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Milchproduktion

England: Farmer drohen mit Milchlieferstreik

von , am
10.07.2012

London - Britische Farmer drohen zu den Olympischen Spielen in London mit einem Milchlieferstreik, wenn der Milchpreis nicht wieder steigt.

Die Großhandelspreise für Milchprodukte sind im September weiter gefallen. © Mühlhausen/landpixel
Die britischen Milcherzeuger sind stinksauer: Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr haben führende Molkereien auf breiter Front den Milchpreis gesenkt. Nun droht vor allem der Verband "Farmers for Action" mit einem Lieferstreik und Blockaden während der am 27. Juli beginnenden Olympischen Spiele in London. Morgen wollen die Landwirte mit einem Krisengipfel und mit einer Demonstration in Westminster im Zentrum der Hauptstadt auf ihre Situation aufmerksam machen.

Neue Preissenkungsrunde für 1. August angekündigt

Norbert Lehmann, Redaktion agrarmanager
Norbert Lehmann, Redaktion agrarmanager
Milchverarbeiter wie Arla Foods, Dairy Crest, First Milk und Robert Wiseman hatten die Erzeugerpreise im Mai deutlich reduziert. Vorige Woche kündigten sie mit Wirkung zum 1. August eine weitere Preissenkungsrunde um umgerechnet 2,1 bis 2,5 Cent je Liter Milch an. Der durchschnittliche Milchauszahlungspreis würde damit in Großbritannien unter 31,5 Cent je Liter fallen.
 
Der britische Bauernverband (NFU) schätzt den Einnahmenverlust für einen typischen Milchviehbetrieb auf mehr als 50.000 GBP (63.000 EUR) im laufenden Jahr. NFU und Farmers for Action forderten nach einem gemeinsamen Krisentreffen von den Molkereien, alle Preissenkungen seit April 2012 zurückzunehmen. Sie sehen die Existenz der Milcherzeugung auf der Insel in Gefahr.
 
Aktionen starten diese Woche
 
David Handley, der Vorsitzende von Farmers for Action, erklärte, die Erzeuger seien "sehr wütend und unglaublich frustriert". Seine Organisation ruft die Landwirte auf, ihren Forderungen durch eine Einschränkung der Milchanlieferung Nachdruck zu verleihen. Die ersten Aktionen sollen in dieser Woche stattfinden. Sollten die Preissenkungen nicht aufgehoben werden, könnten auch die Olympischen Spiele von einer Verknappung des Milchangebots betroffen sein. Handley wirft der Regierung vor, die prekäre Situation der britischen Milchviehhalter völlig zu ignorieren.
 
Landwirtschaftsminister: Preissenkungen ein 'verheerender Schlag'
 
Landwirtschaftsminister Jim Paice räumte in einem Webchat des Fachblattes Farmers Weekly ein, die Preissenkungen seien ein "verheerender Schlag" für alle Erzeuger ohne feste Lieferverträge mit dem Einzelhandel. Darum will Paice sich für eine umfassende freiwillige Rahmenvereinbarung zwischen der Milchindustrie und den Landwirten einsetzen.
 
Widersprüchliche Signale am internationalen Milchmarkt
 
Am internationalen Milchmarkt waren die Preissignale zuletzt widersprüchlich. Nachdem sich die internationalen Spotmarktpreise in der zweiten Junihälfte stabilisiert hatten und sogar wieder zulegten, rutschten die Preise auf der ersten Juli-Auktion der globalen Handelsplattform Global Dairy Trade überraschend deutlich nach unten, berichtet dlv Marktexperte Dr. Olaf Zinke. Anderseits vollzogen die in der ersten Juliwoche ermittelten Exportpreise für Milchprodukte aus Ozeanien und Westeuropa den rückläufigen Trend der globalen Handelsbörse nur bedingt nach.
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