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CalfRail: Automatische Kälberfütterung im Praxistest

Calfrail-Kalb-Fütterung
am Dienstag, 04.02.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Verspätungen von 5 Minuten oder mehr – Pünktlichkeit ist bei der Bahn ein dehnbarer Begriff. Ganz anders sieht es da auf dem Milchviehhof Klug aus. Zuverlässig setzt sich fünfmal am Tag ein schienengeführtes Fütterungssystem in Gang und versorgt die Kälber.

Calfrail-Startposition-1

Es ist 13 Uhr und mit lauten Piepsen leuchtet auf dem Handy die Erinnerung auf: Kälberfütterung. Marcus Klug kontrolliert noch schnell die Daten am Stallcomputer, bevor er sein Telefon in die Brusttasche steckt und sich auf dem Weg zu den Jungtieren macht. Auf dem Betrieb Klug muss niemand mehr Eimer schleppen; hier wird automatisch gefüttert.

Nichts Ungewöhnliches in der Kälberaufzucht, doch das Besondere: Hier geht das Kalb nicht zum Tränkeautomaten, sondern die Fütterung kommt zum Kalb. CalfRail heißt die fahrende, vollautomatische Tränkestation. Sie versorgt die Jungtiere auf dem Hof Klug in Volgfelde unweit von Stendal in Sachsen-Anhalt fünfmal am Tag mit frisch zubereiteter Kälbertränke.

Kälberfütterung bis zu acht Mal am Tag möglich

Die erste Runde startet um 2 Uhr morgens, die letzte um halb zehn am Abend. Bei jedem Durchgang können die Kälber bis zu 2,9 l Milchaustauscher (MAT) abrufen, insgesamt 14,5 l täglich. Bis zu acht Mahlzeiten sind nach Herstellerangaben möglich. „Ich schaue vorher am Computer, ob eines der Kälber zu wenig getrunken hat, und animiere es gegebenenfalls zum Aufstehen, wenn der Automat direkt vor der Box des Jungtiers hält und es lieber im Stroh liegen bleibt“, sagt Junglandwirt Marcus Klug.

Vor vier Jahren wurde die automatische Kälberfütterung von Förstertechnik in den Kälberstall auf dem Betrieb Klug integriert. „Wir mussten lediglich den vorderen Bereich des Stalls unterteilen, um für die Anrührautomatik einen geschützten Raum zu schaffen, und die Schienen an der Stalldecke befestigen. Den Einbau der Technik, die Installation und die Inbetriebnahme erfolgten durch Förstertechnik. Das hat nicht ganz zwei Tage gedauert“, sagt Marcus Klug.

CalfRail: Individuelle Tiererfassung

Ist es Zeit für die Fütterung, fährt das CalfRail über ein Schienensystem von seiner Startposition aus an den einzelnen Kälberboxen vorbei. Kleine Magnete in Höhe der Boxenöffnungen markieren dem 40 kg schweren Roboterarm die nächste Box. Gesteuert wird das CalfRail über den Tränkeautomaten Vario, der im vorgelagerten Bereich des Kälberstalls untergebracht ist. Der Automat mischt jedem Kalb eine tierindividuelle Menge MAT an. Über eine Pumpe im Schwenkarm des Automaten wird die frisch angerührte Milch durch einen Schlauch, der mit einer Warmwasserleitung ummantelt ist, direkt in den Nuckel befördert. Das CalfRail schwingt dabei frei und soll so den Jungtieren ein natürliches Saufverhalten simulieren.

Calfrail-Landwirt-Milchautomat

Ab dem Zeitpunkt, ab dem sich der Roboterarm vor einer Kälberbox platziert und den Nuckel zum Kalb dreht, wartet das CalfRail genau 2 Minuten, ob das Jungtier anfängt zu saufen. Ansonsten fährt es weiter zum nächsten Kalb und hinterlegt im System einen Vermerk über die ausgelassene Mahlzeit. Aber auch die Sauggeschwindigkeit wird vom System erfasst.

Sobald das Kalb am Nuckel saugt, hat es etwa 6 Minuten lang Zeit. Danach fährt der Arm zum nächsten Kalb und rührt eine neue Portion MAT an. „Über den Antränktaster am Arm des CalfRail kann ich die Fütterung auch manuell steuern. Das ist gerade beim Anlernen der Kälber, wenn sie von Kolostrum auf MAT umgestellt werden und zum ersten Mal aus dem CalfRail saufen, sehr hilfreich“, sagt der Junglandwirt aus Stendal. Auf Knopfdruck wird dann dem Kalb eine kleine Tränkemenge ausdosiert.

Auch die Reinigung des Tränkeautomaten läuft automatisch ab. Der Hersteller verspricht dadurch eine optimale Tränkehygiene, da keine Reste im Automaten oder in den Leitungen zurückbleiben.

Keine Tränkeeimer mehr schleppen

„Dank der vollautomatischen Kälberfütterung müssen wir keine Tränkeeimer mehr schleppen und anschließend reinigen“, sagt Marcus Klug. Das spart dem Milchviehbetrieb Zeit und Arbeitsaufwand. „Abgesehen von ein paar kleinen Kinderkrankheiten am Anfang hatten wir bisher keine Probleme mit dem Automaten. Es saß mal ein Schlauch nicht richtig oder der Automat hatte einmal eine Störung in der Technik. Ein Anruf bei Förster und die Mitarbeiter haben sich umgehend darum gekümmert.“ Sowohl mit dem Service als auch mit dem CalfRail ist der Betrieb voll zufrieden. „Wir würden den Tränkeautomaten wieder bestellen.“

CalfRail: Hohe Zunahmen und geringe Verluste

Lohnt sich für einen Betrieb mit 90 Kühen die Automatisierung der Kälbertränke? Friedrich und Jonathan Bürkle in Loßburg bei Freudenstadt im Schwarzwald haben so viele Kühe im Stall und sie füttern ihre Kälber automatisch. „CalfRail gehört zu unserer Strategie, alle täglichen Arbeiten im Stall zu automatisieren“, sagt der 55-jährige Friedrich Bürkle. Die Betriebsleiter wollen sich nicht von der täglichen Arbeit auffressen lassen und den Blick für ihre Ziele und Perspektiven frei haben. Automatisches Melken und Füttern, dazu ein Mistschieberoboter für saubere Spalten im Kuhstall. „Nur für das Ausmisten und Einstreuen der Liegeboxen haben wir noch keine ordentliche Technik gefunden“, erläutert der 25-jährige Jonathan Bürkle, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater führt.

2014 haben die Landwirte in die automatische Kälberfütterung investiert. Neun Kälberplätze versorgt das System, doch das Betriebsleitergespann denkt ans Erweitern. Der Stall soll vergrößert, die Kuhzahl aufgestockt werden. Dafür braucht es auch mehr Kälberplätze. So sollen aus neun Einzelplätzen 16 werden. Der Kälbertränkeautomat, an dem die Technik hängt, kann rund 50 Tiere am Tag tränken. Derzeit versorgt er neben den einzelnen Kälbern zwei Gruppen zu je acht Tieren. Kapazität ist also noch vorhanden.

Milchviehalter-Landwirte

CalfRail bewegt sich alle 3 Stunden an den Kälbern entlang, beginnt um 6 Uhr in der früh und endet um 21 Uhr abends. Die Tiere erhalten in der ersten Woche 2 l Vollmilch je Durchgang. Insgesamt maximal 12 l. In der zweiten Woche sind es 2,5 l, in der dritten 3 l. Dabei sollen die Kälber nach drei Wochen rund 80 kg Körpergewicht auf die Waage bringen. Mit dem Wechsel in den Gruppenstall werden sie von Vollmilch auf Milchaustauscher umgewöhnt. Den gibt es bis zum 65. Tag ad libitum. Innerhalb von fünf Tagen wird abgetränkt. Bei den weiblichen Tieren geben die Landwirte Gas, um ein Erstabkalbealter von 25 Monaten zu erreichen.

Viele Probleme mit der Technik habe es in den letzten fünf Jahren nicht gegeben, sagt Bürkle senior. „Im Winter hatten wir einmal eine zugeschneite Schiene, sodass der Arm stoppte.“ Obwohl sich das System im Außenbereich befindet und nur durch ein Windschutznetz auf der Wetterseite geschützt ist, funktioniert es auch im Winter gut. Selbst bei –25 °C hatten wir noch keinen Ausfall.“ Das einzige Problem: Wenn ein Kalb die Milch nicht vollständig aus dem Nuckel zieht und danach zu viel Zeit vergeht, bis das nächste Tier an der Reihe ist, bilden sich Eiskristalle im Nuckel.

Auch im Sommer sei die Leitung schon mal verstopft, sagt Sohn Jonathan. „Bei der Sauermilchtränke bildeten sich Flocken und verstopften den Durchfluss, wenn es zu warm war.“ Jetzt wird die Milch im Sommer gekühlt. Das verhindert, dass sich Milchflocken bilden.

Damit wäre die Frage aber noch nicht geklärt, ob sich das System für die Betriebsleiter lohnt. Die Bürkles sparen Arbeitszeit ein. Dem stehen die Kosten für das CalfRail-System und den Tränkeautomaten gegenüber. Doch für die Betriebsleiter hat das System noch mehr Vorteile. „Wir können die Milch auf mehrere frische Portionen aufteilen und damit die Tränkeaufnahmen erhöhen. Und wir sehen genau, wie viel die Kälber gesoffen haben, und erkennen schnell, ob es mit einem Tier Probleme gibt“, erklärt Friedrich Bürkle. Das Ergebnis sind niedrige Kälberverluste: Nach der Geburt verliert der Betrieb nur rund 2 Prozent. „Unter dem Strich hat sich die Anschaffung der Technik gelohnt“, ist Friedrich Bürkle überzeugt.

CalfRail: Vor- und Nachteile

Saugkälber automatisch zu füttern, lohnt sich nicht nur in großen Betrieben, sondern kann auch kleine Betriebe entlasten.

Mehr über die Vor- und Nachteile des vollautomatischen Fütterungssystems von Förster, sehen Sie im Anhang.

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