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Milchproduktion

EU-Prognose für 2015: 1 Prozent mehr Milch als im Vorjahr

von , am
15.07.2015

Trotz der Abschaffung der Milchquote wird die Anlieferung in der EU in 2015 nicht so stark zunehmen wie erwartet. Im Gesamtjahr dürfte gegenüber 2014 ein Plus von 1 Prozent verzeichnet werden, schätzt die EU.

1,1 Millionen kg Milch zuviel haben die deutschen Landwirte im letzten Jahr der Milchquote geliefert. © Mühlhausen/landpixel
Dies geht aus der jüngsten Kurzfrist-Prognose ("Short-Term Outlook") der EU-Kommission hervor, wie das Agrarische Informationszentrum (aiz) schreibt. Laut dem EU-Ausblick wurden in den ersten drei Monaten (vor dem Auslaufen der Quote) 1,2 Prozent weniger Milch angeliefert. Für die weiteren neuen Monate rechent die Kommission mit einem Plus von 1,6 Prozent an Milch in der EU-28.
 
Während in einigen Mitgliedsländern die Milchproduktion seit Anfang April spürbar ausgeweitet wurde, bieten die Erzeugerpreise in anderen Ländern offenbar wenig Anreiz für eine höhere Anlieferung. Nachdem die russische Importsperre für Lieferungen aus der EU verlängert wurde, dürfte in den kommenden Monaten mehr Rohmilch zu Magermilchpulver sowie Butter und gleichzeitig weniger für die Käseherstellung verwendet werden, heißt es in der Prognose.
 
Die Erzeugermilchpreise sind in der EU bereits in der zweiten Jahreshälfte 2014 gesunken, der Rückgang hat sich Anfang dieses Jahres fortgesetzt. Nach einer leichten Stabilisierung im Februar 2015 kam es im Mai wiederum zu einem spürbaren Rückgang um 2,6 % gegenüber dem Vormonat April. Der von der Kommission errechnete Durchschnitts-Erzeugerpreis lag im Mai mit netto 30,48 Cent je kg um 19 Prozent (%) unter dem Vorjahresniveau.
 
Die Preisentwicklung gestaltete sich allerdings in den einzelnen Mitgliedsländern sehr unterschiedlich:
  • Der stärkste Rückgang erfolgte in den baltischen Staaten, wo mittlerweile weniger als 25 Cent ausbezahlt werden.
  • In anderen Ländern, zu denen auch Österreich gehört, wurde die Vorjahreslinie um höchstens 15 % unterschritten.

Im Juni 2015 dürfte der mittlere EU-Erzeugerpreis gegenüber Mai nur wenig gesunken sein, schätzt die Brüsseler Behörde, allerdings seien in einigen Ländern deutliche Einbußen registriert worden.

EU prognostiziert bis Jahresende 1,6 Prozent mehr Milch

EU-Prognose zur Änderung bei der Milchanlieferung 2015 gegenüber 2014. © EU-Kommission
Trotz der gesunkenen Erzeugerpreise wird die Milchanlieferung innerhalb der EU - aufgrund der wegfallenden Quoten und der guten Futtergrundlage in diesem Jahr größer ausfallen als 2014. Bis Jahresende erwartet die Kommission eine Zunahme um 1,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In der Summe dürfte die Menge mit rund 149 Millionen (Mio.) t aber nur um ein Prozent über jener von 2014 liegen, heißt es im "Short-Term Outlook". Auch hier orten die EU-Experten große Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten:
  • Während die Anlieferung in einigen großen Produzentenländern wie Deutschland und Frankreich in Summe kaum steigen dürfte,
  • werden seit April in Irland, Österreich, Luxemburg, Polen und Spanien höhere Mengen gemeldet.

Mehr Magermilchpulver erzeugt

Die Verlängerung der russischen Importsperre für Agrarprodukte aus der EU wird im Milchbereich vor allem zu geringeren Käseexporten der Union und in der Folge zu einer Umlenkung der Rohstoffverwertung Richtung Milchpulver und Butter führen, erwartet die Kommission. Demnach dürfte die Herstellung von Magermilchpulver 2015 um acht Prozent zulegen.
 
Die EU ist bei diesem Produkt auf dem Weltmarkt durchaus wettbewerbsfähig, dazu trägt auch der schwache Euro bei. In den ersten vier Monaten dieses Jahres konnten die Lieferungen insbesondere nach Ägypten, Pakistan, Japan, Vietnam, Thailand und Mexiko gesteigert werden, während es bei den Exporten nach Algerien und China zu Einbußen kam. Im Gesamtjahr 2015 werden voraussichtlich etwa 756.000 t Magermilchpulver exportiert, um 17 Prozent mehr als 2014. Somit dürften auch die Lager in dieser Produktkategorie in diesem Jahr kaum größer werden.

Steigende Butterproduktion

Die EU-Bürger schmieren scheinbar wieder mehr Butter aufs Brot. © HLPhoto/fotolia
Nachdem sich der Fettmarkt derzeit besser entwickelt als die Eiweißvermarktung, könnten die EU-Butterexporte in diesem Jahr - trotz des russischen Embargos - um zehn Prozent auf 150.000 t gesteigert werden. In den ersten vier Monaten 2015 konnten bereits höhere Lieferungen nach Ägypten, Saudi-Arabien und in die USA erreicht werden. Sowohl die EU als auch Neuseeland profitieren vom geringen Butterausstoß in den Vereinigten Staaten. Wie aus der EU-Prognose weiters hervorgeht, wird bei der Butterproduktion der EU in diesem Jahr eine Steigerung um drei Prozent erwartet.
 
Die forcierten Exporte, die in Summe nur sieben Prozent der Erzeugung ausmachen, sind allerdings nicht der einzige Treiber für diese Entwicklung: Der höhere Verbrauch am EU-Binnenmarkt - insbesondere in der Industrie und im Gewerbe - dürfte den Buttermarkt stützen und wachsende Lagerbestände verhindern. Ende April 2015 umfassten die privaten Butterlager in der EU eine Menge von etwa 50.000 t.

Käse-Exporte etwas geringer

Die EU-Kommission geht davon aus, dass die gute Binnenmarkt-Nachfrage auch bei Käse zu einer leichten Steigerung der Produktion um 0,5 % auf 9,42 Mio. t führen wird. Bei leicht niedrigeren Preisen und einer Erholung der wirtschaftlichen Situation in der EU könnte der Pro-Kopf-Verbrauch von 17,1 auf 17,4 kg und der Konsum in Summe um 1,7 % gesteigert werden. Der russische Importstopp wird im Käsebereich weiter zu einer Umlenkung der Warenströme führen. Die EU-Ausfuhren Richtung USA, Japan und Südkorea konnten in diesem Jahr bereits signifikant erhöht werden. Insgesamt dürften die Käseexporte aber 2015 mit geschätzten 678.000 t um sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.
 
Die Erzeugung von Vollmilchpulver wird in diesem Jahr in der EU voraussichtlich um drei Prozent auf 818.000 t gesteigert werden, wobei in der Prognose sowohl der zunehmende Binnenmarktverbrauch als auch die um zwei Prozent höheren Exporte als Gründe angeführt werden.
 
Im Bereich Milchfrischeprodukte gehen die Kommissions-Experten von einem rückläufigen Konsum bei Trinkmilch und gleichzeitig einem zunehmenden Verbrauch von Rahm aus. Bei den Exporten hält man in dieser Produktkategorie eine Zunahme um fünf Prozent für wahrscheinlich.
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