Login
Milchproduktion

Deutschland unterliefert Milchquote 2008|09

von , am
18.10.2009

Brüssel - Die deutschen Milcherzeuger haben ihre zulässige Gesamtliefermenge von 28,75 Millionen Tonnen im Quotenjahr 2008/09 nicht vollständig ausgeschöpft.

© agrarfoto.com

Wie die Europäische Kommission am vergangenen Donnerstag in Brüssel mitteilte, betrug die Unterlieferung an Molkereien in der Bundesrepublik annähernd 265.000 t oder 0,9 Prozent. Die zulässige Direktvermarktungsmenge von gut 97.000 t wurde zu nicht einmal 60 Prozent ausgeschöpft. Damit wird für heimische Produzenten diesmal keine Superabgabe fällig, selbst wenn sie ihre Einzelquote überstrapaziert haben.

Insgesamt lagen die EU-Milchanlieferungen im Quotenjahr 2008/09 laut Kommission mit 137,61 Millionen t um 5,38 Millionen t oder 4,2 Prozent unter der Referenzmenge von 142,99 Millionen t.

In 13 Ländern, darunter Großbritannien, Finnland, Griechenland, Ungarn, Schweden, Bulgarien, Rumänien und der Slowakei, befanden sich die Anlieferungen sogar um mindestens fünf Prozent unter der nationalen Quote, in Frankreich waren es 4,8 Prozent. Ausgedrückt in absoluten Mengen wurden die deutlichsten Unterlieferungen mit 1,46 Millionen t beziehungsweise 1,19 Millionen t in Frankreich und England verzeichnet.

EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel sieht sich durch die Ergebnisse in ihrer Einschätzung bestätigt, dass die niedrigen Ab-Hof-Preise der vergangenen Monate nichts mit dem allmählichen Auslaufen des Quotensystems zu tun hätten. Während die Preise deutlich gefallen seien, habe sich die Erzeugung trotz der Anhebung der Quoten um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Tatsächlich wurden EU-weit rund 200.000 t Milch mehr produziert als 2007/08.

Weniger Superabgaben erhoben

Fünf "Quotensünder" gibt es jedoch, nämlich Österreich, Italien, die Niederlande, Zypern und Luxemburg. Diese Länder haben ihre nationale Garantiemenge um 0,6 Prozent bis 1,5 Prozent überschritten und müssen zahlen. In der Alpenrepublik lag die Anlieferungsmenge um rund 33.000 t oder 1,2 Prozent über dem Soll von 2,76 Millionen t. Insgesamt belaufen sich die Überschreitungen nach Angaben der Kommission auf gut 348.000 t, woraus sich ein Abgabenbetrag von insgesamt 97 Millionen Euro ergibt. Damit liegen die Superabgaben für Molkereianlieferungen um mehr als 70 Prozent unter dem Niveau von 2007/08.

Selbst Italien, das seit Einführung der Quotenregelung 1984 einer aus römischer Sicht zu geringen Referenzmenge hinterherläuft, muss diesmal "nur" rund 43 Millionen Euro zahlen, etwa ebenso viel wie die Niederlande. Im vergangenen Jahr kassierte die Kommission allein von deutschen Erzeugern 100 Millionen Euro. Für die Direktverkäufe an Verbraucher haben Italien und Holland diesmal Überschreitungen in Höhe von insgesamt 7.500 t gemeldet. Die entsprechende Abgabe beläuft sich auf 2,1 Millionen Euro.

Pro 100 kg zuviel produzierter Milch werden 27,83 Euro fällig. Die Gesamtquote für Molkereianlieferungen war 2008/09 in 935.000 einzelbetriebliche Referenzmengen aufgeteilt. Die separate Quote von 3,4 Millionen t für Direktverkäufe an Verbraucher wurde an 405.000 Einzelbetriebe vergeben. (AgE)

Auch interessant