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Milchproduktion

dlz-Roadtrip: Milchqoute weg, das machen die Nachbarn

© Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Markus Pahlke/dlz/ez
am
22.12.2015

Wie haben sich die französischen Nachbarn auf die Zeit ohne Milchquote vorbereitet? Die dlz-Redakteure haben Milchbauern in Frankreich besucht und zeigen, wie die Betriebe heute ohne Quote wirtschaften.

Während ihres Roadtrips durch Europa haben Redakteure des dlz agrarmagazins Landwirte in den Beneluxländern und Frankreich besucht. Wie Landwirte in Luxemburg und belgische Milchviehhalter mit dem Quotenende umgehen, haben Sie bereits erfahren. In diesem Teil erfahren sie, wie unsere Nachbarn in Frankreich wirtschaften.

Christophe Lutz: Melken auf 2 Quoten

Der Betrieb von Christophe Lutz befindet sich rund 40 km nordwestlich von Straßburg. Das beschauliche Örtchen Schaffhouse sur Zorn liegt inmitten ausgedehnter Felder - eine typische Ackerbauregion im Elsass. Der Milchviehhalter melkte von 2006 bis 2015 auf zwei Quoten: auf die des eigenen Betriebs und auf die seines Onkels. In der Rheinebene sind Körnermaiserträge von 14 t/ha keine Seltenheit. In der Regel sind die Flächen in der Region eher klein. Lutz hat durch Flächenzusammenlegungen teilweise auch größere Schläge mit rund 1,5 ha.

Melken 2x4 Tandemstand

Christophe Lutz hat die Milchviehhaltung in den letzten Jahren Stück für Stück erweitert. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute

 "Wir haben ein ziemliches Durcheinander bei den Boxengrößen. Nur ein Drittel ist ausreichend groß für die Kühe. Und ich vermute, dass ein Teil der Totgeburten auf den zu kleinen Boxen beruht." Jetzt will er alle Boxen auf die Maße 1,80 m Länge, 1,25 m Breite und 1,20 m Höhe bringen. Die Tiefboxen streut er alle zwei Wochen neu ein. Entmistet wird mit dem Schlepper.

Zum Melken treibt er die Tiere in ein separates Melkhaus. Gemolken wird in einem 2-x-4 -Tandem-Melkstand. Rund 2 Stunden benötigt eine Person, um die 115 Kühe zu melken. Im Zuge der Weiterentwicklung denkt Lutz auch über eine Erneuerung der Melktechnik nach. Roboter wären interessant.

Kühe bleiben ganzjährig im Stall

Die Kühe bleiben ganzjährig im Stall. Gras- und Maissilage werden grundsätzlich als Sandwichsilage zusammensiliert. Die Ration ist ziemlich maislastig. Rund 27 kg Silomais sind in der Ration und nur rund 15 kg Grassilage. Wobei gesagt werden muss, dass die Maissilage auf dem Betrieb recht grob gehäckselt wird und sicher noch ihren Beitrag zur Faserstruktur leistet. Weitere Rationsbestandteile sind Zuckerrübenschnitzel,  gehäckseltes Stroh und Abbauprodukte aus der Maisstärkeerzeugung.  

Färsen im Sommer auf der Weide

Die Färsen sind während der Sommermonate auf der Weide. Er lässt sie im rund 60 km entfernten Lothringen aufziehen. Dafür bezahlt er pauschal 2.200 Euro pro Tier.

Im Färsenstall hat er derzeit 35 Bullen stehen, die er selbst aufzieht. "Verkaufe ich die Bullen mit zwei Wochen, bekomme ich gerade einmal 100 Euro je Tier. Mit 20 Monaten und einem Endgewicht von 380 kg sind es 1.100 Euro", begründet Lutz seine Entscheidung.

Kälber in Gruppenaußenställen

Die Kälber sind in Gruppenaußenställen untergebracht. Sie erhalten 6,5 l Milch mit 200 g Vollmilchaustauscher. 15 Kälber sind in den Abteilen untergebracht. Das sind rund zwei bis drei zu viel, aber auch hier will Lutz noch erweitern.

Willem Schipper: Aus den Niederlanden nach Frankreich

Willem Schipper hat mit 24 Jahren den Betrieb in Lothringen übernommen. Der Vorgänger war pleite. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute

Als Willem Schippers den Hof kaufte, war er 24 und wollte nicht, wie viele andere seiner niederländischen Kollegen, nach Ostdeutschland ziehen und einen Großbetrieb mit Tausenden von Hektar und zig Mitarbeitern führen. Stattdessen entschieden er und seine Frau sich dafür, an den schönsten Ort zu ziehen, den sie sich vorstellen können: auf ihren Betriebin Boinville.

Das Örtchen liegt in Lothringen. Hier sind die Böden im Vergleich zum Elsass schlechter, Pacht und Kaufpreise entsprechend niedriger. Willem und Mariam Schipper begannen 1990 auf dem Betrieb. Der Vorgänger war pleite gegangen. Niemand hatte sich für das Anwesen interessiert. So kaufte das Ehepaar den Hof für damals 1,7 Mio. Franc, umgerechnet rund 300.000 Euro. Dafür bekamen sie ein Haus und 62 ha Land. Die Stallungen sind alt, teilweise sehr alt. So stehen die abkalbenden Kühe in einem Stall von 1924.

In den letzten fünf Jahren hat der Milchviehhalter rund 35 ha hinzugekauft. Die Landpreise sind deutlich niedriger als in den Niederlanden oder in Deutschland.

Ziel: 800.000 Kilo Milch erzeugen

Der heute 49 Jahre alte Landwirt hat seit 1990 von 52 auf 90 Tiere erweitert. Sein Ziel, 800.000 kg Milch zu erzeugen, hat er damit fast erreicht. In allen Gebäuden auf dem Betrieb stehen jetzt Tiere. Das sie über den ganzen Hof verteilt sind, führt zu langen Wegen.

Immer wieder Probleme mit Mortellaro

Auch der Kuhstall ist immer wieder an- und umgebaut worden. Hier befinden sich 65 Hochboxen mit Gummimatten für die Kühe  und zwölf weitere Boxen für die Färsen, die er mit dem Traktor reinigt. Weitere Liegeplätze befinden sich in Strohbuchten. In der Regel haben die Kühe von 12 bis 16 Uhr Weidegang auf einer nahe gelegenen Fläche. Da der Stall immer etwas feucht ist, gibt es immer wieder Probleme mit der Mortellaro‘schen Krankheit.

Milchvieh: Halb Gras- halb Maissilage

Die Milchviehration besteht jeweils zur Hälfte aus Gras- und Maissilage. 10 Prozent der Maissilage wird als Lieschkolbensilage verfüttert. Er schiebt das Futter zweimal am Tag an.

Gemolken wird in einem 2-x-6- Fischgrätenmelkstand. Rund 2 Stunden sind nötig, um die 90 Kühe zu melken.

2,5 Liter Kolostrum fürs Kalb

Die Kälber erhalten 2,5 l Kolostrum von der eigenen Mutter und so schnell wie möglich. In den ersten sechs Aufzuchtwochen vertränkt er rund 60 kg Milchaustauscher ad libitum in Form einer Sauertränke. Bei der Zucht kommt es Lutz auf die Milchinhaltsstoffe an. Die züchterischen Ergebnisse dürfen jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Milchleistung haben. Außerdem sind ihm die Klauen, das Euter und die Fruchtbarkeit wichtig.

Letztlich müsse ihn die Zucht dabei unterstützen, dass er mehr Milch bei weniger Problemen melkt.

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