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Haltung und Mast

EU-Rindfleischmarkt: Knappes Angebot und hohe Preise

von , am
05.06.2012

Der starke Produktionsrückgang beim Rindfleisch lies die Preise kräftig steigen. Daran konnte auch der schrumpfende Export nichts ändern. Die Preise für Schlachtkühe lagen ein Drittel höher als im Vorjahr.

Für Jungbullen und Schlachtkühe gab es in der sechsten Kalenderwoche vier bzw. sechs Cent mehr. © Kalle Kolodziej/fotolia.de
Hauptgrund für den kräftigen Preisanstieg ist das weitaus stärker als erwartet zurückgehende Angebot. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres brach die Produktion nach den Daten der EU-Kommission um - 5,1 Prozent (%) ein. Der rückläufige Produktionstrend trifft für alle bedeutenden EU-Produktionsländer gleichermaßen zu – mit Ausnahme von Deutschland. Hier nahm die Produktion im Vorjahresvergleich um + 2,7 % zu. Demgegenüber schrumpfte die Produktion in Frankreich in den ersten drei Monaten Jahres um -2,9 %, in Italien um -7 %, in Dänemark um -6,8 %, in Irland um -10,5 %, in den Niederlanden um -7,7 %, im Vereinigten Königreich um -9,2 % und in Polen sogar um -15,1 %. Damit geht die Produktion in allen für die Vermarktung von deutschem Rindfleisch wichtigen EU-Ländern zurück. Am stärksten ist der Produktionseinbruch bei Bullen (-6,5 %) und Ochsen (-13 %). Aber auch bei Kühen und Färsen blieb die Angebotsmenge - 1,8 % bzw.-6,2 % unter dem Vorjahreswert.

Export um ein Viertel kleiner

Preisentwicklung für Schlachtkühe und Jungbullen. © Quelle: EU-Kommission
Der europäische Export von Rindfleisch und lebend Rindern geht Anfang 2012 in etwa so stark zurück wie von der Kommission in ihrer Februarprognose erwarte. In den ersten drei Monaten des Jahres exportierten die EU-Länder nach Daten der EU-Kommission etwa ein Viertel weniger (Produktgewicht) Rindfleisch und lebende Rinder als im letzten Jahr. Allerdings blieben die Exporte lebender Rinder nahezu stabil, während sich die Fleischexporte fast halbierten. Wichtigster Absatzmarkt für die EU war weiterhin die Türkei vor Russland. Auf beide Länder entfielen 20 % bzw. 17 % aller Ausfuhren. Im Vergleich zum letzten Jahr haben sich die Exporte in die Türkei jedoch um 54 % und nach Russland um 40 % verringert. Auch alle anderen Abnehmer importierten deutlich weniger. Die Ausfuhrmenge Deutschlands, des größten Exporteurs im letzten Jahr, hat sich nahezu halbiert.

EU bleibt Nettoexporteur

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Ebenfalls rückläufig waren in den ersten drei Monaten 2012 die europäischen Rindfleisch-Einfuhren. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Importmenge um 12 % ab. Damit hatte man Anfang des Jahres eigentlich nicht gerechnet, doch das knappe globale Angebot und die hohen Weltmarktpreise begrenzen die Einfuhren. Die drei wichtigsten Lieferanten für den EU-Markt waren Brasilien, Argentinien, Uruguay. Zusammen kamen die Südamerikaner auf einen Marktanteil an den Importen von 75 %. Alle drei Länder haben jedoch zwischen 11 % und 20 % weniger Rindfleisch in die EU-geliefert als im letzten Jahr. Stabil geblieben sind die Importe aus den USA und hinzugewonnen haben Australien und Neuseeland. Insgesamt gesehen bleibt die EU in den ersten die Monaten des Jahres 2012 Nettoexporteur, mit etwa doppelt so hohen Exporten wie Importen.
 
Preise und Nachrichten zum Rindermarkt finden Sie in unserem neuen dlv-Angebot Marktkompass unter der Rubrik Tiere.
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