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Milchproduktion

DMK-Bonussystem für Nachhaltigkeit: Das sind die Kritieren

Dieser Artikel ist zuerst im Agrarmanager erschienen.

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von , am
24.08.2015

Ab 2016 sollen die rund 9.400 Milcherzeuger der Genossenschaft Deutsches Milchkontor (DMK) nach definierten Nachhaltigkeitskriterien produzieren. Welche Kritierien einen Bonus versprechen, lesen Sie hier.

Boxenlaufstall: Mit 20 Prozentpunkten honoriert © LUF
Ab nächstem Jahr wird der "Milkmaster-Kodex" Bestandteil der Milchlieferordnung. Als pfundschwerer Ordner plumpste er Anfang des Jahre in die Briefkästen der Lieferanten: Rund 80 Seiten Produktionskodex plus weiteren 100 Seiten Handbuch einschließlich Audit-Listen. Anhand der Listen sollten die Erzeuger prüfen, inwieweit sie die geforderten Kriterien erfüllen. Im September werden die Milchbauern von ihrer Molkerei eine Bewertung der Selbsteinschätzung erhalten.
 
Wer bei den über 130 Kennzahlen bestimmte Schwellenwerte erreicht, soll einen Bonus erhalten. Wie das Bonussystem im Einzelnen aussehen wird, ist jedoch noch offen. Das sind die Bewertungskriterien:

Kuhkomfort

  • Boxenlaufstall: 20 Prozentpunkte
  • Anbindehaltung: 0 Punkte. Ab 2020 soll sie als ganzjährige, ausschließliche Haltungsform nicht mehr akzeptiert werden.
  • Weidehaltung: keinen Aufschlag auf den Auszahlungspreis, sondern lediglich 10 Prozentpunkte
  • Platzangebot: Weitere 20 Prozentpunkte erhält, wer den Stall nicht überbelegt.
  • 10 Prozentpunkte sind es bei bis zu 10 % Überbelegung. Eine Nachweis- oder Dokumentationspflicht besteht bei diesem Kriterium nicht.
  • Getrennter  und eingestreuter Abkalbe- und Krankenbereich: 10 Prozentpunkte

Tiergesundheit

Wenn der Zellgehalt der Anlieferungsmilch während zwölf Monaten
  • unter 100.000 Zellen/ml bleibt, gibt es 20 Prozentpunkte,
  • bei 100.000 bis 200.000 Zellen je ml 15 Prozentpunkte,
  • bei 200.000 bis 300.000 Zellen je ml 10 Prozentpunkte.
  • Für die Teilnahme an der Milchleistungsprüfung (MLP) winken 10 Prozentpunkte
  • Regelmäßige und vorbeugende Klauenpflege: 10 Punkte
  • Wenn die durchschnittliche Lebensleistung der Abgangskühe mehr als 30.000 kg beträgt: 10 Punkte

Futteranbau

  • Wer regionale Futterkomponenten verwendet, kann 20 Prozentpunkte verbuchen.
  • Mehr als 50 Prozent Anteil Dauergrünland oder mehrjähriges Ackerfutter an der Grundfutteranbaufläche: 20 Prozentpunkte
  • Eine bodennahe Gülleausbringung
  • Gülle-Lagerkapazitäten für sechs Monate
  • Regelmäßige Bodenuntersuchungen
  • Dreigliedrige Fruchtfolge auf den Ackerflächen
  • Verzicht auf Mais
  • Winterbegrünung auf mindestens der Hälfte der Maisanbaufläche

Fütterung

  • Regelmäßige Analyse des Grundfutters
  • Nachweis einer ausgewogenen Fütterung laut MLP-Bericht
  • Auch die Lagerstätten werden bewertet
  • 15 Prozentpunkte kann sammeln, wer Trockensteher separat unterbringt und füttert

Milchqualität

Am höchsten bewertet wird in diesem Bereich der Keimgehalt der Milch. Wurde in den vergangenen zwölf Monaten ein Wert von
  • 15.000 Keimen/ml Milch unterschritten: 15 Prozentpunkten
  • 15.000 bis 30.000 Keime/ml: 10 Prozentpunkte
  • 30.000 bis 50.000 Keime/ml: 5 Prozentpunkte. 
  • Milchkühlung und -aufbewahrung sowie eine gepflegte Milchkammer
  • Befestigter und sauberer Standplatz für den Milchsammelwagen

Erster Schritt zu mehr Nachhaltigkeit

Anforderungen, die über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehen, sind nicht verpflichtend, sondern vorerst nur Empfehlungen und angestrebte Ziele. Die Zielsetzungen sind nicht besonders ambitioniert, sondern werden von fortschrittlichen, ordentlich geführten Milchviehbetrieben in den meisten Fällen ohne großen Zusatzaufwand zu erfüllen sein. Aber die Milcherzeugerbetriebe sollen in Zukunft durch Milkmaster gezielt weiterentwickelt werden. Im Klartext bedeutet das, die Betriebe werden durch eine Kombination aus Beratung, Anreizen und Sanktionen angehalten, die geforderten Kriterien möglichst optimal zu erfüllen. Stufenweise Verschärfungen beziehungsweise neue Anforderungen sind wahrscheinlich.
 

Klauenpflege beim Rind: Bilder aus der Praxis

Gut ausgestattete Klauenpflege-Profis auf dem Weg zum Betrieb mit ihrem mobilen Klauenpflegestand. © klauenpflege.de
Klauenpflege-Profis bei der Arbeit in einem Laufstall. © klauenpflege.de
Klauenpflege live: Eine Besuchergruppe von Landwirten schaut gerne zu, wie die Klauenpflege funktioniert. © klauenpflege.de
Eine Braunvieh-Kuh wartet ungeduldig, dass sie auch dran ist. © klauenpflege.de
Vorbereitungen für die Arbeit ... © klauenpflege.de
...und so geht die Klauenpflege in der Praxis. © klauenpflege.de
Die Klauenpflege wird bei allen Rassen gemacht: Auf dem Bild die Klauenpflege in einem Holstein-Bestand. © klauenpflege.de
Auch im Freien macht die Klauenpflege Spaß. © klauenpflege.de
Die Pflege-Profis mobilisieren eine Kuh für die Klauenpflege. © klauenpflege.de
Diese Kuh bekommt ihre Klauenpflege direkt im Stall. © klauenpflege.de
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