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Haltung und Mast

Deutschland hebt Alter für verpflichtende BSE-Tests an

von , am
17.01.2013

Berlin - Die Bundesregierung wird die auf EU-Ebene eröffnete Möglichkeit zum Verzicht auf systematische Tests von Schlachtrindern auf die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE) nur begrenzt umsetzen.

In Deutschland wurden 2009 die letzten beiden BSE-Fälle festgestellt, in einigen Nachbarländern gabe es sich noch 2012. © Dr. Art Davis/Wikipedia
Das kündigte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am vergangenen Freitag (11. Januar) in Berlin an. "Die Pflicht zu systematischen und verbindlichen Tests bleibt bestehen", so Aigner. Allerdings wird das Testalter weiter heraufgesetzt, nämlich von 72 auf 96 Monate beziehungsweise von sechs auf acht Jahre. Diese Regelung wird auf Grundlage einer gemeinsamen Stellungnahme des Friedrich-Loeffler-Institus (FLI) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) getroffen.

Großteil der Rinder wird vor Erreichen des Testalters geschlachtet

Die Experten hatten sich laut Bundeslandwirtschaftsministerium dafür ausgesprochen, die systematische Testpflicht beizubehalten, um auch weiterhin über eine ausreichende Datenbasis zur Beobachtung längerfristiger Trends zu verfügen. Mit der Anhebung des Testalters auf 96 Monate sehen FLI und BfR sowohl den gesundheitlichen Verbraucherschutz als auch die Tiergesundheit weiterhin gewährleistet. Der Großteil der deutschen Rinder wird Marktexperten zufolge vor dem Erreichen dieses Alters geschlachtet.

Schutzmaßnahmen bleiben in Kraft

Laut Ministerium sollen die neuen Regelungen, abhängig vom Verlauf der Beratungen im Bundesrat, nach Möglichkeit noch in der ersten Jahreshälfte 2013 in Kraft treten. Andere BSE-Schutzmaßnahmen wie das Entfernen von Risikomaterial und Verfütterungsverbote von Tiermehl an Wiederkäuer gelten unverändert.
 
Gemäß EU-Recht können die meisten EU-Staaten ab März 2013 gänzlich auf verbindliche BSE-Tests bei gesund geschlachteten Rindern verzichten. Wegen des europaweiten Rückgangs an Neuinfektionen in den vergangenen Jahren stellt es die EU den Mitgliedstaaten frei, eigene Regelungen zu treffen. In Deutschland wurden in den vergangenen drei Jahren keine neuen BSE-Fälle gemeldet; die beiden jüngsten Fälle stammen aus dem Jahr 2009.

FDP sah in Testpflicht eine Überregulierung

Im Vorfeld hatten führende FDP-Agrarpolitiker ihre Unterstützung für ein Ende der Testpflicht bekräftigt. Die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Christel Happach-Kasan, bezeichnete den Beschluss des Ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit (SCoFCAH) als richtig, die obligatorische EU-Testpflicht für gesunde Schlachtrinder, die älter als 72 Monate sind, auszusetzen. Allein in Deutschland würden jährlich 9 Millionen Euro für die Durchführung von BSE-Tests in der Fleischproduktion ausgegeben, obwohl hierzulande in den vergangenen Jahren keine neuen Fälle bekannt geworden seien. Die Liberale sieht darin eine Überregulierung, die keinen erhöhten Schutz biete, aber den Wettbewerb für heimische Betriebe erschwere.

In einigen Nachbarländern gab es 2012 noch BSE-Fälle

Die Agrarexpertin Reinhild Benning vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warnte hingegen vor voreiligen Schritten. "Es ist sehr erfreulich, dass seit 2010 keine BSE-Fälle in Deutschland gefunden wurden", stellte Benning gegenüber der Süddeutschen Zeitung klar. Doch das sei kein Anlass, die Tests komplett einzustellen. Gefährlich sei das Ende der Tests etwa, weil Schlachthöfe hierzulande auch Rinder aus Nachbarländern, in denen 2012 noch BSE-Tiere entdeckt worden seien, zu Fleisch verarbeiteten.

Aufregung um Ende der BSE-Testpflicht (10. Januar 2013)...
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