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Milchproduktion

Expertengruppe gibt sieben Empfehlungen für EU-Milchsektor ab

von , am
16.06.2010

Brüssel - Die High Level Group Milch hat ihren Abschlussbericht zum EU-Milchsektor vorgelegt. Darin schlägt sie unter anderem vor, Lieferbeziehungen zwischen Erzeugern und Molkereien mit Vertragsmodellen zu regeln.

© Schmöller

Dacian Ciolos, EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, will den Bericht genau prüfen und bis Ende des Jahres konkrete Vorschläge daraus ableiten:

"Mein Hauptziel ist es, mittel-bis langfristige Maßnahmen ergreifen zu können, die die Lehren aus der Krise im vergangenen Jahr berücksichtigen. Ich will eine bessere Strukturierung des Sektors erreichen."

 

Die High Level GroupMilch richtet sich mit sieben Empfehlungen an die Kommission:

  • Vertragsbeziehungen
    Die vertraglichen Beziehungen zwischen Milchproduzenten und Milchverarbeitern müssen verbessert werden. Dafür könnten Vertragsmodelle entwickelt werden, die Preis, Volumen, Zeitpunkt und Dauer der Lieferungen regeln.
  • Mehr Marktmacht für Produzenten
    Die Expertengruppe fordert die Kommission auf, über ein Gesetz nachzudenken, dass es Erzeugergemeinschaften ermöglicht, einheitliche Verträge (einschließlich Preis) mit den Molkereien auszuhandeln.
  • Rolle von Branchenverbänden im Milchsektor
    Die Kommission soll prüfen, ob geltende Bestimmungen für Branchenverbände im Obst-und Gemüse-Sektor auch auf den Milch-Sektor übertragen werden können.
  • Transparenz
    Die Experten der High Level Group schlagen vor, Instrumente zur Überwachung der Milchpreise einzurichten. Eurostat soll prüfen, ob künftig Daten zur Milchmenge und zum Produktionsvolumen einzelner Milchprodukte veröffentlich werden können.
  • Marktbezogene Maßnahmen und Futures
    Um die Volatilität des Marktes abzufangen, soll die Kommission WTO-konforme Regulationsmöglichkeiten prüfen. Dazu zähle der Terminmarkt für Milch. Um Landwirten den Einstig zu erleichtern, könnten dafür gezielte Trainingsprogramme eingerichtet werden.
  • Vermarktungsnormen und Herkunftsangabe
    Die Arbeit der Kommission zur Kennzeichnung von Produkten soll erweitert werden. Für den Milchbereich schlägt der Bericht vor, die Möglichkeit einer Herkunftskennzeichnung zu prüfen. Außerdem müssten "Milchimitate" besser gekennzeichnet sein.
  • Innovation und Forschung
    Verbesserung der Kommunikation im Bereich Innovation und Forschung innerhalb des bestehenden Programms für ländliche Entwicklung und Forschungsrahmenprogramme. Die Akteure sollten klare Forschungsprioritäten für den Milchsektor definieren, um eine bessere Koordinierung der nationalen und gemeinschaftlichen Forschungsprogramme zu ermöglichen.

Hintergrund High Level Group Milch

Nach der schwierigen Marktlage für Milch im vergangenen Jahr wurde im Oktober 2009 die High Level Group Milch (HLG) eingerichtet. Ziel war es, mittel- und langfristige Maßnahmen auszuloten, die auf das Auslaufen der Milchquotenregelung am 1. April 2015 vorbereiten. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Health Check, war die HLG aufgefordert, sollten der Milchmarkt und das Einkommen der Erzeuger stabilisiert und die Markttransparenz verbessert werden.

Von Oktober 2009 bis Juni 2010 haben dafür zehn Sitzungen stattgefunden. Ein Entwurf des Berichts wurde im Mai vorgelegt. Die High Level Group besteht aus Vertretern der Mitgliedstaaten unter dem Vorsitz des Generaldirektors für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Jean-Luc Demarty. Um sich ein Bild zu machen, hörte die HLG in den vergangenen Monaten die Meinungen der wichtigsten europäischen Interessengruppen im Milchbereich an.

Eine Kopie des Berichts der High Level Group wird an den Rat und den Agrarausschuss des Europäischen Parlaments geschickt. Im Juli wird der EU-Rat darüber diskutieren. (pd)

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