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Kommentar

Faire Tierhaltung: Klare Ansage, vager Rahmen

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
22.06.2016

Kurz vor dem Deutschen Bauerntag haben die Grünen gleich zweimal ihr Lieblingsthema beackert: Faire Tierhaltung. LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan kommentiert.

Die Grünen schlagen zum einen in einem Positionspapier einen "Pakt für faire Tierhaltung" vor: Ziel ist ein Umbau der Tierhaltung in den kommenden 20 Jahren.

Zum anderen hielten sie am Wochenende in Hannover eine Konferenz zum selben Thema ab.

Familienbetrieb als "echtes großes Mastunternehmen"?

Die ersten Reaktionen von praktizierenden Tierhaltern in den sozialen Netzwerken waren vernichtend. Und das völlig verdient. Denn Fraktionsvorsitzender Hofreiter postete heraus, dass Deutschland keine Ställe mit 40.000 Hühnchen oder 10.000 Schweinen brauche.

Diese beiden Größenordnungen zu vergleichen, ist wie Federn gegen Blei aufzuwiegen. Außerdem stellt es den normalen bäuerlichen Familienbetrieb mit Hähnchenmast unterschiedslos in eine Reihe mit echt großen Mastunternehmen. Da war Widerspruch programmiert.

Wie weit soll und kann das Wachstum gehen?

Allerdings berühren die Grünen, gerade in diesen schwierigen Zeiten sicher mit voller Absicht, eine Frage, die derzeit auch viele Landwirte umtreibt: Wie weit soll, wie weit kann das Wachsen denn noch gehen, wenn es am Ende doch kein Garant für sicheres Einkommen ist?

Ob "grüner statt größer" tatsächlich der Königsweg ist, darauf kann es keine Antwort geben, solange die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vage bleiben. Der Hinweis auf leidlich bekannte Umfragen, in denen Verbraucher bekunden, gern mehr zahlen zu wollen, reicht längst nicht.

Und angesichts der nachgefragten Mengen im Standardpreissegment brauchen wir in Deutschland sehr wohl Hähnchenställe mit 40.000 Plätzen. Selbst die hierzulande abgelieferten Schweine reichen noch nicht aus, um den Bedarf an Filets zu decken. Ein entscheidendes Bindeglied ist hier der Lebensmittelhandel. Der wird zwar im Positionspapier angesprochen, nahm an der Konferenz aber nicht teil. Die Schwierigkeiten beginnen eben, wenn Politik auf die Wirklichkeit trifft.

Tierhalter bessere Einkommensmöglichkeiten schaffen

Was auffällt im Grünen-Papier ist die mehrfach erklärte Absicht, Tierhaltern nicht die wirtschaftliche Perspektive nehmen, sondern bessere Einkommensmöglichkeiten schaffen zu wollen. Bei diesem Wort sollte man sie nehmen.

Denn auch der Deutsche Bauerntag wird sich nächste Woche mit der Zukunft der Tierhaltung befassen. Vermutlich wird er die Bereitschaft zu weiteren Veränderungen bekräftigen. Die aber brauchen Verlässlichkeit.

Wenn das Papier der Grünen bedeutet, dass nicht schon morgen wieder ein neuer Wunschzettel aus dem Hut gezaubert wird, wäre das ein erster Fortschritt.

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