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Faktencheck: Ist Zitzenversiegeln beim Kuhfitting erlaubt?

Kühe
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Katharina Krenn, agrarheute
am
29.06.2017

Bei der Deutschen Holsteinschau ist beim Kuhfitting das Versiegeln der Zitzen erlaubt. Bei Braun- und Fleckviehschauen dagegen nicht. Was hinter der Praxis steckt und worauf die Preisrichter achten.

Laut dem Regelwerk für die Deutsche Holstein-Schau ist das äußerliche Versiegeln der Zitzen beim Kuhfitting erlaubt. Die Regeln wurden zusammen mit Veterinären entwickelt, erklärt der Geschäftsführer des Deutschen Holstein Verbands, Dr. Egbert Feddersen, gegenüber agrarheute. Dies sei internationale Praxis auf Zuchtschauen und würde aus Hygienegründen gemacht.

Mit der Versiegelung wird ein Auslaufen der Milch verhindert, wodurch sich Keime bilden. Zudem wird verhindert, dass fremde Keime in den Euter gelangen und diese Euterentzündungen verursachen.

Welcher Klebstoff wird für die Zitzen verwendet?

Für das Versiegeln ist nur elastisches Kollodium zugelassen. Es handelt sich dabei um eine zähflüssige Lösung aus Kollodiumwolle und einer Mischung aus Ether, Alkohol und Rizinusöl. Kollodium Elasticum wird auch in der Maskenbildnerei und in der Medizin verwendet als Verschlussmittel für kleinere Wunden. Nach dem Auftragen trocknet die Substanz zu einem dünnen transparenten elastischen Häutchen, welches sich schmerzfrei wieder ablösen lässt.

Hier ist Zitzenversiegelung nicht mehr erlaubt

Auf deutschen Braun- und Fleckviehschauen ist das Zitzenversiegeln nicht mehr erlaubt. Wenn ein Preisrichter einen Regelverstoß bemerkt, werde die Kuh disqualifiziert, erklärt der Vorsitzende des bayerischen Jungzüchterverbands Florian Götz. Trotzdem wird das Verbot immer wieder von den Zuchtverbänden kritisch diskutiert.

Ein Grund: Beim Testen, ob geklebt wurde, berühren die Kontrolleure die Zitzen. Das hat oft zur Folge, dass Milch einschießt, was für die Kuh unangenehm sein kann. Ein weiteres Problem sind die schwarzen Schafe unter den Züchtern, welche das Verbot umgehen, indem sie die Zitzen mit einem nicht sichtbaren Tropfen Sekundenkleber verschließen, berichtet ein Jungzüchter.

Problem: Zu volle Euter

Ein größeres Problem auf Zuchtschauen seien dagegen zu volle Euter. Die Schau-Veranstalter versuchen mit Kontrollen gegenzusteuern. Auf der Deutschen Holstein-Schau werden seit 2015 die Schaukühe von einem Team von Amtsveterinären kontrolliert. Sowohl vor der Show im Stall als auch am Einlass zum Ring prüfen die Kontrolleure, ob die Kuh den tierschutzrechtlichen Richtlinien entspricht und vor allem auch die Euter. Sind die Euter zu voll, wird das Tier zurück zum Abmelken geschickt.

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