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Milchviehhaltung

Färsenhaltung: Einzeltiere oder Gruppen managen?

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am Montag, 03.12.2018 - 10:26 (Jetzt kommentieren)

Zusammenleben will gelernt sein. Wie in einer Wohngemeinschaft treffen in der Milchviehhaltung immer neue Charaktere aufeinander. Färsengruppen sollen dabei helfen, den Frieden zu wahren. Ob dieses System immerzu empfehlen ist, untersuchten verschiedene Studien.

Färsen fressen weniger und dafür häufiger

Das Verhaltensmuster eines Rinds ist komplex und kann nicht nur zwischen den Rassen, sondern auch innerhalb einer Population stark variieren. Wie in einem Mehrgenerationenhaus leben in einem Kuhstall unterschiedliche Charaktere und Altersstufen zusammen. Gerade Färsen brauchen genügend Platz im Stall, um älteren und dominanteren Tieren ausweichen zu können.

Dass es Unterschiede im Verhalten zwischen jungen und älteren Kühen gibt, konnten schon mehrere Verhaltensstudien belegen. Doch was bedeutet das letztendlich für den Tierhalter? Um eine durchschnittliche Herdenleistung von 10.000 l Milch pro Kuh zu erreichen, müssen sich alle Tiere gleichermaßen wohlfühlen. Für eine art- und leistungsgerechte Haltung muss daher das Sozialverhalten näher betrachtet werden. Hierfür ist es wichtig, die Verhaltensmuster der Tiere in Abhängigkeit von Alter, Laktationsstadium und Leistung zu kennen.

So weisen Erstkalbskühe im Gegensatz zu ihren älteren Artgenossen ein anderes Fressverhalten auf. Sie besuchen häufiger den Futtertisch, nehmen dabei kleinere Futtermengen zu sich und benötigen insgesamt mehr Zeit für die Nahrungsaufnahme. Forscher ermittelten, dass Erstkalbinnen etwa 20 Prozent weniger Trockensubstanz fressen im Gegensatz zu ihren älteren Stallgenossinnen. Die Futteraufnahme ist somit neben der Verfügbarkeit auch vom Sozialgefüge innerhalb der Herde abhängig.

Färsen haben einen größeren Bewegungsdrang als Kühe

Was für einen Einfluss die Gruppengestaltun neben der Nahrungsaufnahme noc auf das Verhalten der Wiederkäuer ausübt, untersuchte die Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern. Dazu verglichen die Forscher zwei Betriebe mit unterschiedlichem Gruppenmanagement. Die Tiere wurden jeweils in Laufställen gehalten und konnten sich in ihrem Verhalten frei entscheiden. Nur das dreimalige Melken bildete eine Ausnahme.

Im ersten Betrieb wurden die Färsen und die Kühe ab der zweiten Laktation zusammengehalten. Im zweiten Betrieb erfolgte eine getrennte Aufstallung beider Gruppen für die ersten 150 bis 180 Tage in Milch. Insbesondere das Verhalten beim Fressen, Ruhen, Entspannen und in der Bewegung sollte hierbei erfasst werden.

Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass im ersten Betrieb die Kühe mehr Zeit in den Liegeboxen verbrachten im Vergleich zu den Färsen und auch mit den Vorderbeinen länger in den Boxen standen. Das Tier-Liegeplatz-Verhältnis betrug dabei 1:1. Im Gegensatz dazu hielten sich die Erstkalbskühe länger am Fressgitter und fast 1 Stunde länger in den Laufgängen auf.

Im zweiten Betrieb waren die Erstkalbinnen und die Mehrkalbskühe unter gleichen Haltungs- und Fütterungsbedingungen untergebracht. Das Tier-Fressplatz-Verhältnis betrug 1,9:1. Auch hier waren die Färsen knapp 1 Stunde länger mit der Futteraufnahme beschäftigt. Die Kühe lagen zwar im Schnitt länger in den Liegeboxen, jedoch betrug die Differenz zu ihren jüngeren Stallmitbewohnerinnen knapp 20 Minuten.

In der Auswertung wurde vor allem der größere Bewegungsdrang der Jungkühe sichtbar. Sie hielten sich insgesamt länger in den Laufgängen auf und bewegten sich im Vergleichzu den Mehrkalbskühen intensiver.

Kaum Unterschiede bei einer separaten Färsengruppe

In Schleswig-Holstein wurde ein ähnlicher Haltungsversuch durchgeführt. Es wurd eine separate Färsengruppe mit 36 Erstkalbinnen eingerichtet und diese mit gleichaltrigen Tieren in einer gemischten Gruppe verglichen. Die Haltungsbedingungen waren auch hier für beide Gruppen identisch, wobei das Tier-Liegeboxen-Verhältnis 1:1 und das Tier-Fressplatz-Verhältnis 2:1 betrug.

Bei der Auswertung der Ergebnisse zeigte sich, dass die Färsen der separaten Gruppe etwas mehr Zeit für ihre Gesamtfutteraufnahme, für jeden Futtertischbesuch und für jedes aufgenommene Kilogramm Trockenmasse verwendeten als die Vergleichstiere in der gemischten Gruppe. Diese Unterschiede waren jedoch sehr gering, wodurch keine messbaren Vorteile durch das Aufstellen einer separaten Färsengruppe deutlich wurden.

Ranghohe Kühe beanspruchen die besten Liegeplätze

Auch englische Wissenschaftler untersuchten, ob die Trennung dominanter und rangniedrigerer Tiere eine Verbesserung bringt, denn die Wahl des Liegeplatzes ist nicht zufällig. Das konnte in Verhaltensstudien bei Rindern häufig beobachtet werden. Im Laufstall werden bevorzugt Plätze mit weichem Untergrund gewählt. Dabei beanspruchen vor allem die ranghohen Kühe die bequemsten, ruhigsten und am besten klimatisierten Liegeplätze im Stall.

Die Ergebnisse zeigten, dass die kurzzeitige Trennung von dominanten und rangniedrigeren Tieren sich positiv auf die Milchleistung ausüben kann. Diese Beobachtungen traf jedoch nur für die reine Stallhaltung zu.

Bei reiner Weidehaltung mit ausreichendem Platzangebot konnte eine Trennung dominanter und unterlegener Kühe keine Verbesserung hinsichtlich der Leistung oder des Verhaltens bewirken. Darüber hinaus reduzierte die kurzzeitige Aufstallung in Gruppen den sozialen Stress für rangniedrigere Färsen und für Mehrkalbskühe.

Fazit Färsengruppe

Steht den Färsen genügend Bewegungsfreiheit im Stall zur Verfügung, ist eine separate Färsengruppe nicht unbedingt notwendig. Die Verdrängungsaktivität der Färsen durch die älteren Kühe bleibt dann auf einem geringen Niveau. Dafür empfehlen Experten, ein Tier-Fressplatz- Verhältnis von 1,5:1 und eine zuverlässigeAd-libitum-Fütterung zu gewährleisten. Mit genügend Platz im Stall, lässt sich gut zusammenwohnen.

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