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Milchproduktion

DMK setzt auf Export

von , am
13.08.2012

Bremen - Deutschlands größtes Molkereiunternehmen setzt 38 Prozent seines Umsatzes im Export um. Innerhalb von drei bis vier Jahren soll die Drittlandsausfuhr auf ein Fünftel gesteigert werden.

© Almotti/pixelio
Die enorme Bedeutung des Exports für die weitere Entwicklung der deutschen Milchwirtschaft hat der Sprecher der Geschäftsführung vom Deutschen Milchkontor (DMK), Dr. Josef Schwaiger, unterstrichen.
In einem Gespräch mit dem Vizepräsidenten des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Peter Lüschow, stellte der DMK-Chef fest, dass sich das Rad jetzt gedreht habe, nachdem der heimische Milchmarkt zuvor immer ein ausgeglichenes Verhältnis von Produktion und Absatz verzeichnet habe. "Es muss nach Auslandskanälen gesucht werden", so Schwaiger. Er wies darauf hin, dass das Deutsche Milchkontor bereits 38 Prozent des Umsatzes im Export erziele.

Drittlandsexport wird weiter ausgebaut

Bei der Ausfuhr in Drittländer stehe nicht nur das DMK vor einer Herausforderung: Europa habe im vergangenen Jahr schon gut 15 Milliarden Liter Milch in Drittländer exportieren müssen. Vor diesem Hintergrund habe das DMK eine klare Strategie und wolle innerhalb von drei bis vier Jahren den Drittlandsexport auf 20 Prozent steigern.
 
Dabei richtet sich der Blick laut Schwaiger vor allem auf Regionen wie Asien und Nordafrika sowie den Mittleren Osten und Russland. In einem nächsten Schritt würden die USA und Südamerika ins Visier genommen, allerdings sei der Zugang zu den Märkten in diesen Regionen äußerst schwierig, schränkte der Sprecher der DMK-Geschäftsführung ein.

Verschiebung der Produktion nach Wegfall der Quote

Nach dem Wegfall der Milchquote im Jahr 2015 rechnet Schwaiger mit klaren Verschiebungen der Rohstoffproduktion, und zwar dorthin, wo die Milchwirtschaft sehr erfolgreich und kostenorientiert ist. "Dazu rechne ich den Nordwest-Gürtel, der weiterhin Milchregion bleiben und wahrscheinlich noch stärker wird, während andere Regionen im Wettbewerb so nicht mithalten können", prognostizierte der DMK-Chef. Milchmenge und Absatz werden nach seiner Einschätzung weiterhin wachsen, ebenfalls die Preise, aber auch die Kosten.
 
Der Staat helfe am besten, wenn er nichts tue. Der Sprecher der DMK-Geschäftsführung geht davon aus, dass 2015 und 2016 zunächst viel Milch auf den Markt kommen wird. Die Holländer etwa hätten angekündigt, rund 2 Milliarden Kilogramm Milch mehr zu melken als jetzt. In Deutschland werde ebenfalls in einigen Regionen die Milchmenge steigen, wohl auch in Frankreich. Aber das werde der Markt dann regeln.

Verdrängungswettbewerb in der EU

Schwaiger beklagte, dass die Molkereien in Deutschland viel zu wenig Marktmacht hätten. Diese liege ausschließlich bei den Händlern, nicht bei den Produzenten. In allen anderen Ländern sei man auf Augenhöhe oder wie in Dänemark sogar darüber. Diese Stärke fehle hierzulande, konstatierte der DMK-Chef. Er hob in dem Zusammenhang den Unterschied zwischen dem deutschen oder europäischen und dem Drittlandsmarkt hervor.
 
In Deutschland und Europa werde bei steigender Produktion um einen stagnierenden Markt gekämpft; das sei ein reiner Verdrängungswettbewerb. Dieser gehe nur über Geld, während der Drittlandsmarkt ein wachsender sei. Hier gehe es um die Verteilung dieses Wachstums, stellte Schwaiger fest. Da könne man durchweg mitmischen, wenn man die entsprechenden Produkte habe, die entsprechenden Netzwerke, Niederlassungen und auch die Mitarbeiter, die diese Märkte kennen und bearbeiten würden.

Nachfrage am Weltmarkt steigt

Die längerfristige Entwicklung des Weltmarktes für Milchprodukte beurteilt Schwaiger zuversichtlich. Heute seien in vielen Ländern Milchprodukte noch Luxusprodukte. Die würden gekauft, wenn die Leute gut verdienten, wenn die Wirtschaft des Landes gut laufe. "Insbesondere die Drittländer legen mit enormem Wachstum zu - und die Menschen dort mögen Milchprodukte", so der DMK-Chef. Dies gelte insbesondere für Verarbeitungsprodukte.
 
Mit einem klaren "Nein" antwortete Schwaiger auf die Frage, ob es Aufgabe der Genossenschaften sei, sich stärker am Terminmarkt zu engagieren beziehungsweise auf andere Weise Preisausschläge im Interesse der Erzeuger abzufedern. Er wies darauf hin, dass es am deutschen Terminmarkt mittlerweile nur einen Teilnehmer gebe, der dort schon Ware platziert habe, nämlich das DMK. Es gebe keine Anfragen, keine anderen Anbieter. Das müsse man erst lernen, und das werde dauern.
 
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