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Haltung und Mast

DNA-Test bestätigt: Wolf reißt Rinder in Niedersachsen

© Dieter Schütz/pixelio.de
von , am
06.09.2014

Norden - Was der betroffene Landwirt gleich vermutet hat, wurde jetzt offiziell per DNA-Test bestätigt: Zwei seiner toten Rinder gehen auf das Konto eines Wolfs. Das Tier hat die Rinder am 18. August gerissen.

Vergangenes Jahr wurden zwei enthauptete Wölfe gefunden. Wurden Sie zur Jagdtrophäen? © Jens Bredehorn/pixelio.de
Weit offen klaffende Wunden, zerrissene Hautfetzten - der Anblick der sich dem Landwirt Andreas Müller aus dem niedersächsischen Ort Lamstedt (Kreis Cuxhaven) am Morgen des 18. August geboten hat, war sicher schockierend. Mitarbeiter hatten den Landwirt gerufen, weil zwei seiner jungen Tiere tot auf der Weide lagen. Der Rest der gut 90-Kopf-großen Herde soll sehr verstört gewirkt haben. Für den Landwirt soll sofort klar gewesen sein: "Das war ein Wolf." Von diesem Vorfall berichtete die Niederelbe Zeitung (NEZ). Jetzt bestätigt ein DNA-Test, was der Landwirt vermutet hat. "Vom Wolf verursacht" - so lautet das Ergebnis. 
 
Im Kreis Cuxhaven tappen schon seit Längerem Wölfe immer wieder in Fotofallen. Nach jüngsten Angaben der Landesjägerschaft Niedersachsen konnte neben einer im April 2012 gesichteten Fähe im Juli 2014 ein zweiter Wolf bestätigt werden. Die Landwirte sind beunruhigt.

Ergebnis ist eindeutig

"Das Ergebnis der DNA-Untersuchung hat eindeutig ergeben, dass ein Wolf die Tiere gerissen hat", sagte Mungla Sieck, Wolfsexpertin beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) in einer Mitteilung am Donnerstag.
 
Auch die Rissprotokolle des ehrenamtlichen Wolfsberaters und die Fotodokumentation unterstützen diese Annahme. Der zuständige Wolfsberater hatte den Fall dokumentiert und insgesamt sechs DNA-Proben genommen. Das Senckenberg-Institut Gelnhausen analysierte auf Wunsch des NLWKN sehr schnell vier der Proben. "Die Analyse zur Artbestimmung hat bei allen vier Proben eindeutig ergeben, dass ein Wolf die Tiere getötet hat", sagte Sieck.
 
Der Landwirt Andreas Müller kann Billigkeitsleistungen vom Land Niedersachsen beantragen und erhält einen finanziellen Ausgleich. Nach  Informationen von NDR.de hat Niedersachsen seit Anfang des letzten Jahres rund 11.000 Euro für gerissene Tiere an die Landwirte gezahlt. Im ersten Halbjahr 2014 sollen Wölfe bisher rund 60 Schafe und Damwild gerissen oder verletzt haben.

Wölfe spalten Gemüter

Das Land Niedersachsen hatte sich gemeinsam mit der Jägerschaft bereits 2010 auf ein Wolfskonzept geeinigt. Das Umweltministerium wertet es als großen Erfolg, dass der Wolf in Niedersachsen wieder heimisch geworden. "Nach der natürlichen Rückkehr des Wolfes breitet sich das scheue, streng geschützte Wildtier nun im Land aus", schrieb die Behörde letztes Jahr. Mittlerweile zählt das Land vier Rudel, ein Wolfspaar und weitere Einzeltiere.

Für die Umwelt- und Artenschützer ist es ein Erfolg, für die Landwirte eine zunehmende Bedrohung, dass sich der Wolf ausbreitet. Eine Entschädigung, die sie für das Einzeltier bekommen, reiche in vielen Fällen nicht. Denn ein Wolfsangriff verstöre die gesamte Herde. Das könnte dazu führen, dass Kühe keine Milch mehr geben oder Tragende verkalben, wissen Nutztierhalter.
 
Dr. Britta Habbe vom Wildtiermanagement Niedersachsen äußerte sich in der NEZ zu dem Vorfall auf der Weide in Lamstedt und warnte vor Panik. "Wir merken schon, dass es in den Regionen, in denen die Wölfe zurückkehren, große Angst und Vorbehalte gibt. Das Bild vieler Menschen vom Wolf stamme aber aus Märchen und sei ein Mythos. Das Wildtiermanagement Niedersachsen sei bestrebt, "das Ganze auf eine wissenschaftliche Ebene zu bringen".
 
Habbe erklärte, dass Niedersachsen an Managementplänen arbeite, welche Präventionsmaßnahmen vorsehen. Beispielsweise sollten Zäune verstärkt werden, um die Herden vor dem Wolf zu schützen. Die Familie des Landwirts hegte laut NEZ nicht nur Bedenken um die Tiere, im Raum stand gar der Gedanke, dass auch Menschen bedroht werden könnten.
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