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Milchproduktion

Erzeuger befürchten Preissenkungen des Handels

© Beuermann/landpixel
von , am
08.10.2014

Die MEG Milch Board blickt besorgt auf die laufenden Kontraktausschreibungen. Die Erzeugergemeinschaft befürchtet, dass der Handel die Lage am Milchmarkt für Preissenkungen ausnutzt.

Die Erzeuger befürchten, dass der Handel die Preise für Milchprodukte senkt. © Dmytro Sukharevskyy/fotolia.com
Einzelhandel und Molkereien stellen aktuell die Weichen für die Preisentwicklungen der Milchprodukte in den Kühlregalen der Discounter, meldet die ErzeugergemeinschaftMEG Milchboard. Der Milch Board-Vorstand Peter Guhl hegt dabei die Befürchtung, dass der Handel die angespannte Lage am Milchmarkt zu massiven Preissenkungen ausnutzen könnte. "Das Bundeskartellamt hat kürzlich die Marktmacht der Discounter als 'besorgniserregend' eingestuft. Wenn unsere Molkereien dem Druck jetzt nachgeben, rechnen wir mit dem Schlimmsten", so Guhl.
 
Guhl appelliert daher an die Molkereien: "Die Milcherzeuger haben sich in den vergangenen Monaten marktkonform verhalten und die Produktion der Nachfrage angepasst, davon haben alle Seiten profitiert. Lässt die Molkereiwirtschaft jetzt die Erzeuger mit dem Problem der Übermengen allein, vernachlässigt sie ihre Verantwortung gegenüber ihren Lieferanten und Mitgliedern".

Schere zwischen Preis-Kosten wird größer

Obwohl Guhl noch keine Parallelen zur verheerenden Milchkrise aus dem Jahr 2009 ziehen möchte, so sehe er doch die Einschläge näher rücken. Ein wichtiger Parameter sei an dieser Stelle die von der MEG Milch Board veröffentlichte Preis-Kosten-Ratio. Lag der durchschnittliche Milchpreis in Deutschland im Krisenjahr 2009 bei 25,84 Cent, so würde dies unter heutigen Kostenbedingungen und gleicher Ratio (0,67) einem Milchpreis von 30,56 Cent entsprechen. "Die Schmerzgrenze ist eine ganz andere als noch vor fünf Jahren. Wer die Produktionskosten der Erzeuger komplett außer Acht lässt, riskiert die nachhaltige Entwicklung der Milchwirtschaft in Deutschland." 

Bündelung der Milcherzeuger

Auch weil die Quote in wenigen Monaten ausläuft, sieht Guhl jetzt dringenden Handlungsbedarf: "Die Bündelung der Milcherzeuger reicht in Deutschland noch nicht aus, um kostendeckende Preise auf Augenhöhe zu verhandeln. Was wir jetzt brauchen ist eine politisch motivierte Bündelungsoffensive und rechtliche Maßnahmen, die das Preisdumping der Discounter im Bereich der Milchprodukte unterbinden".
 

BDM appelliert an Marktverantwortliche

Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter richtet angesichts der Preissenkungen bei Milchprodukten der Discounter, seinen Appell an alle Marktverantwortlichen: "Es darf bei den laufenden und für die kommenden Wochen anstehenden Kontraktabschlüssen keine weiteren Preissenkungen für Nahrungsmittel/Milchprodukte geben." Zudem fordert der BDM die Einberufung eines Runden Tischs mit allen Beteiligten des Milchmarktes zur 'Zukunft einer wirtschaftlichen Milchviehhaltung' auf Bundesebene. Es sei dringend notwendig, sich mit den Milchviehhaltern an den Tisch zu setzen und deren Lösungsansätze für eine Gestaltung eines wirkungsvollen Sicherheitsnetzes für den EU-Milchmarkt zu erörtern.
 
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