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Milchproduktion

DBV / MIV: Gutes Milchjahr 2013 erwartet

© Tom Bayer/fotolia
von , am
18.03.2013

Berlin - Auf dem 4. Berliner Milchforum wurde vergangene Woche der deutsche Milchmarkt diskutiert. Der Deutsche Bauerverband und der Milchindustrie-Verband erwarten ein gutes Milchjahr 2013.

Derzeit wird Milch am globalen Markt preiswerter gehandelt. © Robert Schmetz/aboutpixel
Feste Rohstoffmärkte und steigende Verbraucherpreise hat der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Dr. Karl-Heinz Engel , für den diesjährigen Milchmarkt in Aussicht gestellt. "Der deutsche Handel, aber auch die Verbraucher, werden sich auf leicht anziehende Produktpreise einstellen müssen", erklärte Engel vergangene Woche am Rande des 4. Berliner Milchforums. Molkereiprodukte seien derzeit weltweit rege gefragt, gleichzeitig stehe man in der EU zu Beginn des neuen Milchwirtschaftsjahres quasi vor geräumten Lägern. Die aktuellen Preisverhandlungen mit dem deutschen Lebensmittelhandel über die "weiße Linie" hätten daher unter guten Voraussetzungen begonnen, wenn auch über den Umfang der Preissteigerungen derzeit noch keine Aussagen getroffen werden könnten. "Die Erzeugerpreise bewegen sich schon seit Jahresbeginn über der Vorjahreslinie", stellte Engel weiter fest. Weitere Korrekturen nach oben seien aber notwendig, zumal auch die Produktionskosten auf den Höfen nicht halt gemacht hätten. "In den letzten zwei Jahren sind die Preise für Dünger, Energie und Futtermittel im Durchschnitt um mehr als 45 Prozent gestiegen", ergänzte der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart . Diese zusätzlichen Kosten in der Veredlung müssten letztlich, genauso wie die Preissteigerungen bei Feldfrüchten, an den Endkunden weitergegeben werden.

"Milchquote Light" wird abgelehnt

Folgart betonte, ein guter Milchpreis sei nur dann möglich, wenn der Heimatmarkt verteidigt und gleichzeitig der Exportmarkt "beackert" werde. Eine klare Absage erteilte der DBV-Vize indes der "rückwärtsgewandten Entscheidung" des EU-Parlaments, nach Auslaufen der Milchquote in 2015 ein neuerliches staatlich verordnetes Milchmengen-Regime, gewissermaßen eine "Milchquote Light", etablieren zu wollen. "Der Milchsektor braucht die Weltmärkte", betonte Folgart. Mit einer erneuten Regulierung des Binnenmarktes nach 2015 könne man die Chancen des globalen Marktes aber nicht nutzen. Es bleibe zu hoffen, dass im Zuge des anstehenden Trilogs mit wissenschaftlicher und sachlicher Begründung verdeutlicht werden könne, dass dieser Vorschlag nicht praktikabel sei. Aus Sicht von DBV und Milcherzeugern sei dagegen zu begrüßen, dass das EU-Parlament dem Kommissionsvorschlag folge, ein funktionierendes Sicherheitsnetz fortzuführen, ohne die unternehmerische Handlungsfreiheit einzuschränken.

Hohe Qualität sicherstellen

Nach Einschätzung von Engel haben europäische und insbesondere deutsche Milchprodukte derzeit aufgrund ihrer hohen Qualität hervorragende Chancen an den internationalen Märkten. Bestes Beispiel sei der aktuell florierende Export von deutscher H-Milch nach China, die dort eben wegen ihrer Qualitätseigenschaften besonders gefragt sei und sogar bessere Preise erziele als auf dem deutschen Inlandsmarkt. Dies unterstreiche aber auch, wie wichtig die Sicherstellung einer hohen Lebensmittelsicherheit sei. "Welchen Stellenwert die Qualitätssicherung besitzt, zeigen nicht zuletzt die vor kurzem erfolgten Sperrungen deutscher Fleisch- und Milchbetriebe durch Russland", erläuterte der MIV-Vorsitzende. Die russische Föderation werfe den deutschen Veterinärbehörden strukturelle und verwaltungstechnische Mängel vor und habe durchaus mit einiger Berechtigung auf Schwachstellen in hiesigen Prüfverfahren hingewiesen. Sowohl Molkereibetriebe als auch besonders die Veterinärbehörden müssten in Zukunft noch besser auf die russischen Forderungen eingehen, um die Lieferfähigkeit wieder herzustellen, fordert Engel. Die Politik müsse ihrerseits für ein gutes Verhältnis zum russischen Veterinärdienst sorgen.

Exporte nach Russland "flott bekommen"

Der Abteilungsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Theodor Seegers , hatte während der Vortragsveranstaltung im Rahmen des Milchforums Verbesserungsbedarf bei den Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland eingeräumt. In den kommenden Wochen und Monaten müssten sich alle offiziellen Stellen und Marktteilnehmer bemühen, den Export nach Russland wieder "flott zu bekommen". Das Bundeslandwirtschaftsministerium habe zu diesem Zweck eine Stabsstelle "Export Russische Föderation" eingerichtet und auch beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beschäftige sich eine Expertengruppe mit dem Thema. Seegers drängte dabei alle Beteiligten zur Eile, um längerfristige Sperren und damit unnötigen Druck auf den deutschen Markt zu vermeiden.

Freihandel mit Chancen und Risiken

Das angestrebte Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA wertet Engel aus Sicht der Milchvermarkter zwar insgesamt positiv, er sieht auf dem Weg dorthin aber noch viele ungeklärte Fragen. So könnten im Fall eines Freihandelsabkommens auch günstige nordamerikanische Produkte auf den Markt der EU drängen, was den Absatz europäischer Produkte stören würde. Außerdem setzten Milcherzeuger in den USA bestimmte Tierarzneimittel ein, die in der EU verboten seien. "Freihandelsabkommen machen aus unserer Sicht dort Sinn, wo mehr Absatz für deutsche Milchprodukte generiert werden kann", betonte der MIV-Vorsitzende. In einem freien Handel sehe man für die deutsche Milchwirtschaft aber grundsätzlich deutlich mehr Chancen als Risiken und hier besonders für hochveredelte und qualitativ hochwertige Produkte. Dies gelte auch für den Fall eines Freihandelsabkommens mit den USA. Geschicktes Verhandeln sei jedoch notwendig.

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