Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Rinderfütterung

DCAB spielt nicht nur bei Milchfieber eine Rolle

Milchvieh
am Dienstag, 03.05.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Man kennt die DCAB (Dietary-Cation-Anion-Balance) vor allem bei trockenstehenden Kühen. Hier sorgt sie dafür, dass Milchfieber vermieden wird. Aber die Kennzahl ist auch für Milchviehrationen sehr hilfreich.

trockenstehende Kuh

Die DCAB spielte zu Beginn vor allem bei der Vorbeuge von Milchfieber  eine wichtige Rolle. Dabei zeigte sich, dass die von der DCAB abhängige Höhe des Calciumzufuhrs in der Hochträchtigkeit eine erfolgreiche Prophylaxe des Milchfiebers ermöglichte (Gebärparese; Ca-abhängiges Festliegen nach dem Kalben). Entscheidend für den Einsatz ist der Zeitraum 14 bis 21 Tage vor der Geburt. Hierbei gelten folgende Regeln:

  • Der DCAB-Wert in der Ration soll unter 200 meq/kg TS liegen.
  • Je höher die DCAB ist, desto niedriger muss der Calciumgehalt in der Ration sein.
  • Ist es nicht möglich, den geforderten Calciumgehalt einzuhalten, ist der DCAB-Wert durch eine veränderte Ration anzupassen oder durch Zusatz von DCAB-Regulatoren auf unter 50 meq/kg TS zu senken.

Rationen mit einer DCAB von –50 meq/kg TS bezeichnet man als Anionen-Rationen. Solche Rationen erfordern je nach Futteraufnahme 90 bis 150 g Calcium je Tier und Tag in den letzten drei Wochen vor dem Kalben. Hier kann es in verschiedenen Fällen nötig sein, Futterkalk zuzufüttern.

DCAB-Regulatoren (früher auch als saure Salze bezeichnet) senken den DCAB-Wert deutlich. Empfohlene Regulatoren, die die Futteraufnahme nicht negativ beeinflussen, sind:

  • Calci-Cup: CaCl₂ x H₂O, als Mikrokapseln, 80 – 120 g/Tier und Tag mit 13.700 meq/kg,
  • Bio-Chlor: salzsäurebehandeltes Proteinhydrolysat, 500 – 1200 g/Tier und Tag mit –3.379 meq/kg.

Es ist auch möglich, mit sauren Salzen (zum Beispiel Magnesiumsulfat, MgSO₄) die DCAB zu senken. Das kann jedoch dazu führen, dass die Tiere weniger fressen und sich der zulässige Höchstgehalt an Schwefel nicht einhalten lässt.

Gute Erfahrungen machen Betriebe beim einphasigen Füttern trockenstehender Kühe mit Rationen auf der Grundlage von Maissilage und Stroh-Konzentrat-Gemischen. Der Verzicht auf die in der Regel kaliumreiche Grassilage und eventuell noch das Einbeziehen von 1 bis 1,5 kg Rapsextraktionsschrot mit hohem Schwefelgehalt schaffen günstige Bedingungen, um dem Festliegen vorzubeugen. Dabei gilt es jedoch bei hohem Stroheinsatz zu beachten, dass die DCAB bei Stroh je nach Kaliumdüngung des Getreides hohe Werte (bis zu +300 meq/kg TS) erreichen kann.

DCAB bei laktierenden Kühen

Gülle ausbringen

Um die DCAB bei Rationen für laktierende Kühe anzuwenden, liegen weniger Erkenntnisse und Erfahrungen vor als bei trockenstehenden Kühen. Fest steht, dass bei einer zu hohen DCAB (über 350 meq/kg TS) eine alkalotische Belastung eintritt. Sie ist verbunden mit einer schlechteren Futteraufnahme und kann zum Stillstand der Pansenmotorik, zu Tympanien (große Mengen Gas im Pansen), verminderten Muskelkontraktionen, Ödembildungen und zu einem beeinträchtigten Calciumstoffwechsel führen. Auch von vermehrtem Auftreten von Labmagenverlagerungen wird berichtet.

Den DCAB-Wert im korrekten Bereich von 200 bis 350 meq/kg TS einzustellen, lässt sich in erster Linie durch das Grobfutter erreichen. Bei maissilagebetonten Rationen mit einem niedrigen Kaliumgehalt von Silomais ist das im Allgemeinen kein Problem. Schwierig wird es dagegen bei Grassilagen mit einer DCAB über 400 meq/kg TS. Der Düngungsspezialist Bernd Frey fasste 2018 zusammen, wie sich die Kaliumdüngung und einzelne Kaliumdüngemittel auf den DCAB-Wert auswirken. Er zeigte, dass Menge und Zeitpunkt der Düngung den Anstieg des Kaliumgehalts im Gras bestimmen. Außerdem weist er darauf hin, dass chloridhaltige Kaliumdünger (zum Beispiel Kainit oder 60er-Kali) den Anstieg des DCAB-Werte durch das Kalium abmildern können. Größere Probleme macht die Gülledüngung. Der teilweise hohe Kaliumgehalt und die gute Verfügbarkeit aus der Gülle führen dazu, dass Kalium in den Aufwüchsen stark ansteigt. Besonders gravierend ist die Güllemenge im Frühjahr. Hier werden in Betrieben mittlerweile Kaliumkonzepte erarbeitet, die Maßnahmen für das Düngen und Füttern festlegen, um nachteilige Wirkungen bei den Milchkühen abzuschwächen.

Mais und Stroh: Niedriger DCAB

In maissilagebetonten Rationen, besonders mit hohen Strohanteilen, sowie bei hohem Rapsextraktionsschroteinsatz ist mit niedrigen DCAB-Werten (unter 200 meq/kg TS) zu rechnen. In diesen Fällen wird der Basen- Säure-Haushalt der Tiere azidotisch belastet. Das führt zuerst zu einem Rückgang der Futteraufnahme und anschließend geht die Milchleistung zurück. Sinkt die DCAB unter 100 meq/kg TS, bildet sich eine metabolische Azidose heraus. Sie lässt sich am Fett:Eiweiß-Quotienten nicht erkennen. Es folgen jedoch die gleichen Störungen, wie sie auch bei ungenügender Strukturwirksamkeit oder bei einem Überschuss an Stärke und Zucker auftreten können. Hierzu gehören die Zunahme entzündlicher Prozesse, das Auftreten von Klauenrehe, stiller Brunst oder mehr Ovarialzysten. Dazu kommen Störungen im Mineralstoffhaushalt und ein verschlechtertes Immunsystem. Wenn es nicht möglich ist, extrem niedrige DCAB-Werte durch Verändern der Ration zu erhöhen, gibt es entsprechende Futterzusätze. Das können unter anderem sein:

  • Kaliumcarbonat (K₂CO₃),
  • Natriumhydrogencarbonat (NaHCO₃, Trivial: Natriumbicarbonat, Natron),
  • Natriumcarbonat (Na₂CO₃, trivial: Soda; stark basische Wirkung!)

Beim Bestreben, die DCAB in den Optimalbereich zu bekommen, sind die Bedarfs- und Grenzwerte dieser Elemente zu beachten.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Februar 2023
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...