Login
Milchproduktion

dlz Roadtrip: Milchquote weg, das machen die Nachbarn

© Anneke Struck
von , am
10.09.2015

Ein Team des dlz agrarmagazins ist in den letzten Monaten durch halb Europa getourt. Das Ziel: Herausfinden, wie Milchbauern in benachbarten Ländern arbeiten. Teil 1: Niederlande.

Die Milchviehhaltung spielt in den Niederlanden eine wichtige Rolle. © Anneke Struck
Die Milchviehhaltung spielt in den Niederlanden eine wichtige Rolle. Von den 72.300 landwirtschaftlichen Betrieben halten 17.800 Milchkühe. Insgesamt stehen auf den Höfen 1,6 Millionen Kühe, die jährlich etwa 12,2 Millionen Tonnen (Mio. t) Milch erzeugen. Damit liegt die durchschnittliche Leistung bei 7.585 kg Milch pro Kuh und Jahr. Im Mittel stehen etwa 90 Kühe auf einem niederländischen Milchviehbetrieb.
 
Während ihres Roadtrips durch Europa haben Redakteure des dlz agrarmagazins Landwirte in den Beneluxländern und Frankreich besucht.
 
Wie niederländische Milchviehhalter mit dem Quotenende umgehen, erfahren Sie in Teil 1.

Milchviehhalter 1: Evert Alderkamp, 150 Milchkühe

Evert Alderkamp lässt seine Kühe weiden. Dafür zahlt ihm die Molkerei 1 Cent pro Liter zusätzlich. © Markus Pahlke/dlz
Friesland Campina zahlt ihren Landwirten 1 Cent pro Liter Milch mehr, wenn sie ihre Kühe weiden lassen. Die Kühe von Evert Alderkamp sind deshalb seit Anfang Mai auf der Weide. "Dadurch liegt der Milchpreis bei momentan 32 Cent/l." Das ist genau der Betrag, den er benötigt, um seine Kosten zu decken - inklusive des Lohnansatzes für ihn und seine Frau.
 
Der Weidegang bedeutet dabei durchaus ein intensives Management. So werden die Kühe schrittweise an die Weide gewöhnt und haben anfangs nur wenige Stunden Auslauf.
 
Neben den 150 Kühen steht derzeit die gleiche Anzahl an Jungtieren auf dem Betrieb. Bei einer Remontierungsrate von 25 Prozent ist diese Menge für den Herdenersatz allerdings nicht notwendig. So verkauft Evert Alderkamp jährlich 10 bis 15 Tiere.
 
Mit dem Ende der Milchquote vergrößerte der Milchviehhalter seine zu melkende Herde um zehn Tiere. Bereits im Jahr 2009 hat er sich mit einer Stallerweiterung von ursprünglich 70 Kühen und dem Bau eines neuen Melkzentrums auf das Quotenende vorbereitet. Zudem kaufte er 10 ha Grün- und Ackerland in 3 km Entfernung zum Hof zu.

Milchviehhalter 2: Jos van den Hurk, 250 Milchkühe

Jos und Stef van den Hurk (v.l.) lassen ihre Kühe von Robotern melken. © Markus Pahlke/dlz
Vier Melkroboter stehen in den Ställen von Familie van den Hurk. Zwei weitere sollen folgen. So schaffen es zwei Arbeitskräfte, die derzeit 250 Kühe zu versorgen.
 
Der 52-jährige Landwirt Jos van den Hurk setzt auf Wachstum. Im Jahr 2010 baute er einen Stall mit 260 Plätzen. Der alte Stall wird momentan saniert und soll wieder mit zwei Robotern ausgestattet werden. "Wir dürfen 400 Kühe und 150 Färsen halten und das wollen wir in Zukunft auch", erklärt der 22-jährige Stef van den Hurk.
 
Seit Januar diesen Jahres sind deshalb die Jungtiere ausgelagert. "Sie kommen erst einen Monat vor dem Kalben zurück auf unseren Betrieb", erklärt Jos van den Hurk. "So überschreiten wir die Tierzahl nicht und brauchen keine Tiere verkaufen."
 
Denn van den Hurks wollen die Aufstockung und den Herdenersatz mit den eigenen Tieren erreichen. Dazu wird bei den Färsen in der Regel zweimal gesextes Sperma eingesetzt, bevor ein Ausputzer zum Schuss kommt. "Ansonsten setzen wir zu drei Viertel genomische Jungbullen ein, da bei ihnen das Generationsintervall kürzer ist", sagt Stef van den Hurk. Wert legen er und sein Vater bei der Bullenauswahl vor allem auf die Fundamente, Fruchtbarkeit und Melkbarkeit.

Milchviehhalter 3: K.I. Samen, 400 Milchkühe, 160 Zuchtbullen

Gerbert Engelen und Jos Hooijer (v.l.) mit der Norwin RF-Tochter Angel 51. © Markus Pahlke/dlz
Bei K.I. Samen stehen neben den Milchkühen und der Nachzucht auch 160 Zuchtbullen in den Ställen. Die private Besamungsstation wurde 1982 gegründet. Die Bullen stehen auf einem gesonderten und umzäumten Hofgelände. Es handelt sich dabei um etwa 30 töchtergeprüfte Vererber und 30 Testbullen. Die restlichen Tiere sind Wartebullen.
 
Man geht dabei nach dem amerikanischen Triple-A-System vor. "Wir betrachten das gesamte Tier", berichtet Gerbert Engelen, der Sohn und Nachfolger des Firmengründers. "Wir wollen gesunde und fruchtbare Laufstallkühe mit hohen Inhaltsstoffen und langer Nutzungsdauer."
 
Dass sie mit diesem Ziel richtig liegen, zeigen neben den zunehmenden Absatzmärkten auch die Kühe in der eigenen Milchviehherde. 400 Kühe und 800 Nachzuchttiere stehen in Ställen, die wenige Hundert Meter von der Bullenanlage entfernt sind. Hier findet sich das 28er-Innenmelkerkarussell, indem die Herde dreimal täglich gemolken wird, und ein Besucherraum.
 
Die Herde ist in vier Gruppen unterteilt: Frischlaktierer (bis etwa zehn Tage), hochleistende Kühe, niederleistende Kühe und Kühe mit hohen Zellzahlen. Die Frischlaktierer haben eine großzügige Strohfläche zur Verfügung. "Alle anderen Kühe haben Zugang zu tiefen und weich eingestreuten Boxen, die regelmäßig gepflegt werden", so Gerbert Engelen.
 
Auch der Färsenverkauf ist ein Standbein des Betriebs. Monatlich werden zwischen 5 und 15 abgekalbte Färsen vermarktet. Die Preise schwanken dabei zwischen 1.800 und 2.200 Euro je Tier.
 
Kälber werden nach der Geburt in Einzelboxen untergebracht und erhalten innerhalb der ersten Lebensstunde 4 l pasteurisierte Biestmilch. "Nach etwa einer Woche kommen die Kälber in eine Gruppe. In den kalten Monaten tragen sie dort für etwa eine Woche eine Kälberdecke. Damit unterstützen wir sie dabei, ihre Körpertemperatur zu halten", erklärt der Niederländer mit einem zufriedenen Blick auf seine Nachzucht.
 
In der kommenden Folge erfahren Sie, wie belgische Landwirte Kühe halten und Milch erzeugen.
Auch interessant