Virustyps vorzubeugen, hat das Landwirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen mit Erlass vom 27. März 2013 die Veterinärämter angewiesen, unter anderem folgende Maßnahmen anzuordnen:

In BVD II-positiven Betrieben:
  • Rinderpässe für betroffene Betriebe dürfen ab sofort nur noch ausgegeben werden, wenn das BVD-Untersuchungsergebnis vorliegt. Daher werden die Veterinärämter dem LKV die BVD II-positiven Betriebe melden.
  • Sperre des Betriebes
  • Anordnung der Impfung
  • Aufhebung der Sperre nach belastbarem Impfschutz und Untersuchung
  • Beachtung der Biosicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Gülle/Festmist
In BVD II-Kontaktbetrieben:
  • Es gilt eine dringende Impfempfehlung
In klinisch auffälligen Betrieben:
  • Sofern eine BVD II-Infektion nicht ausgeschlossen werden kann, ist Untersuchungsmaterial zur Virusdifferenzierung dem zuständigen Untersuchungsamt in Arnsberg, Detmold, Krefeld oder Münster zuzuleiten.
Der Verwaltungsrat der Tierseuchenkasse NRW hat einen Beschluss zur Unterstützung der BVD-Impfung in Rinderbeständen gefasst. Beschlossen wurde eine Beihilfe von maximal drei Euro pro Impfung zu den Impfstoffkosten für weibliche Rinder. Impfstoffkosten, die darüber hinausgehen, und Tierarztkosten, wie Impfgebühren, Fahrtkosten etc., sind von diesem Beihilfebeschluss nicht gedeckt und werden daher nicht von der Tierseuchenkasse übernommen.
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