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Milchproduktion

EU-Milchinterventionsbestände werden teilweise verkauft

von , am
25.05.2010

Brüssel - Die Europäische Kommission ist zur Öffnung der Kühlhäuser bereit: Am 3. Juni sollen erstmals größere Mengen Butter und Magermilchpulver aus der Intervention verkauft werden.

© JoLin/Fotolia

Das bestätigte die Behörde im Anschluss an die jüngste Sitzung des zuständigen Verwaltungsausschusses. Die Kommission legte dort entsprechende Verordnungsvorschläge zur Abstimmung vor. Der Europäische Milchhandelsverband (Eucolait) hatte im Vorfeld gegenüber hochrangigen Kommissionsbeamten einmal mehr für die Öffnung der Interventionslager geworben. Die Mitgliedstaaten befürworteten den Schritt zwar nicht einhellig - unter anderem Frankreich hält ihn für zu früh -, es fand sich aber auch keine zur Blockade ausreichende Mehrheit. Deshalb kann die Behörde mit ihren Plänen fortfahren.

Händler haben bis zum 1. Juni Zeit

Händler haben bis zum 1. Juni Zeit, Angebote einzureichen. Allerdings stehen nicht die gesamten Bestände zum Verkauf. Von den rund 76.000 Tonnen Butter können nur 25.000 Tonnen verkauft werden, da 51.000 Tonnen bereits für die Abgabe unter der EU-Bedürftigenhilfe vorgesehen sind. Entsprechend können von den 257.000 Tonnen Trockenmilch insgesamt nur 192.000 Tonnen freigegeben werden - 65.000 Tonnen sollen den Armen in der EU zugute kommen. Darüber hinaus will die Kommission zunächst jene Milchpulverbestände verkaufen, die vor dem 1. Mai 2009 eingelagert wurden - Schätzungen zufolge etwa 65.000 Tonnen.

Teil der Gesamtmengen für die Bedürftigenhilfe vorgemerkt

Die Behörde setzt bei jeder Ausschreibung den Preis fest und behält sich vor, wie viele Angebote sie annimmt, "um Marktstörungen zu vermeiden". Einmal abgegebene Waren können für alle Zwecke innerhalb und außerhalb der EU verwendet werden. Die in Deutschland gelagerten 9.900 Tonnen Butter wurden von der Kommission komplett für die Bedürftigenhilfe vorgemerkt; Beobachter sehen darin insofern einen Nachteil, als deutsche Butter ebenso wie irische am Markt sehr beliebt ist.

Eucolait begrüßt die Öffnung  

Eucolait-Generalsekretär Wim Kloosterboer betonte nach Bekanntwerden der Entscheidung, man stimme dem Schritt der Kommission zu. Die Bestände müssten zur Marktstabilisierung genutzt werden. Milchprodukte sollten der Verarbeitung in verlässlichem Umfang zur Verfügung stehen. Dank des von Brüssel angewandten Ausschreibungsverfahrens bestehe keine Gefahr, dass durch den Verkauf die Marktpreise verdorben würden. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Milchindustrie-Verbandes (MIV), Eckhard Heuser, bezeichnete die Entscheidung als nachvollziehbar. Die Ware werde durch die Lagerung nicht besser und müsse ohnehin irgendwann verkauft werden. Die Kommission habe durch das Ausschreibungsverfahren in der Hand, den Preis zu bestimmen. "Wir sind gespannt", so Heuser. Angesichts der aktuellen Marktlage werde die Behörde auf jeden Fall einen schönen Gewinn machen.

Preise überwiegend weiter gestiegen

Unterdessen sind die EU-Durchschnittspreise für Milcherzeugnisse während der Woche zum 16. Mai überwiegend weiter gestiegen. Besonders kräftig legte Butter zu, nämlich saisonal um 3,1 Prozent auf 3,24 Euro je Kilogramm. Für Deutschland wurde sogar ein Mittel von 3,43 Euro je Kilogramm angegeben. Gleichzeitig verteuerten sich Magermilchpulver um 0,9 Prozent auf 2,40 Euroje Kilogramm und Vollmilchpulver um 0,7 Prozent auf 2,87 Euro je Kilogramm. Mit 2,50 Euro je Kilogramm bewegte sich auch der Preis für Magermilchpulver in der Bundesrepublik zuletzt über dem EU-Durchschnitt.

Molkenpulver gab um 5,5 Prozent nach 

Bei Käse wurde Emmentaler im europäischen Mittel mit 4,73 Euro je Kilogramm notiert, 2,1 Prozent mehr als in der Vorwoche. Der Preis für Edamer kletterte um 0,4 Prozent auf 2,79 Euro je Kilogramm. Ein deutlicher Einbruch um 7,5 Prozent auf 2,64 Euro je Kilogramm wurde dagegen für Cheddar registriert, während sich Gouda um 0,6 Prozent auf 2,71 Euro je Kilogramm verbilligte. Molkenpulver gab um 5,5 Prozent auf 0,78 Euro je Kilogramm nach. Exporterstattungen wurden von der Kommission weiter verweigert. Sie lehnte alle Anfragen im Ausschreibungsverfahren ab und ließ die fixen Sätze auf Null. Allerdings wurde die Liste der erstattungsfähigen Käsesorten um den in Rumänien und Bulgarien verbreiteten Kaschkawal erweitert.

Exporte gestiegen  

Wie aus Zahlen der Kommission ferner hervorgeht, konnte sich die EU-Milchwirtschaft auch ohne Ausfuhrsubventionen am Weltmarkt behaupten: Die Butterexporte lagen im ersten Quartal 2010 mit 31.000 Tonnen um annähernd 5.000 Tonnen über dem Niveau des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Gleichzeitig gelang bei den Magermilchpulverexporten mehr als eine Verdopplung - am Weltmarkt wurden von Januar bis März 92.000 Tonnen abgesetzt, gegenüber 45.000 Tonnen in den ersten drei Monaten 2009. (AgE)

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