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Corona und Milchquote in Kanada: Zwei Landwirte erzählen

Kühe auf der Wiese in Ontario
am Freitag, 08.05.2020 - 05:00 (1 Kommentar)

45 Cent netto je kg Milch? In Kanada ist der Milchpreis für viele Farmer Standard. Dort regelt eine Quote, wie viel Milch auf dem Markt kommt. Doch das Coronavirus bringt alles durcheinander. Zwei Farmer aus Ontario berichten.

Frühmorgens im Stall: Clarence Markus sitzt im Büro und prüft am Computer, wie es seinen Kühen geht. „Keine Wiederkaualarme, keine Minderaktivitätsalarme, nichts“, sagt der Landwirt. Alles gut. Nach einer kurzen Kontrolle bei den Trockenstehern geht der 61-jährige zum Kälberstall.

Clarence Markus könnte ein ganz normaler Landwirt irgendwo in Deutschland sein. Ist er aber nicht. Clarence ist Kanadier, genauer gesagt Ontarier. Der gelernte Agrarwirt lebt in Oxford, einer kleinen Stadt westlich von Ontario. Dort leitet er einen Milchviehbetrieb mit 150 Holsteinkühen.

Betriebsspiegel: Clarence Markus
Landwirtschaftliche Nutzfläche (ha) 195
Anzahl Milchkühe 150
Jährliche Milchleistung (kg/Kuh) 11.000
Fett (%) 4,1
Eiweiß (%) 3,4
Melkstand Doppel-10er-Fischgräte

Farmer sind mit Milchquote zufrieden

Markus Clarence und sein Sohn Mark im Kälberstall

„Wir bekommen umgerechnet 44 Cent netto pro kg Milch“, sagt er. „Der hohe Milchpreis ist in Kanada ganz normal“, sagt Jan Ziemerink, Geschäftsführer bei Förster Technik in Nordamerika. Der Grund: Eine Milchquote regelt den Preis.

„Die Bauern dürfen nur Milch produzieren, wenn sie zuvor eine Milchquote gekauft haben“, erklärt Ziemerink. Sie kostet in Ontario umgerechnet rund 15.400 Euro/kg Butterfett. Für 100 Kühe, die 1,4 kg Butterfett/Tag produzieren, benötigen Farmer 140 kg Quote im Wert von rund 2,2 Mio. Euro.

Ganz schön teuer. Dennoch ist Clarence Markus mit der Milchquote zufrieden. „Eine Generation baut den Betrieb eben auf, die nächste zahlt ihn ab. So läuft das Business“, sagt der Farmer. 1985 kaufte er den Betrieb von seinem Vater, der 1951 aus den Niederlanden eingewandert war.

49 Cent netto pro kg Milch

Auch Bill Law ist froh, dass es in Kanada eine Milchquote gibt. Er bekommt umgerechnet 49 Cent netto pro Kilogramm Milch. „Mit dem Milchpreis, den die Bauern in Deutschland erhalten, könnte ich nicht wirtschaften“, sagt er. Zusammen mit seiner Frau Jessica hält er 100 Milchkühe.

Die Farm liegt in Cambridge, etwa 90 km westlich von Toronto, der größten Stadt Kanadas. Seine Kühe geben im Schnitt 40 l Milch am Tag. „Mit der Quote müssen wir die gleiche Menge Milch pro Tag produzieren, also versuchen wir, dass 15 bis 20 Kühe pro Monat kalben, um den Kuhbestand und damit die Milchversorgung konstant zu halten.“

Betriebsspiegel: Bill Law
Landwirtschaftliche Nutzfläche (ha) 350
Anzahl Milchkühe 100
Jährliche Milchleistung (kg/Kuh) 12.000
Fett (%) 4,25
Eiweiß (%) 3,3
Melksystem 2 Melkroboter

Luzernenheulage für viel Eiweiß

Bill Law und seine Frau Jessica im Kälberstall

Die Trockensteher sind in einem separaten Strohabteil untergebracht. „Ihre Ration besteht aus Stroh, Maissilage, Wasser und Mineralien“, sagt der 31-jährige Landwirt. Jungtieren füttert er vom Absetzen bis zum sechsten Lebensmonat gehacktes Stroh und 18 Prozent Proteinpellets.

Danach besteht die Ration aus 72 Prozent Luzerneheulage sowie Maissilage und Mineralien. „Die Luzerne ist Strukturfutter und Eiweißquelle zugleich“, sagt der Farmer. „So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Und meine Kühe lieben es.“

Angst vor Donald Trump

Vor der Zukunft hat der Landwirt keine Angst. „Das Einzige, was mir Sorge bereitet, ist, dass der Staat die Milchquote abschaffen könnte.“ Das Quotensystem stellt sicher, dass der Landwirt fair für die Milch bezahlt wird. „Mit Donald Trump als Präsident der USA, unserem wichtigsten Handelspartner, weiß man nicht, was da noch kommt.“

Farmer Clarence Markus sieht das entspannter. Für den Fall, dass die Milchquote eines Tages wegfallen sollte, ist er vorbereitet: „Wir können unseren Melkstand locker vergrößern und 300 Kühe melken.“ Bis dahin ist seine Strategie: „weiterwachsen und Quoten kaufen“, sagt der Landwirt.

Corona: Regierung reduziert Milchquote um 2 Prozent

Farmer schütten MIlch weg

Doch mittlerweile gibt es noch ein Problem: Corona. Das Virus setzt dem kanadischen Milchmarkt stark zu. Um den Milchpreis stabil zu halten, hat die Regierung die Milchquote seit 1. Mai um 2 Prozent gesenkt. „Ich gebe aber davon aus, dass es noch mehr Kürzungen geben wird“, sagt Jan Ziemerink.

Die Farmer in Ontario wurden dazu aufgefordert, die an zwei Tagen gemolkene Milch wegzuschütten. „Die Milch wurde nicht abgeholt“, sagt der Experte. Für die Bauern ist das eine Tragödie. „Zu sehen, wie deine harte Arbeit buchstäblich den Bach runtergeht, ist schlimm“, sagt Bill Law.

Um den Bauern in dieser schwierigen Zeit zu helfen, hat die kanadische Regierung ein Hilfspaket geschnürt. Bis zu 115 Mio. Euro sollen für Farmer bereitstehen, die mit zusätzlichen Kosten durch das Coronavirus konfrontiert sind. Dazu gehöre etwa die Stilllegung von Farmen.

Auch in England müssen die Bauern Millionen Liter Milch wegschütten.

Mit Material von Ontario Farmer

Milchkühe halten in Kanada: Zwei Farmer berichten

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