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Milchpreis

Diskussion auf der EuroTier: Wer beeinflusst den Milchpreis?

Milchexperten diskutieren auf der EuroTier
am Donnerstag, 24.11.2016 - 14:00 (Jetzt kommentieren)

Im Rahmen des "Forum Rind" auf der EuroTier 2016 wurde im Expertentalk zum Thema "Wer beeinflusst den Milchpreis?" kontrovers diskutiert. Agrarheute war dabei.

Die EuroTier war auch 2016 wieder Plattform für eine Vielzahl hochkarätiger Veranstaltungen, Tagungen und Kongresse.

Im "Forum Rind" erlebten Besucher im Rahmen des Vortrags "Milch, Markt, Macht: Wer beeinflusst den Milchpreis?" eine kontroverse Diskussion um die Frage, welche Triebkräfte letztlich für den Milchpreisverfall verantwortlich waren und welche Wege langfristig aus der Krise führen sollen.

Verschiedene Gründe für Milchpreisverfall

Einen einführenden Überblick zur aktuellen Problematik auf dem Milchmarkt gab Aaron Paul vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO).

In seinen Ausführungen verwies Paul dabei einerseits auf politische Entscheidungen wie die Abschaffung der Milchquote oder das russischen Handelsembargo, andererseits auf Strukturwandel und ungleiche Machtverhältnisse in der Wertschöpfungskette

Hochkarätiger Expertentalk auf der EuroTier

Im anschließenden Expertentalk diskutierten Prof. Dr. Sebastian Hess von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Ludwig Börger vom Deutschen Bauernverband (DBV) und Romual Schaber vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) die eingangs vorgestellten Punkte.

Prof. Dr. Jens-Peter Loy von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel übernahm die Moderation.

Unterschiedliche Meinungen der Milchexperten

Romuald Schaber vom BDM sah das Hauptproblem für den niedrigen Milchpreis in einer nicht angepassten Produktion. Anderer Meinung war dagegen Ludwig Börger vom DBV. Laut Börger müssten sich Milchviehhalter auf liberalisierte Märkte einstellen, nicht umgekehrt. Vorteile versprach sich Börger auch von Handelsabkommen wie TTIP.

Professor Hess verwies dagegen auf einen anhaltend positiven Milchpreistrend seit 2007. Problem seien dabei die zu großen Preisschwankungen. Ähnlich wie der DBV sah Hess die Herausforderung auf einzelbetrieblicher Ebene.

Rolle der Politik kontrovers diskutiert

Auch beim Thema Strukturwandel und der Rolle der Politik gingen die Meinungen auseinander. Schaber wies auf ein gesellschaftlich nicht gewolltes Hofsterben und den zunehmenden Einfluss von Investoren in der Landwirtschaft hin und plädierte dabei für eine politisch durchgesetzte Mengenregulierung.

Professor Hess dagegen sah die Haupttriebkraft für den Strukturwandel in den Unterschieden zwischen den wirtschaftlich besten und schlechtesten Milchviehbetrieben. Zudem sei ein besserer Milchpreis auf zunehmend globalisierten Märkten keine Frage optimaler Menge.

Genossenschaftliche Molkereien positiv bewertet

Einig waren sich alle Teilnehmer bei der Rolle von genossenschaftlich organisierten Molkereien, die ihre Landwirte an der Wertschöpfung teilhaben lassen. Positiv hervorgehoben wurde dabei die genossenschaftliche Molkerei FrieslandCampina, die mit ihren starken Markenprodukten einen vergleichsweise guten Milchpreis garantieren konnte.

Dies müsse auch das Ziel deutscher Molkereien sein, so Schaber. Hochpreisige Milchprodukte kenne man nur von privaten Molkereien wie Müller, die ihre Landwirte aber nicht an den Gewinnen beteiligen müssten, kritisierte der BDM-Vorsitzende.

Mit Material von Immo Cornelius/agrarheute

Impressionen von der EuroTier 2016 in Hannover

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